Black Celebration (Depeche Mode)

1986. Das waren noch Zeiten!

Dass ich zur zweiten Generation der Fangemeinde gehöre, dürfte bekannt sein. Depeche Mode waren schon immer in meinem Leben präsent und werden es auch immer bleiben. Die Ersatzreligion meiner Familie. Doch nun zu meinem Lieblingsalbum. Ich finde es faszinierend, wie viele Menschen nun von „Violator“ reden würden. Ich habe den Hype nie verstanden und empfand es immer als eigenartiges, halbgares Album, welchem eben noch nicht die Stärken vom zweitbesten Werk „Songs Of Faith And Devotion“ besitzt. Und auch nicht diese sperrige, düstere Atmosphäre. Dieses Faible begründet wohl auch meine Auswahl. Desweiteren ist es nur logisch, dass „Black Celebration“ mein Album ist, schließlich ist es das Martin-L-Gorigste (ein schönes Adjektiv). Viele Menschen präferieren dies nicht, da Martin einen hohen Anteil am Gesang hat. Den höchsten der Diskografie von Depeche Mode. Wäre ich seit meiner Kindheit nicht in ihn verliebt, würde ich wahrscheinlich auch verstehen warum.

Doch dem ist nicht so. 120 Tage Arbeit für ein fulminantes, wunderbares geschlossenes Werk. Alles wie aus einem Guss und fast schon als Konzeptalbum zu bezeichnen. Ich bin ihnen für diese Arbeit sehr dankbar.

1. „Black Celebration“

Fangen wir gleich mit meinem Lieblingssong von Depeche Mode an. Ich denke, man braucht nicht zu debattieren, dass diese Band der König der Melodien ist. Auch was den unglaublich gut arrangierten Klangteppich angeht gibt es niemand, der so innovativ ist. Diese Mischung aus unüblichen Geräuschen und Instrumenten und der unglaubliche Eingängigkeit lässt mich immer wieder sprachlos zurück. Auf der einen Seite Popmusik in reinster Form, auf der anderen Seite so unglaublich melancholisch und meist schwer. Dieser Eröffnungssong ist wahrlich der Auftakt einer schwarzen Messe bei der es nicht darum geht in Selbstmitleid zu baden, sondern den Schmerz zu zelebrieren.  Idealerweise im Regen auf einem Konzert.

To celebrate the fact
That we’ve seen the back
Of another black day 

2. „Fly On The Windscreen“

Nahtlos geht es über. Perfekt.  Mir fällt keine Band ein, wo man die Verbindung zweier Stimmen aus magisch bezeichnen könnte, außer natürlich diese. Ich mag es, wie sie einem gleich als erste Zeilen so etwas an den Kopf knallen:

Death is everywhere
There are flies on the windscreen
For a start
Reminding us
We could be torn apart
Tonight

3. „A Question Of Lust“

Martin Gore – der Meister der sanften, zerbrechlicheren Töne. Endlich durfte er eine Single singen. Ich bin kein großer Fan von Balladen, aber Gore hat eine Art zu singen, die mich bewegt. Er neigt dazu seine Gefühle sehr pathetisch aber intuitiv auszudrücken und auch die Texte sind meist inhaltlich auf den Punkt und weniger verschnörkelt. Und ich finde diese Schlichtheit verleiht seinen Liedern immer etwas grundehrliches. Man muss nicht alles mit Metaphern und Referenzen schmücken , um dem Lied eine Bedeutung zu verleihen.

4. „Sometimes“

Das Stück ist so nackt. Anders kann ich es nicht beschreiben. Ich verbinde es mit „Somebody“ vom Vorgängeralbum. Gore beschreibt ein Gefühl, was sicherlich jeder schon mal hatte. Es ist irgendwie peinlich, sich selbst einzugestehen und irgendwie gibt man sehr viel von sich und seiner Seele preis. Und das empfinde ich als mutig. Und nackt.

5. „It Doesn’t Matter Two“

Ein eigenartiger Song. Ich stelle mir das als idealen Soundtrack für Abenteuer in einem ähnlichen Setting wie „Alice im Wunderland“ vor. Phantasmagorische Elemente, Absurditäten und eine morbide Atmosphäre ansich.

6. „A Question Of Time“

Oh, diese Melodie eignet sich hervorragend zum Depeche-Mode-eln (laut mitsingen). Ich kann mich erinnern wie verrucht ich mir vorkam, als ich 15 Jahre alt wurde. Und auch hier ist der schönste Teil des Liedes der wo Martin mitsingt.

Well now you’re only fifteen
And you look good
I’ll take you under my wing
Somebody should

7. „Stripped“

Da hatte der Porsche von Dave Gahan doch einen Sinn. Er trägt zu der Klangkulisse eines Songs bei, der für mich irgendwie etwas nebliges, milchiges hat. Irgendwie wie ein Traum, der aber die Wucht der Realität beinhaltet.

8. „Here Is The House“

Und wieder sind Gahan und Gore vereint. Begleitet von einer tickenden Uhr entfaltet sich einer der besten Melodien der Geschichte. Ein Ohrwurm, der aufgrund der Komplexität des Songs vielleicht nicht gleich beim ersten Hören, sondern vielleicht erst bei zweiten oder dritten nicht mehr loslässt .

9. „World Full Of Nothing“

Das einzige Lied, dass mir zu simpel ist. Nicht von der Melodie oder Instrumentierung, aber textlich.

10. „Dressed In Black“

Wenn ich ein Oldschool-80s-Goth wäre, wäre das sicherlich meine Hymne. Leider bin ich dafür bekannt, bunte, bescheuerte Kleidung zu tragen. Trotzdem muss wie immer erwähnt werden, dass der Martin Gore auch hier den schönsten Gesangspart hat und den Song perfekt abrundet.

As a picture of herself
She’s a picture of the world
A reflection of you
A reflection of me
And it’s all there to see
If you only give in
To the fire within

11. „New Dress“

Das Album endet sozialkritisch. Das ist untypisch vom Themenspektrum und macht „Black Celebration“ zu einem sehr besonderen Werk. Gore kritisiert sowohl die Medien als auch die Royal Family und somit konkrete Menschen. Desweiteren beinhaltet der Song eine der besten Textzeilen, die jemals geschrieben wurden. Sehet und staunet:

You can’t change the world
But you can change the facts
And when you change the facts
You change points of view
If you change points of view
You may change a vote
And when you change a vote
You may change the world

 

Musik

4 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ahh, so gut! Schon beim Anblick des Covers kommt gleich die Melodie von „Black Celebration“ durch. Super Song.
    Ganz stark geschrieben und gerade der Absatz über „A Question of Lust“ und Martin L. Gores Gesang und Text ist so treffend! Zwar konnte ich mich noch nie mit seinem Sologesang anfreunden, einfach weil die Energie dahinter nicht so spürbar ist wie bei Dave, aber ein musikalisches Gespür kann ich ihm nicht absprechen. Ich glaube wir hatten diese Diskussion aber schon mal an anderer Stelle geführt. ^^
    Mein persönliches Lieblingslied von dem Album ist „A Question of Time“ und wenn live. Woah, da muss man einfach mitgehen. 🙂

    • Ach, Depeche Mode. Über die könnte ich auch Tage reden und es würde nicht langweilig werden. Jetzt habe ich Lust auf ein Depeche Mode Konzert. Da muss ich wohl „101“ reinschmeißen. Hartes Schicksal. *lach*

      • Hachja 😉 Jetzt muss ich mir aber auch mal wieder eine Show von denen ansehen. Vermutlich One Night in Paris. Könnte mich ärgern, es gab eine komplette Show von ~1993 auf YT, nur finde ich die nicht mehr. Das war ein richtig tolles Set.
        Jetzt haste mir mit DM aber auch einen Floh ins Ohr gesetzt. 😦
        Das ist aber auch so eine Band wo wirklich für jeden das richtige dabei ist.
        Schon mal live gesehen? Gibt nix besseres. Und selbst heute, in deren gehobenen Alter ist es noch eine Erinnerung fürs Leben.

  2. Mein Lieblingsmitschnitt ist Playing the Angel. Mochte da sowohl Playlist als auch Design am meisten. Ich kenne auch wirklich niemanden, der nicht auch wenigstens eine Hand voll Songs von den Herren mag. Ich hab sie bei der letzten Tour zweimal gesehen. Ich bin ja gespannt auf die nächste Live DVD. hatte nämlich in der o2 world ein interessantes Erlebnis nachdem das Konzert vorbei war. der gute Anton Corbijn stand da plötzlich umringt von Fans und Kamerateam. ich war sehr perplex und ehe ich mich versah stand er neben mir. okay, meine Konzertbegleitung hat mich in die Richtung ein wenig geschoben. und ich wollte ihm nur sagen, wie sehr ich ihm danke für „Control“. und er guckte mich sehr ruhig und fasst genauso schüchtern wie ich an und meinte, dass er eigentlich da ist um über Depeche Mode zu reden. Ist das nicht goldig. Haaach, ich liebe Konzerte. Und Martin und Anton. *lach*

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