Oddfellows (Tomahawk)

Heute befasst sich Franzi mit einem frischerem Werk, was erst 2013 erschienen ist. Ein Album, was seine Zeit braucht. Es ist sicherlich allen bekannt, dass ich derzeit die härteste Mike-Patton-Phase meines Lebens habe. (Ausführungen diesbezüglich im morgigen Beitrag.) Tomahawk war eine der Bands des Mike Patton mit denen ich nicht sofort etwas anfangen konnte. Wenn man sich in Mr. Bungle und Co. verliebt, wirkt Tomahawk im Kontrast ein bisschen wie die Foo Fighters neben Nirvana. Irgendwie glatt, ohne Kanten, wie eine konservative, simple Rockband.

Trotzdem habe ich in einer Kurzschlussreaktion das Album bei Amazon bestellt. Warum? Weil es mit Versand nur 13€ gekostet hat und ich endlich meine erste Ipecac-Records-Platte in der Hand halten wollte. Und ich wollte den Schmerz, dass das Vinyl von Peeping Tom und das von Mondo Cane viel zu teuer sind, lindern. Oder eher verdrängen.

Und dann hielt ich dieses furtchtbar gelbe Cover mit den unheimlich ernst guckenden Tieren in der Hand. Nachdem ich die Platte aufgelegt hatte, passierte etwas magisches. Die anfängliche Enttäuschung wandelte sich in pure Liebe. Als hätte das Album einfach nur auf den perfekten Moment gewartet, um in mein Leben einzuschlagen wie eine Bombe. Eine Bombe der Liebe naürlich. Wir wollen ja nicht Kriegspropaganda betreiben.

1. „Oddfellows“

Der Titeltrack hat durchaus etwas schleppendes, aber auch irgendwie etwas sehr einnehmendes. Ich fühle mich, als würde ich mich bewusst in die Obhut dieser Band begeben und überlassen ihnen komplett die Kontrolle über die nächsten 40 Minuten. (That sounded dirty.)

2. „Stone Letter“

 Ich denke wir sind uns alle einig, dass das der eingängigste Song der ganzen Platte ist. Durchaus poppig und auch textlich sehr zugänglich. Mich stimmte der Backgroundgesang und die Art wie er er den Refrain sing irgendwie immer melancholisch.

 3. „I.O.U“

Und wieder ein Lied, was textlich bei anderen Interpreten durchaus cheesy wirken könnte.  Ich frage mich manchmal, wer da was verarbeiten musste, aber wahrscheinlich interpretiere ich zuviel herein, um seine Sensationslust zu befriedigen. Auf jeden Fall mag ich auch hier dieses Background-ge-whoo-he. Vielleicht war ja Josh Homme zufällig mit im Studio und konnte sich nicht beherrschen.

Das Album wirkt auf den ersten Blick so ungeschmückt und roh, doch für mich hat es sich zu einem aggressiven, aber auch irgendwie verletzlichen Stück Musik gewandelt, was doch soviel zu bieten hat. Irgendwie eisig, stürmig, aber trotzdem milde. Ein perfektes Album für die Monate Januar bis April. Franzi – der Musikphilosoph und Wettergott.

4. „White Hats / Black Hats“

Der Song gehört leider nicht zu meinen Favoriten. Die Instrumentierung erinnert mich eigenartigerweise an Fall Out Boy. Ich weiß, ein großes „What da Fuck“ ist durchaus angebracht.

5.  „A Thousand Eyes“

Dieser Song war der Auslöser für meine Gefühlswandlung. Der Song lief im Hintergrund leise vor sich hin und bei dem Part der Gitarre ab 0:33 bis 0:38 hat sich alles verändert. Diese kleine, winzige Stelle in „A Thousand Eyes“ machte mich traurig. Nicht auf die extrovertierte Art mitsamt Heulkrampf und Selbstmitleid, sondern ganz introvertiert, ruhig und gediegen. Und diese feinen Momente des Schmerzes sind für mich nach mehrmaligen Hören entstanden. Ob das Tomahawk beabsichtigt haben, weiß ich nicht, aber es wäre schon interssant zu wissen, ob  es sich bei anderen auch so verhält oder ich meine Probleme und Gefühle zu sehr projiziere.

6. „Rise Up Dirty Waters“

Wer hätte gedacht, dass der Weg vom anfänglichen herumjazzlern zum Rockabilly gar nicht so weit ist.

7. „The Quiet Few“

Das Lied klingt ein bisschen nach A Perfect Circle. So eine bestimmte Art von düsterer Stimmung, die realitiv realitätsfern wirkt, eher mystisch.

8. „I Can Almost See Them“

Ich habe ja so meine Probleme mit dem Westerngenre, aber um diesen Song wirkungsvoll in einem Film sehen und hören zu dürfen, würde ich sogar das Drehbuch dazu schreiben.  Bis dahin müssen Tomahawk allerdings eine zweite Version aufnehmen, wo Mark Lanegan mitsingt. Das wäre dann Atmosphäre in Perfektion.

9. „South Paw“

Mein Lieblingssong. Zuerst dudelt er vor sich hin, der Text kaum verständlich. Dann eroberte der eingängige Refrain mein Hirn und bleibt seitdem dort hartnäckig verankert. Mein Herz eroberte das Lied als ich die Hülle geschändet habe und alle Texte dokumentiert habe. So habe ich erstmals lesen können, was der gute Mike Patton eigentlich singt. Da musste ich erstmal lachen.

you rub me so wrong
rub me so wrong
please keep your clothes on
keep your clothes on

Das ist doch mal eine Aussage. Auch hier frage ich mich wie es zu diesem lyrischen Erguss kam. (Again, that sounded dirty.) Noch lustiger als meine Vorstellungen dazu war jedoch seine wunderbare Art diese Zeilen zu singen.

what’s that?
the thing on your lip
you got
some shit
hanging off your lip

Ich bin hoch amüsiert und doch irgendwie peinlich berührt. Vielleicht sollte genau das ausgedrückt werden. Man weiß es nicht.

10. „Choke Neck“

Erinnert mich an Queens of the Stone Age und lässt mich ein bisschen unbeeindruckt zurück, aber es muss auch Lückenfüller zwischen zwei großartigen Songs geben.

11. „Waratorium“

Ich dachte zuerst Jon Spencer ist zum Singen vorbeigekommen. Ich mag den Text unglaublich gern und halte ihn auch für einen der Stärksten auf dem Album.

12. „Baby Let’s Play ____“

Ein geschmeidiger Abgang zum finalen Song.

13. „Typhoon“

Ich persönlich hätte die beiden letzten Songs getauscht. Ich präferiere den ruhigen Abgang, da ich mich durch diese schöne Gitarren- und Bassarbeit dazu gezwungen fühle, die Platte nochmals umzudrehen und von vorne zu hören. Es ist ein Teufelskreis mit dem ich nach dem ersten Durchhören des Albums niemals gerechnet hätte.

Friedls Vinylkiste

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