Berlinale: Queen Of Earth (Alex Ross Perry, 2015)

Ich bin ja dieses Jahr an Faulheit kaum zu überbieten und habe mir bisher ausschließlich online meine Berlinaletickets gesichert.

Desweiteren weiß ich meist schon mangels Geld nie, was sich wirklich lohnt und wähle immer nach Bauchgefühl. Ob nun wegen dem Titel, dem Regisseur oder dem Filmposter. Ganz spontan. Gestern um 22.15 Uhr eröffnete „Queen Of Earth“ meine persönliche Berlinale, den ich aufgrund der guten Elisabeth Moss in der Hauptrolle („Mad Men“) für ansehenswert hielt.

Inhalt: Zwei beste Freundinnen nehmen eine gemeinsame Auszeit in einem Haus am See. Ab und zu schaut Patrick Fugit vorbei und macht mit Katherine Waterston herum, was Elisabeth Moss nicht erfreut, da sie für die Verarbeitung ihrer Trennung und dem Suizid ihres Vaters sich Unterstützung erhofft. In Rückblenden erfährt man, dass sie ihren Freund jedoch auch im letzten Jahr mit in den Urlaub genommen hat und ganz auf ihn fokussiert war, obwohl Katherine Waterson in der Zeit primär ihre emotionale Unterstützung benötigt hätte.

Sicherlich gibt es andere Stimmen, die die Handlung anders sehen, mehr ausschmücken würden oder vielleicht viel mehr hinter der Fassade erblicken konnten, bei mir war dies leider nicht der Fall. Der Film hatte interessante Momente, an sich kompetente Schauspieler und tolle Musik, doch es wurde für mich leider kein Stück Kinomagie. Das Haus und der See an dem ausschließlich gedreht wurden wirkten irgendwie leblos, nicht echt, obwohl es sich um das Anwesen eines Verwandten des Regisseurs handelte. Auch die Beleuchtung und die Optik generell mochte ich nicht. Sie wirkt so amateurhaft. So Filmschule. Ich weiß nicht genau, an was ich dieses Gefühl manifestiere, denn bei „Das Fest“ störte ich mich beispielsweise nie an der Bildqualität. Und auch eine Drehzeit von nur 12 Tagen oder Budget von vielleicht 20 000 Dollar ist für mich kein Indiz dafür, dass es für mich ein eher holpriges Filmvergnügen war. Da ich es aber nie über das Herz bringe vor einer Fragerunde zu gehen, konnte ich wenigstens diese Fakten zur Mutmaßung verwenden und wenigstens zum Entschluss kommen, dass der Regisseur Alex Ross Perry mir durchaus sympathisch ist. Er beschrieb den Film als „ghost story without ghosts“, was ich durchaus nachvollziehen kann. Da ist eine eigenartige Grundstimmung vorhanden, die mich sehr an Horrorfilme aus den siebziger Jahren erinnerte (Er erwähnte noch Polanski als Einfluss.) und ab und zu auch an „Persona“ von Ingmar Bergman, aber leider nur als Referenz anstatt selbst solch eine Wirkung zu erzielen.

Es ist auch schön, wenn der Regisseur die verwendete Schrift auswählt, weil er sie schön findet und den Film in verschiedene Tage gliedert, weil ihn das an „Shining“ erinnert, es aber wie er sagt, eigentlich keinen Sinn ergibt. Es ist schön, wenn der Regisseur und Drehbuchautor sich für „broken women“ interessiert und sein „main topic“ „privacy & entitlement“ ist, wir zahlreichen Nervenzusammenbrüchen der Hauptdarstellerin beiwohnen dürfen und die Dialoge irgendwo zwischen total banal und hochphilosophisch anzusiedeln sind. Doch am Ende ist man nicht berührt.

Ich weiß nicht, was Alex Ross Perry mit diesem Drehbuch sagen wollte. Innige Freundschaften zwischen zwei Frauen haben durchaus etwas sehr spannendes, nicht greifbares, oftmals destruktives, worüber ich auch oftmals sinniere und auch psychische Erkrankungen sind es wert enttabuisiert zu werden. Alles aber irgendwie oberflächlich zu vermengen, gibt mir nicht das Gefühl, dass hier jemand wirklich die Intention hatte, etwas was ihm am Herzen lag auszudrücken und darauf aufmerksam zu machen.

Kinowoche

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