Les Misérables (Tom Hooper, 2012)

 

,,Les Misérables“ ist eine überdramatisierte, triefende, langatmige und fulminante Hollywoodadaption eines Musicals. Bis auf drei Sätze wird nur gesungen und die Kulissen sehen immer nach Schultheater oder Greenscreen aus. Und es wird wirklich jeder noch so nichtige Satz gesungen. Und ich liebe es!

Ich hatte den Film ohne Vorwissen und Erwartungen bei der Berlinale gesehen. Schon nach der Eröffungssequenz wusste ich, dass ich hier richtig bin, um melodramatisch im Elend zu baden. Und das kann ich gut. So ließ ich den Alltag hinter mir und begab mich in ein Szenario, welches sich mit zentralen Themen des Menschseins wie zum Beispiel Gerechtigkeit, Moral, Rache und Liebe auseinandersetzt und ihnen mehr Bedeutung beimißt als zumeist die Routine der „Realität“ das zulässt.
Die allgemeine Handlung ist schnell erzählt, aber die Geschichten und Hintergründe der einzelnen Figuren sind wahrlich interessant. Auch wenn man das literarische Werk Victor Hugos nicht gelesen hat und auch noch nicht in den Genuss kam, dass Musical auf einer Bühne zu sehen, so spürt man sofort Leben in den einzelnen Charakteren. Egal wie klein die Rolle ist, man entwickelt leicht Sympathie und Antipathie. Vive la Besetzung!

Hugh Jackman als Jean Valjean ist der moralisch reinste Mensch auf Erden. Er tut immer das richtige und steht für seine Taten ein. Normalerweise sind solche Menschen eher unauthentisch und ätzend, aber Hugh Jackman darf alles, denn er ist Wolverine.

Russell Crowe als sein Gegenspieler Javert ist auch perfekt. Wer ist für die Rolle eines Inspektors, der jemanden Jahrzehnte aufgrund eines gestohlenen Brotes verfolgt besser geeignet als dieser Vollhorst. Es gibt wirklich nahezu niemanden (außer vielleicht Bono) auf den ich meinen Hass so effektiv projizieren kann. Doch ich preise ihn, denn er zeigt uns, dass man wenigstens als „Bösewicht“ in einem Musical nicht singen können muss. Das motiviert ungemein.

Anne Hathaway berührt als Fantine, aber diese Frau kann ja auch irgendwie gefühlt alles. Vorallem bei ihrer Performance merkt man, wie genial die Entscheidung war, den Gesang nicht vorher aufzunehmen sondern am Set zu singen. Diese Passagen, wenn sie weint und dabei etwas brüchiges in der Stimme ist, sind jedes Mal unglaublich emotional.

Sacha Baron Cohen und Helena Bonham Carter als das Ehepaar Thénardier mochte ich sehr. Viele mussten an „Sweeney Todd“ denken und empfanden das als störend, aber ich war zu beschäftigt mich zu freuen, dass sie überhaupt da sind.

Wen ich auch zum Dank verpflichtet bin, ist Eddie Redmayne. Er hat wirklich das perfekte Backpfeifengesicht, was für die Rolle des Marius Pontmercy elementar ist. Schon der Name signalisiert, dass das der Charakter ist, über den man sich am meisten lustig machen darf. Und ich liebe ihn dafür.

Passend dazu wurde Amanda Seyfried als Cosette gecastet. Wie kann man sie nicht lieben, wenn sie einen mit riesigen Augen anschaut und dabei in Höhen Töne absondert, deren Existenz einem vorher nie bewusst waren.

Auch Samantha Barks als Éponine spielt ihre Rolle des Verlierers des Monats so würdig wie möglich. Wobei ihr unglaublich schmaler Oberkörper von Zeit zu Zeit ein wenig ablenkt.

Ich hoffe wir sehen den Darsteller des Gavroche in den nächsten Jahren wieder. Ein toller Schauspieler der wahrscheinlich jedem das Herz gestohlen hat.

Doch was mich am meisten bei Laune hielt, war der gay subtext zwischen Enjolras und Grantaire.


Und dafür liebe ich diesen Film. Wenn man ihn ernst nimmt und mitleidet, einfach etwas epischem im Leben beiwohnen möchte, dann ist der Film ideal. Wenn man allerdings auch einen Sinn für unfreiwillige Komik und interessante Interpretationen hat, dann ist der Film auch ideal. Eine absolute Win/Win-Situation, außer für die typischen doofen, deutschen Musicalhasser.
Und so beende ich diese mehr-schlecht-als-recht-Kritik mit einem Geständnis.

Ja, meine Handynummer endet auf 24601. Ich gebe es zu. Ich bin bescheuert.

 

Ewige Filmliebe

2 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Das war eine sehr gute Kritik!
    Ich mag es sehr wie du auch persönliche Fakten und Witz einbringst.
    Deine Meinung zum Film kann ich auch nur teilen.
    „Les Miserables“ ist großartig und wuchtig 🙂

  2. Ich danke danke danke dir. Ich tue mein Bestes, um zu unterhalten.
    (Wahrscheinlich hast du dich über deinen ersten Kommentar auch so dumm und dämlich gefreut.)

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