Charlie und die Schokoladenfabrik (Tim Burton, 2005)

Der Nikolaus war dieses Jahr sehr gnädig mit mir, so dass ich sehr viel Süßes in mich hineinstopfen konnte während ich einem Vorweihnachtsritual frönen konnte. Jetzt habe ich Bauchschmerzen, aber bin glücklich. 

Der gute Tim und ich sehen uns nämlich in den kalten Monaten sehr oft. Genauso wie der Roald und ich. Warum also nicht beides verbinden?

Ich muss jedes Mal schmunzeln, sobald ich das erste Mal Willy Wonka sehe. Ich denke an die Präsentationsprüfung der 10. Klasse zurück. Ich philosophierte über den Spannungsaufbau in Tarantino’s „Pulp Fiction“ und hatte mir zur Zelebrierung die Frisur von Uma Thurman zugelegt. Doch mitnichten strahlte ich diese verwegende, unwiderstehliche Coolness aus. Nein, ich sah aus wie Willy Wonka und wenn wir mal ehrlich sind, ich bin Willy Wonka. Beide Willy Wonka.

„There’s plenty of money out there. They print more every day. But this ticket, there’s only five of them in the whole world, and that’s all there’s ever going to be. Only a dummy would give this up for something as common as money.“

Die Geschichte des Jungen Charlie, der in ärmlichen Verhältnissen mit seinen Eltern und Großeltern in einer kleinen Hütte wohnt und die Chance bekommt, dank dem letzten der fünf goldenen Tickets, die Schokoladenfabrik des Willy Wonka zu besuchen, dürfte bekannt sein. Es werden wunderbare, bunte Köstlichkeiten präsentiert, die es praktisch unmöglich machen während des Schauens nicht zu essen. Es werden von Beginn an alle Charaktere mit Leben und Liebe gefüllt, genauso wie sämtliche Handlungsorte, so dass ich mich zur Abwechslung nicht an CGI-Effekten störte, sondern trotzdem mich mit Herz und Kopf aus der Realität ausklinken konnte.

Besondere Sympathien hege ich übrigens für Augustus Gloop, der mit seiner Mutter als einzige, beim Willkommenssong mit den unheimlichen Puppen mitwippt. Ach, Deutsche in Filmen. Damit kann ich mich identifizieren. Rothaarig, fett, Akzent und immer eine Wurst in der Hand.

Sehr liebevoll sind auch zahlreiche Referenzen. Charlies Vater beispielsweise arbeitet in der Zahnpastafabrik der Firma Smilex.

Fast zwei Stunden menschliche Wärme mit herrlich lächerlichen Humor vergehen und diese Begeisterung, die ich seit der Kindheit versuche zu bewahren, läuft zur Höchstform auf. Diese Magie, die sich in den kleinsten Dingen finden lässt. Diese ehrliche Freude. All diese Emotionen sammeln sich, überschlagen sich förmlich und lassen mich in vollkommener Euphorie zurück. Vollkommen zufrieden mit mir selbst. 

Denn, nur weil die meisten Menschen primär an das eigene Wohl, Geld und Macht denken, bedeutet es nicht, dass man dies auch tun muss. Nur weil Konkurrenzdenken gefördert wird, bedeutet es nicht, dass es gut wäre. Auch, wenn die Startbedingungen äußerst unfair sind, bedeutet das nicht, dass man selbst unfair und rücksichtslos agieren muss. Es mag manchmal wirklich hoffnungslos erscheinen und man wird als naiver Träumer abgestempelt, doch am Ende bist du die Person, die aus freundschaftlichen und familiären Beziehungen, aus kleinen Gesten und Begegnungen und deinen kreativen Impulsen Kraft schöpfen kannst. Und diese Kraft ist unermesslich und sollte nicht unterschätzt werden.

Vielleicht wird etwas großartiges daraus entstehen.

Ewige Filmliebe

8 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Hachja, Tim und Johnny und ich = ein Traumpaar 😉 Johnny Depp ist mein All-Time-Favourite-Actor und Tim Burton neben dem geniaaalen Tarantino mein liebster Regisseur. Und dieser Film hat mal wieder gezeigt, wie großartig die beiden zusammenpassen und was für eine wunderschöne Arbeit dabei herauskommt. Aber wie du weiter oben schon sagtest: In den letzten Jahren konnte Burton leider nicht so überzeugen, bei mir hat es mit „Dark Shadows“ angefangen, obwohl da auch Johnny und sogar Frau Carter vertreten waren.

    • Die Regisseure mit Stammbesetzung können auch nur grundsympathisch sein. Ja, ich weiss nicht, der Johhny hat ja irgendwie ne fette Midlife Crisis und Tim kommt langsam in das Alter, in dem der Leidensdruck nicht mehr so vorhanden ist. Deswegen wie Tarantino einfach ein Alter festlegen mit dem man aufhört und söle sind glücklich.
      Kanntest du zu „Dark Shadows“ die Serie?

  2. Müsste beide Filme einmal sehen.
    Den Tim Burton Film habe ich zwar schon gesehen, aber es ist zu lange her.

    Dein Text ist toll geschrieben 🙂

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