Buch: Frauen beschimpfen Frauen

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Bücherkabinen sind wahre Fundgruben. Ich habe jedes Mal beim stöbern etwas gefunden. Manchmal sind es Klassiker, die ich schon immer lesen wollte, aber oftmals auch Bücher, die ich mir nie selbst kaufen würde. Dieses Buch namens „Frauen beschimpfen Frauen“ habe ich mitgenommen, da ich beim Titel lachen musste. Ich stellte mir vor, wie eine grantige Altfeministin das Buch dort hingestellt hat und danach beschlossen hat sich nie wieder mit Menschen auseinander zu setzen. Und dann vergnügt zu ihrer katzengefüllten Wohnung zurückgekehrt ist.

Wie es zu dieser Assoziation gekommen ist weiß ich nicht. Vielleicht Penisneid.

Zum Buch kann man sagen, dass es 1997 erschienen ist und von Evelyne Polt-Heinzl herausgegeben wurde. Es handelt sich um eine Zitatensammlung von weiblichen Persönlichkeiten über weibliche Persönlichkeiten. Der vorherige Besitzer hat auf die erste Seite „Verschenkbuch“ geschrieben.  Begeisterung ist etwas anderes.

Auch ich empfand das Konzept eher als unausgegoren. An sich ist man in einer halben Stunde mit dem Buch fertig und fühlt sich wie bestellt und nicht abgeholt. Doch es sind einige Zitate darin, die mich beschäftigt haben. 

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Frauen sind hinterhältig, berechnend und unsagbar bösartig. Sie machen sich untereinander das Leben schwer und richten sich systematisch zugrunde. Und das sage ich als Feminist.

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Das Zitat hätte von mir stammen können. Ich finde weibliche Wesen, die kreischen können suspekt. Und das dieses stimmliche Verhalten in allen Extremsituationen in Filmen zu hören ist, stört mich auch. Ich bin weder fähig solche Geräusche von mir zu geben, noch würde ich so reagieren, wenn ich in Panik bin. Keinen Ton würde ich herausbekommen. 

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 Diese Sorte Frau liebe ich am meisten. Es sind nicht die Herren der Schöpfung, die angeprangert werden müssten. Es sind die Frauen, die Sätze anfangen wie „Naja, wir Frauen interessieren uns ja nicht für Fußball/Politik/Actionfilme/Sachen, die nicht pink sind/wozu man ein Hirn braucht/etc.“ Diese Selbstdegradierung von diesen Frauen hat mich im Alltag schon sehr oft in den Wahnsinn getrieben. Schon allein, wenn jemand anfängt von „Frauenfilmen“ zu reden, werde ich aggressiv. Wenn diese Filme wenigstens von Frauen geschrieben, produziert und regissiert (Copyright by Franzi) wären, dann würde dieser Begriff wenigstens zutreffen. Und solange in dem DVD-Regal meines Dads noch „Bodyguard“, „Liebe braucht keine Ferien“, „Pretty Woman“ und bei meiner Mum „Der Pate“, „Matrix“ und „The Avengers“ stehen, werde ich mich der Einteilung in „Frauen- und Männerfilme“ strikt ablehnen.

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Wie auch in dem Zitat zuvor wird auch hier deutlich was für eine eigenartige Rolle, die eines schönes Mädchens oder einer schönen Frauen ist. Man kann sich vielleicht mehr erlauben, wird umgarnt oder für dumm gehalten und von anderen Frauen kritisch beäugt. Die Eifersucht geht um. Es ist faszinierend zu beobachten, wenn jemand der allgemein als attraktiv befunden wird in einer sozialen Situation dazustößt. Männliche Wesen neigen dazu charmant zu werden und weibliche Wesen beginnen umgehend damit sich ihre Mäuler zu zerreißen. 

5 - Kopie

 

 

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Die komplexe Beziehung zwischen Müttern und ihren Töchtern in Worte zu fassen, wäre an dieser Stelle mehr als überambitioniert. So gut und stabil sie sein mag, etwas destruktives steckt darin.

