Prügelknabe des Monats: Bono

Ich hätte die Bilder unkommentiert lassen sollen, denn eigentlich ist bereits alles gesagt.

Schon seit Wochen möchte ich meine restlichen Kategorien einweihen und es stand auch sofort fest, wer der erste Prügelknabe wird. Doch was nun? 

Ich habe über Bono nachgedacht. Er ist mein natürlicher Erzfeind und trotzdem ist unsere Beziehung ambivalent. Ich glaube ich werde altersmilde.

Bis zum Ende meiner Pubertät konnte ich dich als Feindbild erfolgreich aufbauen. Ich hasste dich für deine verlogene Rockstar-rettet-Afrika-Art. Jedes Mal, wenn ich dich sah, bekam ich schlechte Laune. Du warst mit allen Politikern befreundet und warst wirklich auf jedem Foto abgebildet.  Zeigst mir jeden Tag wie mächtig du bist und wie viel du tust, Jedenfalls in der Zeitspanne, wo mal wieder etwas neues von U2 herauskommt. Du spielst dich auf wie der Jesus von Afrika, was mich als Atheist nicht kümmern müsste, aber Menschen die sich als die Gerechtigkeit und Moral in Person darstellen (sorry Papst und Co.) sind mir suspekt. Sie wirken immer als hätten sie etwas zu verbergen. Jeder Mensch hat seine guten und schlechten Seiten. Deine Zurschaustellung deiner gütigen, weisen Seite lässt auf eine doppelt so böse, schlechte Seite schließen. Sonst würdest du nicht so krampfhaft versuchen diese zu überspielen.

Dein unermessliches Ego hinderte mich allerdings nicht, plötzlich einige Songs von U2 doch gut zu finden. Ein Talent für den perfekten Popsong ist dir durchaus in die Wiege gelegt worden, aber mehr auch nicht. Du hast das Talent dein Leid stimmlich wunderbar zu transportieren. Manchmal übertreibst du, aber dafür ergibt sich eine prima Vorlage zur gnadenlosen Imitation. Was meist alle anwesenden Gemüter erfreut.  Doch du bist nicht der beste Sänger der Welt. Akzeptiere das und lass doch das nächste Mal wie vorgesehen den Sänger von The Darkness deinen Part bei der Neuauflage von „Do They Know It’s Christmas?“ singen.  Jeder hat irgendwann den Zenit erreicht. Man muss mit Würde damit umgehen. Doch du kannst ja nicht einmal mit dem Ruhm an sich umgehen. Du liebst es deine öffentliche Rolle zu spielen. Nutzt jede Chance zum Volke zu sprechen und ihnen zu sagen was sie besser machen sollen. Du Moralprediger. Bezahle doch erst mal deine Steuern!

Es gibt unglaublich viele Menschen, die täglich mehr gutes tun als du. Und die werden niemals die verdiente Aufmerksamkeit bekommen. Arschloch.

 

Doch was macht dich zu meinem Erzfeind Nummer 1?

Es gibt etwas, dass nehme ich dir noch übler als deinen überwältigenden Weltretterkomplex.  Und deinen Gottkomplex. Und deiner Überpräsenz sobald jemand „Afrika“ sagt. Und deiner Hässlichkeit.

Warum musst du mich ständig in meiner heiligen Musik- und Filmwelt belästigen?

Ich schlage den Musikexpress auf und durchforste die Seiten zu Ian Curtis und Joy Division. Wer fühlt sich berufen Ian Curtis heilig zu sprechen und zu preisen?

Ich gucke ein Beatlesmusical. Wer muss einen achso witzigen, psychedelischen Auftritt haben?

Ich lese eine Biografie meiner Lieblingsband Nine Inch Nails. Wer steht freundschaftlich neben Trent Reznor auf einem der abgebildeten Fotos, dümmlich grinsend?

Und das passiert ständig. Egal, um wen es geht, um was es geht, ich kann mir immer sicher sein, dass du deine Meinung dazu sicherlich schon kundgetan hast. Du bist mein Besserwisserboy. Du bist der König der Welt. Gibt es eigentlich irgendjemanden mit dem du nicht befreundet bist unter den Reichen, Schönen und Einflussreichen? Egal, auch du wirst nicht ewig leben. Also sei doch bitte für deine restliche Lebenszeit pflegeleicht und halte dich doch bitte an die weiseste und zugleich simpelste  Anweisung, die es gibt:

Halte deine Fresse, wenn du nichts zu sagen und keine Ahnung hast.

Du Dummbrot.

Und Vollhorst.

 

Seien wir aber mal ehrlich. Die Welt wäre ohne dich langweilig. Über wen sollte ich mich dann lustig machen? Die Welt braucht Prügelknaben wie Bono. Sonst müsste man sich ja über ernsthafte Dinge aufregen.

Prügelknabe des Monats

9 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Wahre und weise Worte, gelassen in die Tastatur gekloppt. Merci dafür 🙂

    Für die Akten: ich war als Teenie ein paar Jahre beinharter U2-Fan, hatte jedem neuen Album gierig entgegengesabbert, aber Bonos zunehmender Messiaskomplex in Verbund mit immer langweiligerer Musik (nach „Unforgettable Fire“ ging es bergab) hatte dem dann relativ zügig ein Ende bereitet. Predigten gehören in die Kirche, und der halte ich mich nicht grundlos fern!

    • Bitte bitte^^

      Mensch, lustigerweise ist genau „Unforgettable Fire“ das einzige Album, was ich von U2 besitze.

    • Ich muss gestehen, dass ich auch nur diese eine Ausgabe aufgrund der Thematik rund um Joy Division geschenkt bekommen habe.^^ Dafür war ich drei Jahre lang treuer Visionsleser.

      • Ah Visions, da bin ich immer noch Abonnent. Allerdings ist auch da die Berichterstattung nicht mehr so das Gelbe vom Ei, aber trifft meinen Geschmack doch noch am besten.
        Und ja, Joy Division ist ein guter Grund 😉

      • Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass ich ständig von den selben Bands lese. Die Ausgabe mit den Musikern über ihre Lieblingsalben habe ich mir aber geholt. Das war echt aufschlussreich und teilweise sehr lustig.

      • Das hat eindeutig was, besonders da sich die Autoren auch immer mehr Hypes hingeben. Aber Musikjournalismus ist nicht einfach, das merkt man im Blog ja gerne mal selbst. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: