Fur And Gold (Bat For Lashes)

Bat For Lashes und ich kennen uns schon seit der 9. Klasse. Besonders intensiv hörte ich die gute Natasha Khan in dem zweiwöchigen Praktikum, was man von der Schule aus ja machen musste. Ich war im Blumenladen von Freunden meiner Eltern, die nach diesen leider sehr prägenden Zeit, nicht mehr Freunde meiner Eltern waren. Ich musste mir täglich anhören, wie ungeschickt ich sei („Selbst meine zweijährige Tochter kann besser mit einem Messer umgehen.“), dass ich nicht so ruhig und schüchtern sein soll („Kein Wunder, bei der Traumtänzermusik die du da hörst.“) und mir mehr Freunde und gefälligst einen festen Freund anschaffen soll, wie normale Menschen meines Alters. 

Seit der Zeit hat sich zum Glück vieles verändert, aber die Liebe zu dem Album ist geblieben. Ich lege es jedes Jahr ein, zwei Tage vor der Bescherung auf, um in meiner herzlichen Vorfreude zu baden. Und ich lege es ein, zwei Tage nach der Bescherung auf, um in meiner bitteren Melancholie zu baden. Und es wird einfach nicht langweilig. Mein Weihnachts- und Winteralbum auf Lebenszeit.

1. Horse And I

Nur wenige Alben beginnen mit meinem Lieblingslied. Diese wunderbare Ausnahme mitsamt knisterndem Feuer und gespenstischen Tönen schafft es immer wieder meine Vorstellungskraft anzukurbeln und eine Mystik, etwas unglaublich märchenhaftes auszustrahlen, was mich mit einem sehr kindlichen Gefühl zurücklässt.

2. Trophy

Auch hier beweist die Dame einen exzellenten Sinn für Klangkulissen. Ich mag unglaublich gerne wie Songs von Bat For Lashes arrangiert sind und was für eine Dynamik sie haben. „Trophy“ gewinnt unglaublich an Intimität und Wärme durch den Backgroundsänger, dessen Magie man sich nur schwerlich entziehen kann.

3. Tahiti

Ich weiß nicht, ob es an der Instrumentierung liegt oder an meinen fehlenden Assoziationen zu „Tahiti“, aber dies ist mein ungeliebtester Song. So richtig warm wurden wir nie.

4. What’s A Girl To Do?

Ich habe in einer Kritik die Beschreibung „spinnenwebriger Pop“ gelesen und empfinde ihn als äußerst passend. Es sind sehr schöne leicht zugängliche Melodien, doch auch soviel mehr als der Einheitsbrei, der sich zumeist „Pop“ schimpft. Jedes einzelne Instrument kling einfach so gut, so echt, so dass mir das Album so dreidimensional vorkommt. Als sei es tatsächlich möglich darin einzutauchen. Wie dieser Song eben, wunderschön bunt und glitzernd, doch zugleich voller Melancholie und Düsternis. 

5. Sad Eyes

Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen nichts mit ihrer Stimme anfangen können. Ich finde, sie schafft es in jedem Song ein Gefühl zu transportieren. Und ich mag es wie zerbrechlich sie wirken kann. 

6. The Wizard

Diesen Song verbinde ich irgendwie I’m Looking Forward To Joining You Finally“ von Nine Inch Nails. Sie beide erinnern mich an sehr, sehr helle Tage im Sommer an denen jeder fröhlich war. Nur ich saß da und konnte die Wärme nicht recht in mein Herz lassen. Und was blieb war diese eigenartige Erinnerung an den Geruch von Sonne. Anders kann ich es nicht beschreiben. 

7. Prescilla

In der 9. Klasse hatte ich eine weitere unangenehme Erfahrung. Sie nannte sich Schüleraustausch und hatte mir eine eigenartige Woche in Frankreich beschert. Leider habe ich seitdem immer noch ein kleines Problem mit dem Franzosenland, aber irgendwann mache ich da Urlaub und werde mir beweisen, dass es auch nette, nicht arrogante Klischeefranzosen gibt. Meine Austauschschülerin hieß übrigens ähnlich wie dieser Song.

8. Bat’s Mouth

Mir fällt es sehr schwer kein Tränchen zu verdrücken. Und ich weiß gar nicht warum. Sind es die lebhaften Hintergrundgeräusche? Das Piano? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall bin ich bewegt.

9. Seal Jubilee

Auch dies war nie mein Favorit auf dem Album. Er wirkt irgendwie kalt und neblig, aber auch so lethargisch. Das passt zwar perfekt, wenn man durchs verregnete Berlin fährt, aber ansonsten hält mich der Song irgendwie auf Distanz. Und das empfinde ich nur selten als passend.

10. Sarah

Eine der schönsten Kompositionen des Albums. Tolle Melodie, die einen den Tag nicht loslassen wird. Dazu wunderschönen, hallenden Backgroundgesang. Je tiefer Natasha singt, desto mehr mag es. Vorallem im Kontrast zu den höher gesungen Parts. Und das kommt von jemanden, der tendenziell Probleme mit Frauenstimmen hat.

11. I Saw A Light

Das ist der Franzisong des Albums. „Horse And I“ hat mein Herz, aber „I Saw A Light“ meine Seele. Regen, Gewitter und eine simple Instrumentation, die sich von Minute zu Minute verdichtet und an Spannung und Dramatik gewinnt. Aufreibend, irgendwie schmerzhaft und doch so schön.

Musik

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