Gastkritik: „Über alles“ von Hanzel und Gretyl

Mir wurde eine CD von dem Fabian in die Hand gedrückt. Ich muss gestehen, es ist schon ein Weilchen her. Heute ist es endlich soweit und ich werde meine Impressionen teilen. Wenn du (ja, genau du!) auch meine Meinung zu einem Album, einer Band, einem Film, einer Person etc. lesen möchtest, so teile es mir mit. Ich mache das sehr gern. Und ja, die Liste an Vorschlägen in der Rubrik „Über“ werde ich ab sofort mit höchster Priorität meine Aufmerksamkeit schenken. Versprochen!

Die hier rezensierte Band war mir zuvor unbekannt, das muss ich leider zugeben. Ich war auch irritiert als ich das Cover und die gesamte Ästhetik begutachtete. Sehet selbst:

Ich habe das mit dem Wissen eigentlich keine Bekanntschaften mit rechtem Gedankengut zu haben hingenommen. Aufgrund der Schreibweise und der Aufmachung der Band bin ich von Amerikanern ausgegangen, musikalisch wahrscheinlich Richtung Gothic, Industrial oder EBM. Die Genugtuung richtig zu liegen gefällt mir übrigens sehr. Okay, ich habe nicht auf Metal getippt. Vergebt mir.

Ich muss gestehen, ich konnte die Aufmachung der beiden Musiker nicht ernstnehmen. Schon gar nicht als ich die Tracklist las:

  1. „Overture“ 
  2. „Third Reich From The Sun“ 
  3. „Ich Bin Über Alles“ 
  4. „Komm Zu Uns“ 
  5. „Mach Schnell“ 
  6. „SS Deathstar Supergalactik“
  7. „Let the Planets Burn“ 
  8. „Intermission“ 
  9. „11:11“ 
  10. „Verbotenland“ 
  11. „Transplutonian Annihilation“
  12. „Mein Kommandant“
  13. „Aufwiedersehen“

Ich erhoffte mir einen respektlosen, trashigen Umgang mit meinen Lieblingsbösewichten aus Film und Fernsehen, schließlich möchte man doch den Menschenschlag dieser Sinneshaltung entmystifizieren und trivialisieren. Ich hasse nämlich Tabuisierungen. Und das beste Mittel zur Bekämpfung ist immer noch Humor, wie ich finde.

Doch zurück zur Musik. Hier einige musikalische Eindrücke:

So lag ich neben der Anlage und inspizierte beim Hören die Texte. Ein Freund kam vorbei, gesellte sich dazu und ich konnte seine Meinung einholen. Ich rezitierte die lyrischen Ergüsse und beobachtete die Reaktion. Interessanterweise mussten wir mehr lachen als beim Hören der musikaischen Umsetzung der Band. Da war eine gewisse Befangenheit zu spüren. Doch zuerst einige meiner Lieblingszeilen:

„Blut, mein Blut! Leben, mein Leben! Third Reich From The Sun! Revolution! Das ist mein Krieg! Das ist mein Blut! Das ist mein Reich!“

„Ich bin über alles. Ich bin über alles. Ich bin über und du bist der scheiße. Ich. Bin. Ich bin über alles. Ich bin der Mutter fikker. Ich bin der Mutter fikker. Ich bin der Mutter fikker. blachen blichen rachen schtikken.“

„Come on! Optimieren sie Optimismus. Zerstören sie das Unterstellte. Werden eine Kraft. Sie überwachen sie. Erobern sie mit uns. Sie überwachen sie. Party! Party! Komm zu uns.“

„Jawohl mein herr. Mein kommandant, mein blut brennt für dein. Aussterben in der nacht. Ich warte hier in der düsterkeit. Ich warte hier mit blut und streit. Ich hasse und sie leiden. Ich gewinne und sie sterben. Ich bin ein stern in der nacht. Du bist eine schlechte cosmonaut.“

„Du bist nicht gut. Du bist nicht gut. Ich hasse dich. Ich hasse dein blut. Du bist nicht gut. Du bist nicht gut. Ich hasse dich. Ich hasse dein blut.“

(Ich habe mich von der Rechtschreibung her an die Band angepasst.)

Urteil?

Besonders der letzte Textauszug bereitet mir Bauchschmerzen. Ich möchte mich auch keineswegs als Moralapostel und Sittenwächter aufspielen. Viele Bands spielen mit NS-Symbolik, meist um zu schocken. Mein Problem ist jedoch die inhaltliche Ebene bezüglich der NS-Opfer, die thematisiert wird und der ganzen Sache einen bitteren Beigeschmack verleiht. Sie können von mir aus soviele Uniformen und Hakenkreuze tragen wie sie wollen. Sie können auch soviele „Sieg heil“-Samples verwenden wie sie wollen. Das ist mir ziemlich egal und schockiert mich nicht im Geringsten. Aber Zeilen wie „Dein Blut ist nicht gut.“ oder „Zerstören Sie das Untergestellte.“ sind selbst für mich grenzwertig und da empfinde ich die Aussage, dass das alles Satire und Ironie sei, als einfache Ausrede und Legitimation. Und das sagt eine Person, die morgens aufsteht und sowas singt:

Ein anderer Kritikpunkt ist für mich auch die musikalische Umsetzung, die eher stumpf und wenig abwechslungsreich ist. Es sind zwar harte Klänge, aber ich fühle mich keineswegs gerockt. Somit absolut nicht mein Album und wahrscheinlich auch einfach nicht meine Band.

Auch sowas soll es geben. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich bei jeglichen Musikrichtungen der düsteren Atmosphäre so meine Probleme habe. Jedenfalls je neuartiger die Musik. Das höchste der Gefühle sind Die Krupps und Deine Lakaien und ansonsten Oldschool Goth. Newschool-Zeug ist meist kitschig und erinnert mich oft durch die elektronischen Klangteppische an den derzeitigen Schlager, vorallem deutschsprachige Interpreten. Dann lieber DAF-Imitate wie Schwefelgelb, aber ich schweife ab.

Was sagt ihr? Bin ich doof und habe keinen Humor? Reagiere ich zu überzogen oder ergeht es euch ähnlich? 

Musik

1 Comment Hinterlasse einen Kommentar

  1. Du bist doof, hast keinen Humor und reagierst überzogen. Na gut, ich gebe zu, deine Sorgen sind nachvollziehbar (ein ganz kleines bisschen), aber da die beiden ja niemandem was böses wollen und die Satire ganz offensichtlich ist, habe ich da nach wie vor keine Bedenken. Also nicht ganz das Fazit, das ich erwartet/erhofft habe, aber trotzdem sehr nett zu lesen deine Kritik. Fein, fein.

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