Der Club der toten Dichter (Peter Weir, 1989)

Oh Captain, mein Captain,

hier sitze ich nun im Dunkeln, erwarte dass die Sonne bald aufgeht und habe zum gefühlt hundertsten Male Zeit mit Neil, Todd, Knox, Charlie, Meeks und Pitts verbracht. Mit Cameron nicht, der ist doof. Was soll ich sagen, ich bin pathetischer als ein Musical. Das gebe ich offen und ehrlich zu.

1:13 Uhr: Erhalte von einer Freundin die Nachricht, dass Robin Williams tot ist.

2:21 Uhr: Erhalte von einem meiner Brüder dieselbe Nachricht. Dazu einige der schönsten und wahrsten Worte:

Happy people have the advantage of going through life and enjoying it. They can feel good about most anything. They smile when it’s sunny, they smile when it’s snowing. They can see the beauty in the mundane or else they don’t bother to look for beauty and simply soak up the essence of what it is to be alive and actual in a universe of vibrating atoms and color.
Sad people have the advantage of being slow tortured. It’s an advantage because unlike happy people they are shaped by the furnace of lament and can often create very beautiful things from their darkness. The moments of happiness they find are truly rich and memorable. The implacable souls of our world have always been the geniuses who turn out the best books, the most touching songs and the greatest works of art.
You can be happy and skip through your life like stones over water, or you can be sad and tumble around snagging on everything like fall leaves. You don’t always get to choose, but if the universe made you sad it’s because it wants something perfect from you.
2:30 Uhr: Ich beschließe, dem Captain einen Besuch abzustatten.

4:50 Uhr: Ich kann nicht wirklich schlafen, bin aber zu müde, um eine Kritik zu „Der Club der toten Dichter“ zu schreiben. Beschließe Tee zu machen und auf meinen Dad zu warten, der mitsamt Brötchen von der Nachtschicht jeden Moment kommen wird.

4:58 Uhr: Frühstück inklusive Austausch über Robin Williams, kurz vor halb Sechs Erweiterung der philosophischen Runde durch meine Mum.

5:59 Uhr: Immer noch zu müde zum schreiben. Schlafen.

 Die Schule ist für jeden ein sehr prägender Ort. Man findet seine Rolle, seine Position in der Gemeinschaft und muss nach gewissen Regeln spielen, um zu bestehen. Einigen fällt es einfacher, anderen schwerer. Ich habe in einer Klausur das dazugehörige Gedicht nicht interpretiert und analysiert, ich habe erörtert warum ich mit dem Gedicht nichts anfangen kann, nicht berührt bin. Ich habe in meiner Abiturklausur in Kunst spontan angefangen im Hintergrund des Bildes farbige Punkte hinzuklecksen, weil mich die trockene, langweilige Aufgabenstellung irgendwie aggressiv machte. Dadurch, dass ich meine Entscheidungen mit meinen Gedanken und Absichten begründen konnte, bin ich doch tatsächlich immer irgendwie durchgekommen.  Doch ich gehörte definitiv zu der Sorte Schüler, den es schwerer fiel das Jahr zu bestehen. 

Im Gegensatz zu dem Schulalltag Dekaden zuvor sind das natürlich Luxusprobleme. 

Die Konsequenzen für Verhalten außerhalb der Norm sind bedeutender, die Macht der Erwachsenen größer und das Erlangen eines kleinen Stückchens Freiheit schwieriger.  Trotzdem wagt Mr. Keating in Gestalt von Robin Williams den Versuch, die Schüler aus ihrer vorgefertigten Routine zu schütteln, sie mit seiner Leidenschaft anzustecken. Er haucht ihnen Leben ein, wohingegen ihre Umwelt sie immer mehr abstumpfen lässt. Ärzte und Anwälte sollen sie werden. Einen gesellschaftlich anerkannten Beruf sollen sie ausüben. Viel Geld verdienen. Ihren Eltern alle Ehre machen. Doch keiner fragt, was sie gerne aus ihren Leben machen würden.

So entdecken sie neue, feingeistige Seiten an sich, probieren sich aus und leben das erste Mal für sich selber, ohne primär den Erwartungen anderer zu entsprechen. Und das ist schön anzusehen, auch wenn diese Zeit leider nicht von Dauer ist.

„Der Club der toten Dichter“ mag wohl mit Lebensweisheiten gespickt sein und für manch einen zu viel des guten sein. Zu viel idealistische Träumerpropaganda. Zu viel Gutmenschentum. Doch ich kann mich dafür erwärmen. Wenn ich diese Gruppe junger Menschen dabei beobachte, wie sie Konflikte mit den Eltern austragen, ihre erste Liebe erobern oder sich gegenseitig Streiche spielen, dann fühle ich mich dazugehörig. Diese Jungen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, achten aufeinander, fühlen miteinander und unterstützen sich in jedem Gemütszustand. Sie entwickeln sich.

Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn Todd im Schnee zusammenbricht, ich fiebere jedes Mal mit meinem Liebling Knox mit und mir tut jeder Schlag weh, den Charlie aushalten muss.

Und diese wunderbare, fiktionale Freundschaft möchte ich nicht missen. Auch wenn die Realität meist anders aussieht, doch das ist trivial.

Ich hatte wenige gute Lehrer. Ich kann sie an einer Hand abzählen.  Doch keiner war es würdig, sich auf den Tisch zu stellen. Ich hätte es sofort getan, doch keiner von ihnen hatte den Mut, die Leidenschaft und sicherlich auch nicht den Drang, die Konventionen infrage zu stellen und außerhalb des geforderten Lernstoffes den Schülern etwas mit auf den Weg zu geben.  Ihnen nicht auf sarkastische Weise zu begegnen, sondern die Träume und Wünsche ernstzunehmen. Dafür danke ich dir, mein Captain. Denn das Leben ist soviel einfacher, wenn es wenigstens einen Menschen gibt, der an einen glaubt. Und dieser Mensch ist man meist nicht selbst, schon gar nicht in diesem kritischen, jugendlichen Alter. Oh Captain, mein Captain, auch wenn du fiktional bist, du warst der beste Lehrer, den ich je hatte. Und ich denke du wärest sicherlich stolz, wenn du sehen könntest, wie mein innerer Todd Anderson von Jahr zu Jahr aufblüht und Hand in Hand mit meinem inneren Nuwanda durch das Leben geht.

 

Ewige Filmliebe

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