Control (Anton Corbijn, 2007)

Anton Corbijn begleitet mich indirekt schon mein ganzes Leben.

Depeche Mode waren mein Babybrei, Joy Division die Versinnbildlichung meiner Jugend. Corbijns Filmdebüt habe ich 2007 tatsächlich im Kino erlebt. Eher überlebt. So sollte der Film von dem Zeitpunkt an die Nummer 1 meiner cineastischen Gänge zur Schlachtbank werden. Und dabei war ich nicht die Person, die im Kino vollkommen zusammenbrach.
(Oh, du liebenswürdiger Mensch der eine Reihe hinter mir saß, links in der Ecke, ich huldige dir!)

War eine Geschichte jemals prädestinierter für eine Umsetzung in Schwarz-Weiß?
Dies ist kein glorifizierendes Biopic über einen toten Musiker mitsamt Groupies, Exzess und Erfolg. Es ist der Weg eines jungen Menschen. Anfänglich fasziniert vom glamourösen Selbstmord-Chic eines Bowie oder Reed, Wordsworth zitierend und von der ersten großen Liebe erfasst, entwickelt sich das Leben des Ian Curtis zu einer Existenz, die stetig an Schwere zunimmt.
Zahlreiche Faktoren komplizieren ein Leben, was vor kurzem noch so einfach schien.
Will ich mein Leben lang Unmengen an Tabletten zu mir nehmen, die Nebenwirkungen mit sich bringen, die mich deutlich im Alltag beeinträchtigen?
Kann ich mit dem Gefühl leben, dass ich nicht einmal Kontrolle über meinen Körper habe?
Das Leid ist spürbar. Es ist greifbar, wenn Ian singt. Die Ausweglosigkeit dabei in den Augen.
Der Erfolg und die resultierenden Geschehnisse überfordern. Die Kraft, die er aufbringen muss, um dem Publikum, der Band und den Menschen das zu geben, was sie brauchen und wollen, ist nicht aufbringbar. Das Leben bröckelt und bricht, allmählich überschattet die Angst Ian Curtis.

Die Liebe zerrt an ihm.
Er kann nicht mit ihr leben.
Er kann nicht ohne sie leben.
Die Unerträglichkeit des Seins.

 

Dieser Film ist eine Herzensangelegenheit. Und das merkt man. Dieser Text ist eine Herzensangelegenheit. Ich hoffe, dass merkt man auch. Ich kann seit meinem 15. Lebensjahr nur ein Gedicht zu jeder Tages- und Nachtzeit rezitieren. Und dies ist nicht von William Wordsworth, sondern von Ian Curtis:

I wish I were a Warhol silkscreen
Hanging on the wall
Or little Joe or maybe Lou
I’d love to be them all
All New York City’s broken hearts
And secrets would be mine
I’d put you on a movie reel
And that would be just fine

Ewige Filmliebe

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