Bloody Kisses (Type O Negative)

Ich kann euch doch nicht durch den Oktober spazieren lassen ohne die perfekte Herbstmusik. Da ich „October Rust“ von Type O Negative immer noch nicht in physischer Form besitze, müsst ihr mit dem legendären, stilprägenden Album „Bloody Kisses“ aus meinem Geburtsjahr vorlieb nehmen. 

Als ich die Hülle des heiligen Vinyls aufklappte, sprang mir übrigens noch Weihnachtslametta entgegen. Das hat mich irgendwie froh gestimmt. Doch zurück zu mir und Type O Negative. 

Es hatte lange gedauert bis mir das eine Album, was mein Bruder besaß (ich durfte es behalten) mochte, doch jetzt liebe ich mein Einstiegsalbum „World Coming Down“ innig. Ich konnte im ersten Moment des Hörens von „Bloody Kisses“ auch nicht damit umgehen, dass die Herren auch schnellere Songs im Repertoire haben. Trotzdem bewahre ich mir meinen Tagtraum der Metalmassen, die bei einem Konzert in Zeitlupe zum Takt ihre Mähnen schwingen.

Type O Negative mit ihrem interessanten, wunderbar bissigen Humor, ihrer Liebe zu den Beatles und ihren ellenlangen Songs irgendwo zwischen Gothic-Kitsch und Selbstmitleid Deluxe haben es mir seitdem angetan. Und jeder, der nur einen Song dieser Band kennt, wird sie sofort wiedererkennen, denn niemand hat so schöne Backgroundgesänge und Orgelparts. Und das zeigt doch wie einzigartig sie waren. 

2. Christian Woman

Would you suffer eternally or internally?

Nach dem Intro „Machine Screw“ (konnte ich leider nicht finden) in dem eine Frau vor sich hin stönt, geht es gleich ans Eingemachte. Der 9-Minuten-Song ist das perfekte Beispiel für diese Band. Man nehme einen bescheuert-sentimentalen Text, fügt eine nette Melodie ein und einen ruhigen Zwischenpart in der Mitte des Songs mitsamt Vogelgezwitscher, Chor und beende diesen mit der legendären Zeile „Jesus Christ Looks Like Me“. Da muss doch Freude aufkommen. Spätestens wenn ihr das als Ohrwurm habt und es vor euch hinsingt und ihr von tatsächlichen Christen kritisch beäugt werdet.

3. Black No.1 (Little Miss Scare-All)

Loving you was like loving the dead

Gleiches Muster, gleiches Thema, doch diesmal ohne Religion, sondern mehr Schwarz, mehr Halloween, mehr Atmosphäre. Dies ist wohl die Hymne aller Gestalten der Nacht. Und ich muss zugeben, bei dem Video dazu ist der gute Peter Steele sehr vorteilhaft ausgeleuchtet ist und somit durchaus attraktiv. Okay, vielleicht sind es auch die Vampirzähne, die mich da beeinflussen. Schauet euch „Hurra“ von die ärzte an, da sind die Herren auch schön ausgeleuchtet. Wenn wir schon bei meinen Lieblingspappnasen sind, hört euch jetzt nochmal den Teil ab 1:42 bei „Vermissen, Baby“ an. Merkt ihr was?

4. Fay Wray Come Out and Play (Interlude)

Einfach hinnehmen.

5. Kill All The White People

Ich finde den Song ja unglaublich witzig und die „Oooooohh“s klingen ein wenig als würden sie gerade mit einer Achterbahn fahren. Ein schöner Gute-Laune-Song für die ganze Familie.

6. Summer Breeze

Hier machen Type O Negative das, was sie hervorragend können: covern. Ob nun die Beatles, Neil Young oder eben Seals & Croft. Sie schaffen es immer, sich die Songs zu eigen zu machen, so dass ich gestehen muss, erst sehr spät gemerkt zu haben, dass „Cinnamon Girl“ nicht von ihnen ist. Ich weiß, das ist echt peinlich.

7. Set Me on Fire

 

So good, Na na na, so good, na na na na na na
Sets me on fire, (so good), she sets me on fire

Das ist wohl der Song, der auch Leuten gefallen könnte, die weder mit Gothicrock oder (Rentner)metal etwas anfangen können. Ein feiner Popsong, den man schon beim ersten Hören mitsingen kann. Ich kann es nicht anders umschreiben als „cheesy“.

8. Dark Side Of The Womb (Interlude)

Man hört ein Baby schreien, sehr unheimlich, aber nach nicht einmal 30 Sekunden ist es vorbei. Puh.

9. We Hate Everyone

Klingt bei euch das Mitsingen auch immer wie ein Hund, dem man auf den Schwanz getreten ist? 

The left they say I’m a facist
The right calling me communist
Hate, hate, hate hatred for all one and all
No matter what you believe
Don’t believe in you – and that’s true

Ich habe zu meinem Lieblingslied des Albums die Vorweihnachtsnacht verbracht und die letzten Geschenke fertiggestellt. In Dauerschleife und doch verlor es zu keiner Minute diese motivierende Wirkung. Übrigens neben „Kill All The White People“ ein weiterer Kommentar der Band zu den Rassismusvorwürfen damals.

10. Bloody Kisses (A Death in the Family)

Das Stück war mir immer zu langatmig und nicht hart genug, aber der Anfang ist großartig. Trotzdem ist mir das Ganze ein wenig zu rührselig mit der Frau, die im Hintergrund weint und der Gemächlichkeit. 

11. 3.0.I.F. (Interlude)

Wegen solch atmosphärischer Zwischenstücke gehört Type O Negative einfach in den Horrorctober, in die scheußlichste Jahreszeit voller Regen, grauer Wolken und matschigen Wegen. Und ich hasse, dass die Farbe Braun alles dominiert. 

12. Too Late: Frozen

Sehr eingängig mit dem Text eines Menschen mit gebrochenem Herzen. Ich mag die Instrumentation sehr, die etwas eisiges, kaltes ausstrahlt und durch die Geräuschskulisse im Hintergrund auch zu Tagträumen einlädt. Generell eignen sich Type O Negative sehr gut, um einfach die Gedanken schweifen zu lassen. Wobei mich die Darbietung der Zeile „It’s too late“ schmunzeln lässt und ich eher eine Boygroup assoziiere.

13. Blood And Fire

Mehr Herzschmerz, doch mit weitaus genialerer Schlagzeugdarbietung, die bei mir in dem Fall für den Ohrwurm sorgt. Genauso wie der plötzliche mittelalterliche Umschwung nach fast 3 Minuten.  Das Gitarrensolo danach einfach ist auch äußerst passend. Somit wie ich finde, der bestausgearbeitetste Song des Albums, wobei mich der spontan zugelegte Akzent bei der letzten Strophe deutlich verwirrt. Für mich klingt es nach einem französischen Einschlag, aber vielleicht bin ich ja auch taub. Man weiß es nicht.

14. Can’t Lose You

I can’t lose you
No, I can’t lose you

Ja, dies ist wirklich der gesamte Text. Dazu wurde noch die Sitar herausgeholt und eine psychedelische Atmosphäre kreiert. Warum das so seltsam abrupt endet weiß man nicht. Auch nicht, warum der letzte Song sich dermaßen abhebt. Doch diese Magie macht doch diese wunderbare Platte aus. „Hare Krishna“ würde George Harrison jetzt sagen.

Musik

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