Mixtape: Catchy but clever

Schlopsi:

Das Thema wäre etwas das einen zum Nachdenken anregt, aber auch etwas wo man (innerlich) mitgehen muss.
“Sonne” von FU und/oder “It’s No Good” von DM. fiele mir da ein.

Mein erstes Auftragsmixtape. Wie aufregend. Ich habe mich unglaublich gefreut und fühlte mich durch das Thema auch gefordert. Natürlich ist es bei viele Songs absolute Auslegungssache, aber für mich waren die zwei Hauptkriterien, dass ich schon mal einen Ohrwurm davon hatte und dass es eine nette Anekdote oder ein Erlebnis bezüglich des Textes gibt. Es müssen ja nicht immer die hochtrabensten, intellektuellen Ergüsse die größte Aussagekraft und Wirkung auf einen haben. Dann müsste ich ja Tocotronic mögen. Ih.

Hier also dein Mix, Schlopsi! 

Falls es noch jemanden gibt, der ihrem fantastischen Blog nicht folgt: http://infernalcinematicaffairs.wordpress.com

1. They Might Be Giants – Birdhouse In Your Soul

Ich habe leider erst letztes Jahr meine Liebe zu dieser Band entdeckt. Sie haben etwas liebenswert verschrobenes und ich habe beim ersten Hören bereits gespürt, dass sie sehr interessante Texte haben. Einige Wochen später hatte ich das Glück zwei Alben der Herren auf einer Plattenbörse für unter 5 Euro zu ergattern. Über diesen Glücksfall bin ich immer noch nicht hinweg. Auf jeden Fall waren bei beiden Alben die Texte dabei, so dass ich diese beim kompletten Hördurchgang inspizieren konnte. Sehr sehr lustig, mit einem Gefühl verbunden doch irgendwie kryptisch. So erging es mir auch mit diesem Song. Ich fühlte mich gut und irgendwie von dem Lied freundschaftlich überwacht. Und auch die Bilder in einem Kopf eines „Birdhouse In Your Soul“ gefiel mir. Und dann habe ich mir mal Interpretationen des Textes durchgelesen und musste lachen. Der Song ist aus der Sicht eines Nachtlichts geschrieben.

2. Mindless Self Indulgence – Backmask

Die böse Rochmusik rekrutiert ja schon seit Dekaden ihrer Satansjünger durch mysteriöse Botschaften, die zum Vorschein kommen, wenn man den Song rückwärts abspielt. Hier wird auf sehr schöne Weise mit dieser Grundangst von besorgten, konservativen Eltern umgegangen. Die unverständlichen Passagen lauten andersherum abgespielt „Don’t listen to this song.“, „Respect your parents.“, „Clean your room.“, Do your homework.“, Don’t stay out too late.“, „Eat your vegetables.“, „Put away your toys“, „Don’t sit too close to the TV.“, „Take the dog for a nice walk“, „Hurry up and get dressed for the church.“ und „Be nice to your sister.“. 

3. HGich.T – Der geile Max

Beim ersten Kontakt konnte ich mit HGich.T nichts anfangen. Komplette Überforderung. Doch irgendwann hat es gefunkt. Die Faszination für diese Mischung aus Genialität und Grenzdebilität ist einzigartig und unergründlich. Auch live ein absolutes Rätsel. Ist das Kunst? Ist es Satire? Man weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass dies mein Lieblingssong von HGich.T ist. Ich musste beim ersten Hören sehr lachen und halte ihn durch die Zeile „Mama, schau mal das Kastanienmännchen, den hab ich für dich selbst gemacht, uhahu, ich bin ein Architekt.“ für sehr wertvoll. Schöner kann man doch die Generation 30 nicht porträtieren. 

4. The Andrew Sisters – Rum And Coca-Cola

Hätte ich noch Platz gehabt, hätte ich ein Double Feature mit Holiday In Cambodia“ von den Dead Kennedys daraus gemacht. Wie alle Musiken der Andrew Sisters klingt es wunderschön, aber ich frage mich, ob sie sich der weitverbreiteten und für mich logisch klingenden Interpretation, es ginge um Prostituierte in Trinidad bewusst waren. 

5. Harvey Danger – Flagpole Sitta

Ich habe Interpretationen gelesen, da hieß es, es ginge um Vietnamveterane. Andere sagen, es ginge um Schizophrenie. Ich sage, dies ist einer der schönsten Alternativerock-Ohrwürmer, der es schafft ein bestimmtes Gefühl was man bezüglich sich selbst und der Gesellschaft hat, auszudrücken. Eine Portion „Generation X“ für alle.

6. Oingo Boingo – Nasty Habits

Als großer Verehrer muss natürlich Danny Elfman vertreten sein. Leider habe ich nur eine Liveversion gefunden. Akustisch sind Oingo Boingo wohl die anstrengende, zirkuslastige Version von Devo, um es vorsichtig auszudrücken. Leider vollkommen unterschätzt und bis auf den Pedobearsong „Little Girls“ in Vergessenheit geraten. Doch schon auf den Alben zeigt sich Elfmans Hang zum morbidem, Tabuthemen und kritischen Auseinandersetzung mit Moral, Gesellschaft und Religion. Der Weg zu Tim Burton war wirklich nicht weit.

7. Marc-Uwe Kling – Scheißverein

Ich glaube, ich besitze wirklich alles an Merchandising von diesem heiligen Herrn. Ganz Berlin und sogar London habe ich mit Scheißvereinsticker zugepflastert. Ich habe meine falsch zugeordneten Zitate des dazugehörigen Kalenders täglich verschenkt und bestemple alle mit „witzig“ und „nicht witzig“. Das ist wohl Liebe.  Niemand verpackt Kritik so clever und amüsant wie Marc-Uwe. Und man muss ihm Tribut zollen.

8. Primus – Too Many Puppies

Noch eine sonderbare Repräsentation der musikalischen Welt der Franzi. Primus sehen eigenartig aus und machen verquere Musik, die vielen wirr oder dissonant vorkommt. Für mich als Jazzhasser sind sie eine passende Alternative neben Tool, um mit anspruchsvoller, genialer Musik anzugeben und angehenden Musikern in den Hintern zu treten. Dass dieser Song textlich ernsthaft zu betrachten ist, habe ich erst sehr spät mitgeschnitten. Es geht um junge Menschen die in den Krieg geschickt werden.

9. Don Fardon – Indian Reservation

Leider habe ich herausgefunden, dass es sich um ein Cover handelt. Trotzdem eine wunderbare Komposition mit einem Text, der sich selbst erklärt.

10. Fad Gadget – Ricky’s Hand

Das traurige Schicksal der Hand von Ricky. Wieder eine interessante Perspektive. Auch dieser Herr hat leider nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die er verdient. Schockierende, eigenartige Auftritte und einen Sound weit der Zeit voraus. Irgendwann im Vorprogramm von Depeche Mode und viel zu früh gestorben. Eine Gedenkminute für Frank Torvey. 

11. Pascal Finkenauer – Unter Grund

Deutsche texte haben es außerhalb die ätze sehr schwer. Dieser Song wirkt wie ein natürlicher Gedankenfluss. Ich weiß nicht ganz, was er mir sagen will, aber es fühlt sich natürlich an. Ein vertontes Bauchgefühl.

12. The Fall – Rowche Rumble

Ein Song ab und zu ist erträglich und man kann anderen damit wunderbar auf die Nerven gehen und sich als Kunstkenner, Punkpoeten oder Intellektuellen aufspielen.

13.Hasenscheisse –  Die Waden eines Barden

Die wahrscheinlich niedlichste und charmanteste Hymne des Pazifismus.

14. Crass – Do They Owe Us A Living?

Natürlich muss auch eine Punkband vertreten sein. Ich dachte, ich nehme mal eine die sich tatsächlich nicht verkauft hat. Also lasset uns im Kollektiv einfach friedlich abseits der Gesellschaft leben und uns freuen.

15. Hubert von Goisern – Brenna Tuats Guat

Franzis letzter Weg um zu schocken: Volksmusik. Hubert ist aber ein Guter. Der kann rocken und ist gegen unsere Mitmenschen rechter Gesinnung. Auch wenn es für die meisten textlich nicht erkennbar ist. Auch für mich ist es eine mir bis auf wenige Worte gänzlich unbekannte Sprache.

16. Manic Street Preachers – Mausoleum

http://www.amazon.de/Mausoleum-Album-Version/dp/B001V6UGKG/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1402604044&sr=8-2&keywords=mausoleum+manic+street

Ich bin schockiert. Nicht nur die GEMA vereitelt mein Geltungsbedürfnis, sondern auch die Manic Street Preachers selbst. Eiskalt haben sie nirgends dokumentarisch eine Liveversion des Songs festgehalten. Somit kann ich leider nur auf den Amazonschnipsel hinweisen und trotzdem lobpreisen. Drei Alben haben meine dunkelste Periode der Pubertät bestimmt: „Closer“ von Joy Division, „The Downward Spiral“ von Nine Inch Nails und „The Holy Bible“ von den Manic Street Preachers. Letztere konnte ich wegen vorletztere dieses Jahr leider nicht live sehen. Mussten ja unbedingt in separaten Locations spielen. Jedenfalls ist dies vom einzigen Album der Band, was ich am Stück hören kann und als Gesamtmeisterwerk ansehe. Natürlich ist diese Einschätzung durch die Faszination bezüglich Richey Edwards gefärbt. Dieser Song ist von Besuchen von Konzentrationslager beeinflusst und zeigt deutlich das lyrische Potenzial, was ich seitdem er 1994 verschwunden ist (2008 offiziell für tot erklärt) bei den Preachers ein wenig vermisse.  Weiteres zu Edwards vielleicht in der Kategorie „Personenkult“.

17. Robots In Disguise – Turn It Up

Durch meine Eifersucht (Eine der beiden Damen war mit Noel Fielding lange zusammen.) habe ich mich viel zu lange der Musik von Robots In Disguise verwehrt. Und vor allem den Texten.  Zwar lässt mich dderen Kompostionen oft melancholisch zurück, doch ich war bei Sichten der Texte erstaunt wie gut sie de facto sind. Eigentlich wollte ich „The Tears“ nehmen, der auf eine wunderschöne, aggressive aber doch poetische Art ausdrückt, wie es sich anfühlt betrogen zu werden. Doch dieser ist auf einem anderen Mix. Und bei mir wird niemals ein Song doppelt verwendet. Also entschied ich mich für „Turn It Up“, der mich daran erinnert, wie gut ein Stückchen Musik täglich tun kann und wie beeinflussend dieser auf die Gemütslage sein kann. Auch die konkreten Hommagen an David Bowie, Sex Pistols und Co. sind perfekt im Text verwoben. So muss es gemacht werden.  

18. Saul Williams – The Ritual

http://www.amazon.com/The-Ritual/dp/B001AMZ6DS/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1402606028&sr=8-3&keywords=the+ritual+saul

GEMA-Hass, die zweite. Zu meiner Zeit konnte man das Album noch legal gratis herunterladen. Ich wollte nicht nur die üblichen Verdächtigen versammeln und habe deswegen etwas gewählt, was von Trent Reznor nur produziert wurde. Auch mit diesem Song kann ich meinen nicht vorhandenen indianischen Wurzeln frönen. Das dazugehörige Album ist jedem zu empfehlen, der Hip Hop bevorzugt, der auch rockt. Damit meine ich nicht, dass eine Gitarrenpflicht besteht, sondern dass es energiegeladen und durchaus mitsingbar ist. Lyrisch bezieht sich Williams auf den Roman „Native Son“ von Richard Wright.

19. Mr. Bungle – Vanity Fair

Und da ist er wieder, der Mike Patton. Ich hatte mir fest vorgenommen das Tape ohne ihn zu vollenden, aber diese lyrische Umsetzung des Schönheitswahns und der plastischen Chirurgie ist einfach zu genial.

20. Elliott Smith – LA

Leider habe ich nur Akustikversionen gefunden. Eigentlich einer der wenigen Songs von Elliott Smith mit E-Gitarre, wodurch er poppiger und fast schon als gutgelaunt bezeichnet werden könnte. Deswegen war ich umso mehr perplex, dass er fast schon nebenbei singt „Last night I was about to throw it all away“. Man kann durch den Song das Gefühl nachempfinden, wenn man einen durchaus schönen Tag hat, aber innerlich noch daran denkt, dass man gestern Nacht vorhatte das Zeitliche zu segnen. Schwieriges Thema, aber sehr treffend und ehrlich umgesetzt.

21. Beck – Missing

http://www.amazon.de/Missing-Album-Version/dp/B001SW7M46/ref=sr_1_5?s=dmusic&ie=UTF8&qid=1402612086&sr=1-5&keywords=beck+missing

Eigentlich ist Beck ja für seine Nonsenstexte bekannt, aber manchmal hat er auch seine klaren Momente, wo man sofort versteht, was er ausdrücken möchte. „Something always takes the place 
of missing pieces .You can take and put together even though you know there’s something missing.“ singt er unterlegt mit einem grundentspannenden, orchestralen Klangteppich. Nichts ist befreiender als dieser Song. Eine musikalische Hängematte. 

22. Blood, Sweat & Tears – And When I Die

Eine bessere Auseinandersetzung mit dem Tod gibt es nicht. Weise Worte, musikalisch unpathetisch verpackt. Der ideale Song für Beerdigungen.

Mixtapes

6 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Woah, sogar mit Shoutout! 😀
    Ich kann mich nur wiederholen. Vielen vielen lieben Dank Franzi!

    Da haste dich richtig reingekniet. Der Kontakt superfreundlich, das Artwork so niedlich (Diddl <3), der Mix ist wirklich wild durchgemixt und diesen Blogeintrag finde ich auch echt dufte. Interessante Gedanken. Bei manchen Songs denkt man sich nix, wobei das dann meist diejenigen sind, die am nächsten an der Wahrheit liegen. Sowas wurde mir duch deine Gedanken erst wieder richtig bewusst. Ganz großes Kino!
    Auch wenn einiges nicht wirklich meinem Geschmack entspricht, so hat mich die Musik doch oft genug zum mitwippen bewegt, angefangen gleich bei Track no. 1 "They Might Be Giants". (Aber danach gleich MSI, da hast du mir einen ordentlichen Schrecken eingejagt! :D). Bei HGich.T – Der geile Max musste ich skippen, das hielten meine Synapsen nicht aus. Obwohl ich in dieser Hinsicht (textlich) schon einiges gewohnt bin… Aber dafür hat mich Harvey Danger wieder voll erwischt. Das Lied kannte ich sogar!
    Oingo Boingo war wirklich anstrengend und bei Marc-Uwe Kling, du wirst es jetzt nicht glauben, klingelte gerade beim Refrain der Hermesbote, der so faul wie er sich nun mal immer wieder auf's neue anstellt, immer nur bei uns klingelt und die Pakete bei uns abgibt. Bei den Worten "Scheißverein, so ein Scheißverein" musste ich den Mistkerl erstmal blöde angrinsen und sein Blick sprach Bände 😀 (eigentlich bin ich nicht so fies… vllt doch etwas… naja, vermutlich mehr als mir gut tut…). Mit'm Herrn Kling werde ich mich definitiv noch näher auseinandersetzen müssen. Scheint echt sympathisch zu sein.
    Fad Gadget hatte wieder diesen durchdringenden Beat, dem man sich einfach nicht verweigern kann. Fantastic!
    Kleines persönliches Highlight des Mixtapes/der CD ist aber Pascal Finkenauer. Ahh, ist der klasse! Da passt ja alles zusammen. Auch hier muss ich mich unbedingt durch seine anderen Werke hören. Der ist soo gut. Gleiches mit Hasenscheiße. Von Grundauf toll und clever.

    Hachja, die GEMA… die ist auch so ein kleiner großer Scheißverein…

    Die Manic Street Preachers kannte ich glaube ich noch gar nicht, klingt aber sauber. Musste mir gleich mal ein paar Livegigs anschauen. Die kommen mir so bekannt vor… weiß aber nicht woher ich die kennen könnte.
    Zum letzten Titel: "Der ideale Song für Beerdigungen." Besser kann man so eine CD echt nicht abschließen 😛 Auch wenn sowas nur selten meinen Nerv trifft, diese Rhytmen zwingen dazu, die Schultern nach rechts und links und zurück zu bewegen… 'Nuff said.

    Ich kann nur nochmal sagen: DANKE! Stell dir vor wie ich meinen Hut ziehe. Sehr sehr coole Aktion. Womöglich fällt mir irgendwann nochmal ein Thema ein und dann melde ich mich bestimmt wieder. Aber vorher muss ich so manche Nusikrichtung von vornherein ausschließen. *hust DA war so manches dabei, dass einen musikalischen Kulturclash verursacht hat. ^^

    Mit etwas Glück klingelt morgen der Postbote bei dir, habe es gestern doch noch geschafft. Hfftl. gefällt es 😉

    • Ich werde jetzt erst mal in deinem Lob für Tage baden. Du weißt gar nicht wie erfreut ich bin, dass du erfreut bist.

      Desweiteren kann ich noch berichten, dass schon heute ein Postbote bei mir war. Und ich bin ein wenig perplex. Wow. Dankeschön. Jetzt kann ich den ganzen Tag „Please Mr. Kennedy“ hören. Soviel Zuwendung hab ich doch gar nicht verdient.^^

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