London Calling Part 2

Hier folgt die Fortsetzung meines Aufenthalts in London. Wer den ersten Teil nicht gelesen oder wieder vergessen hat, findet den Anfang des Übels hier: https://friedlvongrimm.wordpress.com/2014/07/14/london-calling-part-1/

Come with me now on a journey through time and space to the world of mighty Franzi.

Sonntag:

Der gute Sonntag war der einzige Tag ohne Verpfllichtungen und Termine. Wir haben alles ruhig angehen lassen und sind vormittags zum Camden Market gefahren. Da hatten wir faulen Säue sehr viel Glück, da kurz nach unserer Ankunft die U-bahnstation gesperrt wurde. Und da standen wir in den Massen an Menschen und liefen zuerst die linke Straßenseite und dann die rechte Straßenseite ab. Nach fünf Minuten wurden wir von einem Herren gefragt, ob wir Hip Hop mögen. Wir bejoarten zaghaft und er begann seine CD zu bewerben. Und das auf eine so sympathische Art. Er mache sich nichts aus der typischen Gangsterattitüde und texte lieber über ernstzunehmende Themen und Probleme. Er hatte sogar auf seinem Abspielgerät einige Kostproben, die wir uns zu Gemüte führten. Und es klang besser produziert als erwartet. Und ehe ich nur darüber nachdenken konnte, mich zu beteiligen, hatte R. schon einen Fünf-Pfund-Schein gezückt. Die Blicke des angehenden Rapvirtuosen und seines Freundes waren Gold wert. Fassungslos, sichtlich berührt wurden wir umarmt und durften zum Abschied freundschaftlich die Fäuste ballen und aneinanderprallen. Das war schön. Der Tag war somit bunt gefärbt mit ganz viel Glitzer. Ich liebe solch zwischenmenschliche Situationen. Danach haben wir auch prompt wunderschöne Kleidung für R. gefunden. Und ich übte mich im Plattenverzicht und hielt Ausschau nach diesen Militärjacken, die mich sowohl an coole 60er-Bands als auch an Zirkusdirektoren erinnern. Ich muss so eine haben, aber leider habe ich nur welche ab 160 Pfund gefunden. Ungerecht! Falls DU also irgendwo eine Jacke dieser Art siehst, dann sag Bescheid. 

Wir stießen auch auf einen Laden, der bei meinem letzten Aufenthalt noch nicht geöffnet war. Er hieß Cyberdog und führte zu einer Sinnes-, Glaubens- und Wahrnehmungskrise. Hier die Internetseite: http://shop.cyberdog.net

Wir betraten ein dreistöckiges Imperium, das mir den Verdacht des ansteigenden 90er-Revivals bestätigte. Die Abgründe der Ravekultur öffneten sich mir. Leider nicht Manchster-Rave, sondern Rave-Rave. Der Laden war laut, neonfarben und voller smileyesker Kleidung, Accessoires und Dingen, die kein Mensch braucht, aber trotzdem faszinierend sind. Desweiteren finden sich unten Sexartikel und eine tüchtige Gogotänzerin. Anerkennend standen wir beide vor ihr, während die anderen Kunden eher diskret beim vorbeigehen einen Blick erhaschten. Irgendwer muss solch harte, körperliche Arbeit ja würdigen. Im oberen Geschoss tanzen auch zwei Menschen, einmal weiblich, einmal männlich. Er war nicht attraktiv, was anprangerungswürdig ist. Da stellen sie wenigstens einen Kerl hin, der sich verausgabt und dann ist der 150 Prozent gay (no offense) und leider nicht schön anzusehen. Das ist keine Gleichberechtigung.

Womit ich auch nicht umgehen konnte war die Tatsache, dass ich sogar gewisse Kleidungsstücke mochte. Ich kann mich noch immer nicht für Leder, Latex und diese meist transparenten Plastikstoffe begeistern, aber es gab eine kurze Latzhose (oder war es ein Hosenrock?) mit diesem Muster:

http://shop.cyberdog.net/p/4764/PENCIL-SKIRT#.U8gga22K-G8

Ich mag eigentlich kein Pink, aber da wurde wohl mein Trashgen bestens bedient.

Nachdem wir aus dem Laden sind, war ich noch etwas benommen. Zu viele Sinneseindrücke in zu kurzer Zeit. Auch der Stress durch die Menschenansammlungen machte sich bemerkbar, so dass wir die rechte Straßenseite eher oberflächlich begutachteten. Doch da fand ich ihn. Mein Herz setzte für einen Moment der Liebe aus. Ich musste ihn kaufen. MEIN Totoro-Rucksack!

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Er ist klein, fein und kuschlig. Es passt nichts großartig herein, aber man hat immer einen tollen Gefährten bei sich. Ich liebe Totoro und wir sind ein prima Team. R. ist im Gegensatz jetzt mit einem Batman-Rucksack unterwegs. Mir wäre das zuviel Verantwortung.

Kurz nachdem wir den Camden Market überquert hatten, musste ich leider schon wieder dem Drang nachgeben und in einen Bücherladen gehen. Am Samstag hatte ich schon zwei Bücher von Roald Dahl und ein Magazin über Dr. Who käuflich erworben. Sobald ich reduzierte Bücher sehe, ticke ich einfach durch. Und dabei ist mein Bücherstapel zuhause schon bis zur Decke gehend. Jedenfalls stolperte ich über die Tagebücher von Michael Palin (Lieblings-Monty-Pythoner!), „The Perks of Being a Wallflower“ und ein Buch über japanische Monsterfilme, was ein perfektes Geschenk für mein zukünftigen Mitbewohner war. Dann waren wir geschafft und glücklich und entschieden uns einfach ein bisschen per Bus herumzufahren bis der Hunger unerträglich wurde.

Ein bisschen Sightseeing, ein bisschen Menschenkunde und daraufhin gönnten wir uns Pizza in einem Restaurant. Und es schmeckte sogar. Ich hatte mir meinen Rest einpacken lassen. So entstand in unserer Unterkunft dann dieses David-Hasselhoff-Gedächtnisbild. 13

 

 

 

 

 

 

Und ja, wie Homer Simpson pflege ich an heimischen Orten die Keine-Hosen-Politik.

 

Montag:
Am Montag, unserem letzten Urlaubstag, verfolgten wir dieselbe Taktik und fuhren mit den Bussen durch London und schauten uns so einige Plätze an. Auch Sherlock statteten wir einen kurzen Besuch ab, aber Moriarty war nicht da. Es war herrlich entspannend das Treiben zu beobachten. Ob nun Uniabsolventen mit diesen feschen Hüten, strahlend mit der Familie posierend, genervte arbeitende Bevölkerung oder Involvierte der Tour de France. Eine schöne Beschäftigung bei der man die Gedanken schweifen lassen kann. Oder wir man hier sieht, sich mit der Lektüre „What does the bible really teach?“ befassen. 

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Ich liebe es nämlich allen religiösen Gruppen mit voller Begeisterung Gratislektüre abzuluchsen. Die sind dann immer so irritiert. Vielleicht ist es auch eine Art risikofreudiges Verhalten, um auszutesten ab welchem Punkt man verschleppt und missioniert wird. I’m looking at you, Scientology! In London standen aber überwiegend Zeugen Jehovas herum. Da konnte ich mich aber auch nicht beherrschen und bin nun Wachtürme reicher.

Und dann war die Zeit auch reif sich für das Konzert vorzubereiten.

1Wir aßen was, zogen niedliche Kleidung an (R., nicht ich mit meinen versifften, erneut aufgetragenden Sachen des Freitagskonzertes) und gingen zur Bahn. Ich wie immer in Panik nicht rechtzeitig anzukommen, aber R. sah den kürzesten Weg und führte mich ans Ziel. An der Staion Kentish Town sind wir einfach den bärtigen Metallern, den niedlichen Gothicgirls und dem unheimlichen älteren Mann mit Pedophilenaura zur Location gefolgt. Und da sind uns britische Eigenheiten aufgefallen. Zum einen haben wir dann erst bemerkt, dass auf den Karten nicht der Beginn sondern nur der Einlass vermerkt ist, zum anderen standen die Menschen fein säuberlich in einer Warteschlange. Es waren nur wenige und wir waren erleichtert. Dann gingen wir um die Ecke und mussten erst einmal lachen. Wir gingen die Schlange entlang, ergatterten Gratischips und bogen erneut ab. Die Schlange ging weiter. Ein endloser Running Gag, der erst nach 10 weiteren Metern endete. Die spinnen, die Briten. 

Oder auch nicht, denn das System funktioniert. Zügig verkleinerte sich die Schlange und wir standen zwar in dem zwar schon gut gefüllten Forum, aber es gab trotzdem noch die Möglichkeit vorne vor der Bühne oder etwas weiter hinten einen Platz zu finden bei dem selbst nicht 1,79-Meter-Franzis etwas sehen können. Denn der hintere Bereich vor der Bühne war ein wenig erhöht. Leider war ich so intelligent und hab mich für die Plätze auf und neben der Verbindungstreppe entschieden, so dass ständig Leute zum Bier holen durch wollten. So konnte ich aber daran arbeiten mich nicht von jeder kleinen Störung aus dem Konzept bringen zu lassen. 

Vor mir stand ein Vater mit seiner Tochter. Er war sehr sympathisch und war ein wenig der Sheriff des Bereiches. Er sorgte für Gerechtigkeit und Ordnung und betsrafte unangenehme, aggressive Pöbler. Das war süß, aber auch er wirkte als wäre eine Prügelei ein tägliches Ritual für ihn. Vielleicht doch eine britische Tradition. Hier habe ich ihn fotografiert.

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Vor dem Konzert war ich mir nicht sicher, ob ich nach unten in die Massen verschwinden werde oder bei R. bleiben würde. Ich lies es offen und wir machten vorsichtshalber einen Treffpunkt aus. Dann begann das Konzert mit einer Videosequenz, die die Mission von Babymetal ausdrückte. Und dann standen sie da. Drei kleine, junge Asiatinnnen und da hinter eine verwegende, laute Band. Die Kleidung, die Choreografien, alles war einnehmend und faszinierend. Ich bin jetzt nicht der größte J-Pop-, J-Rock-, J-Irgendwas-Fan, aber wer den Auftritten dieser Teenager (oder Kinder?) nicht mit voller Bewunderung und Respekt entgegentreten kann, ist taub, blind oder  klinisch tot. Die Songs sind allesamt Ohrwürmer, die Mädchen sind energiegeladen und die Band im Hintergrund ist technisch gesehen auch wirklich versiert.  Es gab auch Momente, wo Su-Metal, MoaMetal und YuiMetal sich entfernten und die Musiker im Vordergrund standen. Eine schöne Abwechselung, die von den Fans sehr gut aufgenommen wurde. 

Generell muss man sagen, dass die Fans sehr sympathisch waren. Zwar dachte ich einen ordentlichen Moshpit vorzufinden oder mehr Beteiligung an den vorgegebenen Choreografien. Das sind jedoch Luxusprobleme und zu hohe Erwartungen, die entstehen, wenn dass das erste ist, was man  gezeigt bekommt:

Auf jeden Fall steht jetzt auf meiner To-Do-List einmal ein Konzert von Babymetal in  Japan zu sehen. 

Ich war glücklich, R. war glücklich und ich habe selten so viele glückliche Gesichter generell nach einem Konzert gesehen. Wildfremde lagen sich in den Armen und philosophierten ungläubig über das Gesehene.  Es war einfach der perfekte Abschluss für unseren Urlaub.

Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause, nachdem er einen Brandanschlag auf den Ellenbogen des armen Tieres verübte. 

Dort angekommen machte Frederick noch ein Foto von der Konzerthose, die nun sehr mitgenommen ist.

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 Dienstag:


Wir mussten früh aufstehen. Das war sehr ungewohnt. Trotzdem waren wir rechtzeitig fertig und konnten überpünktlich gen Flughafen. Schön in der Zeit, wo alle zur Arbeit müssen und man sich nicht mal hinsetzen kann. Ein Traum.

Ab Liverpool Street mussten wir fast eine Stunde mit einem Zug fahren. Das war dann die perfekte Entschädigung. Ich konnte nochmal schön die Äuglein zu machen und dem Ohrwurm des vorherigen Abends frönen:

Auch die Wartezeit am Flughafen verging rasch. Danke an Marc-Uwe Kling und seinem Känguru (was mich bestimmt schlagen wird, da ich es als Eigentum dargestellt habe). Und dem mehr als niedlichen Mitarbeiter der alte Menschen im Rollstuhl transportiert hat und wie aus „Glee“ entsprungen daherkam. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn er plötzlich losgeträllert hätte.

Beim Fliegen hatte ich wieder enorme Schmerzen, die sich vom Ohr bis zu den Zähnen gezogen haben. Normalerweise hilft es, wenn ich mir eine Ibuprofen vorher gönne. Diesmal habe ich sie wohl ein paar Stunden zu früh genommen. Vielleicht hängt das auch mit den Weisheitszähnen zusammen. Man weiß es nicht.

Die letzten 30 Minuten des Fluges waren eine Tortur und ich war so unglaublich glücklich als wir landeten. Zwar war ich auf dem einen Ohr fast taub, aber die Erfahrung ist keinesfalls neu. 

Der Himmel war grau und es regnete. Ich war erleichtert, da ich keine Lust auf Hitze hatte. Alle wurden unruhig, machten sich bereit panisch zu drängeln, um der Erste am Kofferband zu sein. Und dann kam der Moment, der so Berlin war. Wir beide mussten lachen und ein Heimatgefühl machte sich in mir  breit. Der Pilot meinte, dass aufgrund des Regens niemand in den Flughafen gelassen wird. Es herrscht keine Kommunikation und andere Flieger warteten schon fast eine Stunde. Hurra! Ich hatte ein Deutsche-Bahn-Feeling.

Doch wir hatten Glück und mussten keine halbe Stunde warten und auch unsere Koffer waren innerhalb von Minuten bei uns. Dann öffnete sich die letzte Tür und ich wurden von drei tollen Herrschaften begrüßt, die ein Schild hochhielten, bei dem ich sofort wieder gute Laune bekam. Ich habe es auf dem Foto rot eingekreist. Leider habe ich von zu weiter Entfernung das letzte Foto geschossen, deswegen kann man es leider nicht lesen.

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Das stand darauf:

IMG_0086Dann wurde ich netterweise mit dem Auto nach Hause kutschiert und muss seitdem mit diesem ätzenden Wetter zurechtkommen. Und ich habe seit dem Londonaufenthalt nicht Faith No More gehört. Doch dies werde ich heute feierlich zelebrieren.

Ahoi!

Das Franzitier

Friedl On Tour

2 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Mir gefällt, wie die Kleidung auf den Bus abgestimmt ist. Aber…ein Foto von einer kaputten Hose und keins von dem coolen Rapper oder den Store-Tänzern? Über Prioritäten solltest du noch mal nachdenken.

    • Da muss ich dir leider recht geben. Die Fotos sind doch sehr selbstfokussiert ausgefallen. In dem betreffenden Momenten habe ich es schlichtweg vergessen. Ich gelobe Besserung.

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