Brazil (Terry Gilliam, 1985)

Es gibt Filme, die sind wie Träume.

Es gibt Filme, die sind wie Alpträume.

Und dann gibt es „Brazil“.

Ich habe „Brazil“ vor Jahren auf Kabel 1 gesehen, so gegen 2 Uhr nachts. Ich empfand ihn als anstrengend und lang, aber nachdem er vorüber war, saß ich noch Minuten regungslos vor dem Fernseher. Einige Zeit später legte ich mir die DVD zu, habe sie aber seitdem nicht geschaut. Trotzdem zählte ich den Film zu meinen Lieblingen. Heute war dann der große Tag an dem ich ihn ein zweites Mal gesehen habe.

„Brazil“ gehört zu den Filmen, die mich in eine Stimmung versetzen, in ein Gefühl, was dem Moment nahe kommt, wenn man gerade aufwacht, aber in Gedanken noch in einem Traum ist. Irgendwo gefangen zwischen dem Alltag und einer kreierten Fantasie. So fühle ich mich den ganzen Film lang.  Die Gebäude, die Charaktere, alles ist keiner konkreten Zeit zuzuordnen. Alles wirkt übertrieben, surreal und doch irgendwie echt. Die Welt wirkt bedrohlich und zynisch. Ein farbenreicher und fantasievoller Film, doch eine bittere, düstere Realität wird erschaffen. Es ist ein böser Traum, der nicht endet. Als wäre man vor einem Fernseher gefesselt und müsste ohne Unterbrechung im 5-Sekunden-Takt durch die Kanäle schalten und nur bei Werbung einhalten.

Es ist eine Konfrontation mit der Realität, mit der Zukunft, aber auch mit dem eigenen Geiste. Terry Gilliam erschafft eine Welt, die man sofort erfassen kann. Man weiß sofort, wie sich das Leben dort anfühlen muss. Und das schafft er ohne sich und sein Werk in irgendeiner Form erklären zu müssen, denn bei einer solchen Vermittlung einer Atmosphäre durch die Bilder ist das  nicht nötig. So bin ich fasziniert, verschreckt, amüsiert, verstört- und das alles zur selben Zeit.

Ich bin gefesselt von dem Film, kann nicht wegschauen, obwohl es teilweise eine Tortur ist. Er hat etwas wunderschönes, doch er zeigt das Hässliche. Das was unbewusst abläuft. Das was in meinem Unterbewusstsein spukt. Wovor ich weglaufe.

 

 

Ewige Filmliebe

4 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Schöner Beitrag, Brazil ist auch einer meiner ewigen Lieblingsfilme und imho der unerreicht beste von Terry Gilliam. Wenn du auch Interesse an der Entstehung des Films und der Kontroverse um ihn in den USA hast, kann ich nur wärmstens empfehlen, die 3-DVD-Box oder die BD aus der Criterion Collection aufzustöbern. Die US-Fassung fürs dortige Fernsehen ist neben reichlich weiterer Boni in dieser Sammlung enthalten, und die sollte man mal gesehen haben, um ein Paradebeispiel geradezu perverser Inhaltsverdrehung um satte 180° präsentiert zu bekommen. Gruselig!

  2. Ich hab leider nur die Cineproject-Ausgabe der DVD, aber die amerikanische Fassung interessiert mich brennend. Ich habe im Text völlig vergessen zu erwähnen wie sehr ich Michael Palin liebe…ach Mensch…

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