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Ich habe ein so schön als Kompliment getarnte Beschimpfung noch nie aus dem Munde eines mir bekannten Knaben gehört. Da würde eine direkte Negativbekundung bezüglich der jeweiligen Person eher zu erwarten sein. Was auch irgendwie ehrlicher ist. Und direkter, was auf Dauer weniger verletzend wäre. Ich meine, ich kann mich immer noch daran erinnern, wie ich in der 9. Klasse ein schwarz-weiß gepunktetes Kleid im Stil der 50er Jahre in der Schule trug und ein Mädchen zu einem anderen meinte, dass das Kleid durchaus nett sei, ich aber nicht die Titten hätte um es auszufüllen. Das haben sie nicht direkt zu mir gesagt und sie haben nicht mit einem gewissen Abstand gelästert, wie es sich gehört. Sie haben genau den Moment abgepasst, so dass ich es noch hören konnte. Und das ist verletzend und prägend. 

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Auch der Feminismus ist ein viel zu komplexes Thema, um es an dieser Stelle abzuhandeln. Ich möchte trotzdem anmerken, dass ich Alice Schwarzer widerlich finde. Und ihre einnehmende Art ist bestimmt daran Schuld, dass niemand sich als Feminist bekennen will. Ich meine, man möchte ja auch nicht mit Bono verglichen werden, nur weil man sich für die armen Kinder in Afrika einsetzt. 

Hier noch der Link zum Buch, falls jemand es käuflich erwerben möchte:

http://www.amazon.de/Frauen-beschimpfen-Evelyne-Polt-Heinzl/dp/3379016071/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1402399757&sr=8-2&keywords=frauen+beschimpfen+frauen

Nachtrag: Ich habe keine Ahnung was hier gerade nicht funktioniert. Fakt ist, es war nicht geplant, dass die Abstände so groß sind. Besserungen werden vorgenommen.

 

 

 

 

 

 

Das gelesene Wort

6 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Wow, wtf, die beiden Zitate, die über Sylvia Plath und Elfriede Jelinek lästern. Wow, geht ja mal gar nicht. Ich finde es immer sehr problematisch sich über die Todesart von Leuten lustig zu machen („Kopf in den Ofen stecken“). Und das über Frau Jelinek: Hat die Person überhaupt „Die Klavierspielerin“ gelesen (bezüglich „nichts Wesentliches zu sagen haben“? Meine Güte, Elfriede geht das natürlich am Arsch vorbei, sie kommt mit Kritik allemal zurecht, aber Sylvia kann sich nicht wehren, und da, finde ich, geht das mit dem Lästern zu weit. Virginia Woolf, Frida Kahlo und Anne Sexton werden ja auch immer gerne als leidende Opfer dargestellt (in Biographien und Artikeln), obwohl sie ja nicht 24/7 sich versucht haben umzubringen und/oder sich vor lauter Schmerz gewunden haben. Auch in ihren Werke geht es nicht nur um ihr Leid, sondern die meisten handeln vom Leben. Ohne, dass deren Krankheit in den Vordergrund gedrängt wird. Das wäre eher die Herangehensweise eines männl. Malers/Autors. SEIN Leid und SEINE Beschwerden darzulegen, damit man ihn bemittleidet.
    Aber jetzt gehts wieder ab zur Uni!

    • Ich kann dir das Büchlein beim nächsten Paket mit zukommen lassen. Die gute Virginia ist auch vertreten. Sowohl als Angeprangerte als auch Anprangernde. Das Zitat zu Plath empfand ich auch als absolute Unverschämtheit. Interessanter Gedanke mit der männlichen Herangehensweise. Glaubst du, dass Männer eine andere Intention haben als Frauen, wenn sie im weitesten Sinne Kunst schaffen und sich selbst ausleben?

      • Ich bin da immer sehr emotional wenn eine meiner Lieblinge angegriffen/kritisiert wird (hauptsächlich Virginia, Sylvia, Anne und Frida). Ja, jede von ihnen war nicht perfekt, es sind ja schließlich auch Menschen gewesen, aber auch gestern wieder: wir haben an der Uni eine 40 minütige Doku über Virginia angeschaut und sie wurde so dargestellt, als ob sie vor lauter Wahn und Raserei nur durch Dusel und Zufall ihre Bücher geschrieben hat. Geht’s noch? Die Männer der Dokureihe (Joyce, Shaw, Yeats, Stevenson…) wurden natürlich in höchsten Tönen gelobt, wie toll ihre Bücher sind und was für tolle Männer sie waren und dass sie von Frauen oft verschmäht wurden und mainpain hin und her. Und sie als einzige Frau in der Dokureihe wird wie eine durchgedrehte Furie dargestellt. kA wie alt die Doku war, aber diese Ansicht ist ja so wie die von den frühen Biographien über sie (70er und 80er Jahre). Überhaupt nicht zeitgemäß. <.< Und bei Sylvia Plath der gleiche Schmarrn, wobei bei ihr so gut wie alle Biographien für die Tonne sind (eigentlich nur die aus den 2010ern gehen in die richtige Richtung), weil alle (sowohl weibliche als auch männliche Biographen) sie eine von Depression Gepeinigte darstellen und ihr ach so toller Ehemann Ted Hughes ja ach so viel für sie getan hat und bla bla. Sie ist für ihn von Boston nach London umgezogen, sie hat für ihn so gut wie alle Angebote von Colleges und Uni abgelehnt, die ihr eine Stelle als Dozentin angeboten haben, ist eine Hausfrau geworden und ihre Karriere als Dichterin ist dadurch in den Hintergrund gerückt. Wie hat er ihr es gedankt? Er ist fremd gegangen und war selten zu Hause, weil er viele Angebote von Unis wegen Vorträgen und Dichterworkshops bekommen hat. <.< Sehr problematisch, dass die Biographie so pro Ted sind und sie als dumme darstellen. So im Sinne von "Tja, selbst Schuld. Warst wohl eben keine gute Ehefrau und Mutter." Zu ihrer Lebzeit war sie ja bei weitem nicht so bekannt wie Ted, weil sie sehr sehr wenig publizieren konnte. Das meiste kam erst nach ihrem Tod raus. Jetzt sieht es nämlich ganz anders auch: Ted wird eher als Ehemann von Sylvia Plath dargestellt und seine Gedichtbände gibts so gut wie nirgends, wobei "The Bell Jar" und "Ariel" von Sylvia fast in jedem Buchladen stehen. Trotzdem konnte es sich Ted nicht verkneifen auf ihren Grabstein "Sylvia Plath Hughes" zu schreiben, obwohl sie trotz Heirat NIE seinen Nachnamen angenommen hat. Die Metallbuchstaben von "Hughes" werden auch regelmäßig von ihren Anhängern/Fans abgeklopft.
        Also, ja, würde schon sagen, dass Männer sich anders in ihren Werken darstellen (egal ob Literatur oder in den bildenden Künsten) als Frauen.

  2. Ein sehr interessanter Blogeintrag! 🙂
    Stellenweise ist da ein ziemlich vernichtendes Frauenbild zu erkennen. Wenn ich meine jetzige Klasse als Vergleich nehme stimmt das sogar x)
    Ich persönlich mag aber Frauen sehr. Mehr als Männer…

    Das mit dem Greischen ist interessant. Ich finde es auch meistens seltsam, wenn manche Frauen so herumquietschen. Mag ich nicht.

    Ein 50er Jahre Kleid! *.*
    Madame, Sie sind wahrlich erstaunlich.
    Ich finde das richtig toll! Aber schade, dass darauf so eine Reaktion, auf die man nichts geben sollte, kam.

    Warum magst du Alice Schwarzer nicht?

    • An sich bin ich durchaus ein Gegner der Verallgemeinerung, aber es hat sich durch die Reihenfolge der Zitate einfach ergeben ein wenig Dampf abzulassen. Ich finde auch einfacher den Zugang zu Frauen im Alltag, muss aber resümierend sagen, dass ich im Leben bisher deutlich häufiger von weiblichen Wesen verletzt worden bin als von männlichen.
      Und die Männer mit denen ich befreundet bin, können meist mit Männern nicht viel anfangen. Mit diesen absolut maskulinen Burschen. Ist schon lustig.
      Wir sollten sie mal fragen, was ihnen das Kreischen denn bringt.^^
      Ich hab das Kleid sogar noch. Kann es dir ja mal ausleihen, wenn du möchtest. *lach*
      „Wahrlich erstaunlich“ hört man doch gerne im Zusammenhang mit sich selbst. Doch mir ist schleierhaft, was Herr Wagner konkret sagen möchte.
      Auf jeden Fall habe ich jetzt wieder Lust das Kleid anzuziehen.^^
      Alice Schwarzer ist ein Diktator. Ich bin immer noch nachtragend, dass sie Lisa Ortgies als Chefredakteurin der Emma (die ich übrigens noch nie in der Hand hatte) rausgeschmissen hat. Sie ist ein stutenbissiges Biest und ein Kontrollfreak. Will nicht zulassen, dass andere frischen Wind in ihren Feminismus bringen.
      Lisa Ortgies ist übrigens die Moderatorin von Frau TV, was immer donnerstags beim WDR läuft. Der Titel ist schlimm, aber die Sendung ist wundervoll. Angucken!

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