Across The Universe (Julie Taymor, 2007)

Seit Monaten habe ich irgendwie eine Blockade bezüglich des Schreibens von Filmkritiken. Ich ging bisher so vor, dass ich wahllos eine DVD griff und dann während oder kurz nachdem Schauen meine Gedanken stichpunktartig vermerkte und meist einen Tag später versuchte, daraus ein verständliches Ganzes zu machen. Bei fünf Filmen hat es wunderbar funktioniert. Und dann kam „Across the Universe“.

Gestern hatte Dhani Harrison Geburtstag. Ich stolperte über ein Bild von ihm und Sean Ono Lennon. Da dachte ich mir, es sei an der Zeit mich diesem Entwurf zu stellen.

 Jeder Mensch auf dieser Welt kennt die Beatles. Davon bin ich fest überzeugt. Und auch jeder Mensch kann bei mindestens einem Lied mitsingen. Die Musik ist zeitlos und ich bin mir sicher, dass wenn ein Weltuntergang ohne Überlebenschance naht, die Menschheit sich dafür entscheiden würde als letzte Tat vor dem Tod einen Song dieser Band anzustimmen.  Somit ist es natürlich ein sehr ambitioniertes Projekt, ein Filmmusical zu kreieren, dass sowohl oberflächliche Konsumenten als  auch leidenschaftliche Verehrer der Beatles gleichermaßen unterhält.

Und der Julie Taymor ist dies gelungen. Selbst Bono kann einem diesen Film nicht verderben.

Angesiedelt in den 60er Jahren verfolgt man die Lebenswege verschiedener junger Menschen, die  sich im Laufe der Geschichte kreuzen. Im Fokus steht Jude, der aus Liverpool nach Amerika flieht und dort Max kennenlernt. Und natürlich auch seine Schwester Lucy. Eingebettet in eine theatralische Kulisse werden die dekadentypischen Themen atmosphärisch eingefangen.  Liverpool wirkt grau, konservativ, aber mit einem gewissen Arbeiterklassecharme. Jude’s Leben wäre dort wie jedes andere auch abgelaufen. Arbeiten, eine Familie gründen, alt werden.  In New York untergetaucht, ist er Teil der turbulenten Ereignisse. Die Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkrieg, Bewusstseinserweiterung, freie Liebe. 

Es entsteht eine wunderbare Gemeinschaft, die von allen Schauspielern zum Leben erweckt wird. Jim Sturgess und Evan Rachel Wood harmonieren als Protagonisten und verleihen der Geschichte an emotionaler Tiefe, genauso wie Joe Anderson, der auch schon in „Control“ überzeugen konnte. Auf jeden Charakter wird eingegangen und ein Gefühl der Vertrautheit und Sympathie ist von Anfang an vorhanden.

Dies wird musikalisch und visuell perfektioniert und kreiert ein Musical, dass sowohl cineastische Kunst als auch massenkompatibles Unterhaltungsstück ist. So wie die Beatles eben. Die Genialität der Songs wird einem durch die Neuinterpretationen noch einmal bewusst. Selbst totgespielte McCartney’sche Gassenhauer können durch den richtigen Kontext und dem richtigen Arrangement wieder zu wunderschönen, emotionsgeladenen Momenten werden. 

So ziehe ich die im Film verwendete Version von „Let It Be“ vor. Dieser Song ist einfach Gospel pur. Und so muss er auch inszeniert werden. Und auch optisch ist der Film sehr ambitioniert. Die Choreografien sind kreativ umgesetzt und durch surreale Kulissen und Effekte zu einem Kunstwerk verwoben. Genau wie bei „Frida“ arbeitet Julie Taymor nicht an einer geradlinigen Biografienverfilmung, sondern verschafft einem Zugang zu der thematisierten Kunst und  den dazugehörigen Schöpfern. Eine Ausstellung filmischer Natur mit schönen Anspielungen, die beweisen, dass Menschen am Werk waren, die sich nicht nur oberflächlich beschäftigt haben.

Und so versucht der Film uns die pathetischen Weisheiten der Beatles näher zu bringen. Manchmal auf humoristische Art, manchmal auf idealistische, ernste Art. Vielleicht kitschig, aber immer mit Herzblut.

Man mag das Ende genial finden oder übertrieben. Fakt ist, dass der Geist der Beatles umgesetzt wurde und dort angesetzt wird, wo die Beatles aufgehört haben: All You Need Is Love.

Seit über 50 Jahren versuchen uns George, John, Paul und Ringo diese Weisheit zu vermitteln und trotzdem hat kaum jemand den Mut, seine Liebe bedingungslos weiterzugeben und sich hinzugeben. Ohne Hintertürchen.

Keine konservative Treuepropaganda, keine gesellschaftlichen Werte und Normen, keine Oberflächlichkeit, sondern Wertschätzung und Leidenschaft.

All You Need Is Love.

Ewige Filmliebe

1 Comment Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: