Horrorctober, die siebente: Wächter der Nacht

Auf den ersten Blick mag das wohl eine ungewöhnliche Wahl für den Horroctober sein, doch natürlich gebe ich gerne meine Begründungsanekdote zum Besten.

2005 lief „Wächter der Nacht“ in den deutschen Kinos an und das 12-jährige Franzi ging mit ihrer Mama und ihrem großen Bruder in diesen Film und kam kreidebleich nach über 1 1/2 Stunden wieder heraus. Traumatisierter als nach „Krieg der Welten“ einige Monate zuvor, wo einem mit dem banalem guten Ende, die Angst zum Schluss komplett genommen wird. Doch dies war das erste Kinoerlebnis für mich bei dem ich zugleich in die Geschichte, den Protagonisten und die Atmosphäre verliebt war, aber beim Schauen unglaublich verängstigt war, was als nächstes passieren könnte, wohin die Reise gehen wird. Außerdem habe ich seitdem einen gewissen Respekt vor Scheren und möchte diese bitte niemals in die Handfläche gerammt bekommen. Danke im Voraus.

So wollte ich nach Jahren es doch nochmal wissen und schob die DVD in das dazugehörige Abspielgerät um herauszufinden, wie es dem Anton in der Zwischenzeit ergangen ist.

Von der Handlung her hatte sich nichts verändert. Es gibt die „Anderen“ unter den Menschen. Sie sind entweder Vampire, Formwandler oder in anderem Maße übernatürlich begabt und müssen sich für die Seite des Lichts oder des Dunkels entscheiden. Anton Gorodezki entschied sich für das Licht und wir begleiten ihn den Film über bei seinen Tätigkeiten als Wächter der Nacht, der dafür verantwortlich ist das Gleichgewicht zwischen dem Guten und dem Bösen zu wahren.

Leider ist der Film nicht besonders gut gealtert. Oder ich bin mit zunehmendem Alter auch noch weise und anspruchsvoll geworden. Die Spezialeffekte sehen schlecht aus, die Anfangssequenz war deutlich von „Der Herr der Ringe“ abgekupfert, genauso wie andere Szenen von der Ästhetik stark an „Fight Club“ erinnerten. Mir war auch nicht bewusst, wie visuell überbordend und hektisch geschnitten „Wächter der Nacht“ ist und wie anstrengend das sein kann. Vorallem in Kombination mit der Musik, die vollkommen überzeichnend und äußerst penetrant eingesetzt wird. Desweiteren kann ich jetzt meinen Bruder nachvollziehen, der im Kino bei für mich vollkommen unverständlichen Stellen lachen musste. Es ist wirklich so, die Werbung für Nokia, Adidas und Nescafé ist alles andere als subtil, so dass selbst ich hartgesottenes Wesen aus meiner Filmwelt zurück in die Realität gezerrt werde. Und das passiert durch Produktplatzierungen nicht häufig bei mir.

„Wächter der Nacht“ist nun einer dieser Filme bei dem die Stimmung, die durch Erinnerungen erzeugt wird, schöner ist als das tatsächliche Gucken. Alles wirkt irgendwie verblasst und unglaublich trashig, was mir als Kind nie aufgefallen ist. Doch beim Abspannsong von Feeder sitze ich noch genauso eingenommen da und überlege, ob ich nun Wächter der Nacht oder Wächter des Tages werde. Meine Liebe zu Anton wird mich wahrscheinlich aber auf die gute Seite treiben und ich muss wohl oder übel zur Buchvorlage greifen, wenn ich in mein Lieblingsmoskau zurück möchte.

Horrorctober

8 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Mir ging es nach der ersten Sichtung von „Wächter der Nacht“ ähnlich wie dir nach der zweiten, und darüber hinaus konnte ich mit dem Ganzen nichts anfangen, es hat sich mir einfach nicht erschlossen oder mich für sich eingenommen, obwohl die Thematik mich eigentlich völlig anspricht.
    Irgendwann habe ich dann zu den Romanen gegriffen, die beide Wächter-Filme um einiges verständlicher machen. „Wächter des Tages“ ist dabei ironischerweise allerdings nicht die Verfilmung des gleichnamigen zweiten Buches. Jeder Wächter-Band besteht aus drei Geschichten, der Film „Wächter der Nacht“ ist die Adaption der ersten Geschichte des Romans „Wächter der Nacht“, während der Film „Wächter des Tages“ die (sehr, sehr lose) Adaption der zweiten und dritten Geschichte von „Wächter der Nacht“ ist, gewürzt mit ein paar Handlungsbröckchen aus dem Roman „Wächter des Tages“.
    Lange Rede, kurzer Sinn: Die beiden Filme sind nur ziemlich lose Adaptionen der Vorlage (was besonders interessant ist, da der Autor der Romane, Sergej Lukianjenko, auch die Drehbücher der Filme verfasst) und gehen letztendlich in eine völlig andere Richtung. Ich persönlich mag die Romane und ihre Darstellung der Wächter-Welt um einiges lieber und finde sie sehr empfehlenswert.

    • Ja, ich habe jetzt auch beschlossen, nicht mehr zu warten bis sie das ganze filmisch zuende bringen und fange bald mit „Wächter des Tages“ an. Kennst du Interviews mit dem guten Sergej, wo er begründet, wie und warum er so an die Drehbücher herangegangen ist? Muss ja einen Grund geben.

      • Ich denke auch, dass filmisch da nichts mehr kommt (höchstens ein Remake/Reboot), auch, wenn ich so an das Ende des Filmes „Wächter des Tages“ denke, das sehr abschließend ist (und mit den Romanen gar nichts mehr zu tun hat).
        Ich habe jetzt kein explizites Interview, das ich verlinken könnte, aber ich meine mal gelesen zu haben, dass Lukianenko die Filme praktisch als Experimentierfeld betrachtet hat, wo Sachen ausprobieren, Figuren anders interpretieren und in anderen Konstellationen bringen kann etc. Sieht man schon im ersten Film, wo der zwar noch grob der Romanhandlung folgt, wo aber gerade Jegor im Grunde ien völlig andere Figur ist als in den Romanen (wo er weder der große Andere, noch Antons Sohn ist).
        Zum Teil dürfte es auch mit dem Regisseur Timur Bekmambetov zusammenhängen, der klassischer Fantasy nichts abgewinnen kann, weshalb sich in den Filmen die Funktion von Magie auch stark von der in den Büchern unterscheidet.
        In einem der späteren Bände („Wächter der Ewigkeit“) gibt es eine lustige Szene, in der Anton jemandem von einem Traum erzählt, bei dem es sich um eine besonders überdrehte Szene aus dem zweiten Film handelt und anschließend sinniert er über parallele Universen.

  2. Den hatte ich mal beim mp-Schrottwichteln abgestaubt und war sogar einigermaßen fasziniert vom Film. Aber stimmt, die Erinnerung an den Film ist gut, jetzt graut es mir aber vor einer erneuten Sichtung. Dabei muss ich unbedingt noch Teil 2 sehen…

    • Ich hab ja noch die Hoffnung, dass der zweite Teil besser wegkommt oder die Effekte auf Bluray mich gnädiger stimmen. Auf Wikipedia steht ja immernoch, dass ein dritter Teil geplant ist. Ich bin gespannt, ob es jemals dazu kommen wird.

  3. Ich befürchte bei mir ist es dasselbe … in meiner Erinnerung fand ich die Filme besser als die Bücher. Ein Kumpel von mir war davon so extrem begeistert, dass ich mir die Romane gegeben habe. Aber mich stoßen immer solche offensichtlich geschriebenen Antihelden ab, die ja ach so kaputt sind, aber trotzdem die vom Schicksal auserwählten. Da passt immer was für mich nicht zusammen. Ich will zwar auch keinen strahlenden Held aber … das andere widerspricht sich auch … das ist … ach gut, lassen wir das. Jedenfalls mochte ich die Romane nicht und in meiner Erinnerung waren die Filme cooool, aber ich so lese was du da schreibst, drängt sich mir der Gedanke auf: beim zweiten Sehen fänd ich sie 100%ig genauso kacke. Au weia…

    • Ich hatte mir ja immer geschworen, die restliche Bände der Reihe erst dann zu lesen, wenn sie mit den Filmen durch sind. Da sich aber seit 2006 da nicht viel getan hat, werde ich wohl nun doch die restlichen Bücher nachholen.

      Ich kann deine Antipathie nachvollziehen, aber Anton ist wunderschön und toll (sagt mir meine kindliche Erinnerung an das Kinoerlebnis) und wird es auch immer bleiben. *lach*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: