Senza Fine: Venedig Part 1

Im Dezember trafen sich zwei Herrschaften nach langer Zeit wieder und verbrachten einen schönen, gesprächigen Vorweihnachtsnachmittag. Unergründlicherweise waren sie kurz bevor eine der beiden gehen musste auf der Internetseite von Easyjet gelandet. Dort stießen sie auf einen Flug nach Venedig für 42 Euro. 5 Minuten später war alles gebucht. Das passiert, wenn zwei impulsive Teilzeiteskapisten aufeinanderprallen. Und ja, ich kann offiziell verkünden, dass die erst der Anfang war.

Mittwoch, 14. Januar

Die Nacht verlief relativ schlaflos, da wir beide viel zu aufgedreht waren, dank meiner tollen Idee vor dem Einschlafen die Bluray von „The Lego Movie“ einzuweihen. Doch wir waren trotz frühem Aufstehen fit, sangen ständig „Everything Is Awesome“ und wurden netterweise von meinem Dad (der mich einen Tag zuvor tatsächlich darum gebeten hat, dies tun zu dürfen. Einfach goldig, dieser Kerl.) zum Flughafen gebracht. Das erste Mal im Leben musste ich dann durch die Gebäude hetzen, da wir uns ein wenig mit der Zeit verkalkulierten. Da wir nur Handgepäck mit uns führten, war ich ein wenig nervös, ob alles nach Plan verlaufen würde. Wir hatten nämlich die Verpflegung der ersten Tage mitgenommen, um Geld zu sparen. Doch alles verlief so wie befürchtet. Nach dem Scherzen mit der einen Mitarbeiterin, die von meiner zweifarbigen Jeans fasziniert war, mussten wir beide unsere Koffer öffnen. Melly hatte die veganen Aufstriche, die von dem inspizierenden Mitarbeiter äußerst angewidert angeschaut wurden, aber nach einer Ermahnung allerdings doch die Reise fortsetzen durften. Wahrscheinlich hatte er Angst und wollte sie nicht den ganzen Tag in seiner Nähe wissen. Ich hingegen hatte neben ein paar Aufstrichen auch ein Marmeladenglas dabei, allerdings zur Ablenkung, was exzellent funktionierte. Mein stumpfes, aber für die Reise elementares Brotmesser interessierte nämlich dadurch niemanden. 

Nach dem Flug ergatterten wir für die 7 Tage eine Fahrkarte für 60 Euro und den Museumspass für um die 30 Euro und fuhren gen Venedig, um dort mit dem Wasserbus auf die unterhalb liegende Insel Lido zukommen.

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Ich habe natürlich ohne es zu bemerken, alles falsch gemacht, was man so falsch machen kann. Angefangen mit der Unfähigkeit die Karte an den Scanner zu halten bis hinzu dem Versagen des Türöffnens (Danke an der Stelle an die freundliche, italienische Oma.) und dem absoluten Fauxpas des Setzens auf die reservierten Plätze der Schwachen, Schwangeren und Alten. Ab dem zweiten Tag schon transformierten wir uns zu typischen Deutschen und tadelten eben jenes Verhalten bei anderen Touristen. Erschreckend, wie klischeehaft man doch ist. Jedenfalls im Ausland.

Da es mit dem Couchsurfing nicht klappte, buchte ich ein Zimmer. Pro Person je 83 Euro für 7 Tage. Das einzige Hotel in dem Preissegment, so dass wir keinerlei Erwartungen hegten. Und dafür war es erstaunlich gut. Wenn man die nicht vorhandene Wärme mit der Pulloveranzahl ausgleicht und nicht auf die Idee kommt im Bett zu essen. 

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Man beachte die Wasserflasche, die geschickt als Tamponbehälter verwendet wurde.

Nach der Stärkung ging es auf zur Inselerkundung. Es war zwar etwas grau, aber wir hatten die ganze Woche keinerlei Probleme mit Regen, Hochwasser oder Nebel.

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Romantisches Muschelsammeln am Strand.

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Kung Fu mit Franzi.

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Man weiß nicht, was es ist.

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Der Beginn eines Running Gags. Was viele nicht wissen, das ist eins der zahlreichen Häuser von Tim Burton. Und was noch wenigere wissen, daneben findet man immer ein weniger imposantes Heim, wo Mike Patton wohnt. Ja, wirklich. Man glaubt es kaum.

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Donnerstag, 15. Januar

Am Donnerstag legten wir gleich mit dem typischen Touristenprogramm los. Markusplatz, Dogenpalast und entspanntes schlendern durch die Straßen mitsamt Kaufrausch. Begonnen hatte der Tag allerdings besinnlich in einer Kirche, da Melly am Abend zuvor von einem Todesfall in der Familie erfuhr und mich bat, dies morgen früh mit einzuplanen. (Ich war nämlich die Tagesplanerin, wohingegen Melly dafür sorgte, dass wir dort auch tatsächlich ankamen, was selbst mit Karte nicht meine große Stärke ist.) 

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Hätten wir uns nicht ständig über die „white party“ beömmelt, hätte wir nicht erst zwei Tage vor Abreise bemerkt, dass direkt neben dem Hotel ein Supermarkt , versteckt hinter dem Modegeschäft, ist.

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Kein Tag verging, an dem ich die Selfiestickmänner/frauen nicht ausgelacht habe. Es sieht albern aus und fordert nicht zur Kreativität heraus. Wir haben für unsere Selbstdarstellung hart gearbeitet und getüftelt.

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Hier haben wir ein sehr altes Exemplar der trendigen Penismütze. Und ja, eine große Leidenschaft meinerseits ist nicht nur das Besuchen von Museen, sondern auch das Philosophieren über die Ausstellungsstücke, was aber irgendwie immer im Lachkrampf meiner Begleitung mündet. 

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Jahrelang war es nur eine heimliche, zarte Zuneigung zu kompetentem Schuhwerk, aber meine Abneigung gegen alles, was nur entfernt an Springerstiefel erinnert kam mir immer wieder dazwischen. Doch dieses an Budapester erinnernde Muster und die rote Farbe, die im Lichte herausscheint, hatten es mir angetan. Heruntergesetzt waren sie auch noch, doch die Wahrscheinlichkeit eine Schuhgröße 42 dort zu finden, schätzte ich als gering ein. Doch dann kam unser Themesong, der seitdem das Zeichen dafür ist, dass es okay ist, in den Laden zu gehen in dem er läuft. Leider behielt ich recht, aber ich probierte einfach die vorhandene 41 an, die tatsächlich passte. Das Einlaufen verlief trotzdem blutig.

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Und ich musste natürlich auch im Disney Store zuschlagen. Zwar war es damit nicht mehr möglich Platten zu kaufen, da diese niemals meine Stopftechnik überlebt hätten, aber dieses riesige, flauschige Perry ist seitdem der Sonnenschein meines Lebens. Und wie man sieht, interessiert er sich auch wahnsinnig für Literatur.

Freitag, 16. Januar

Am Freitag haben wir unsere Strebertage begonnen und standen früh auf. Natürlich zu „Uptown Funk“. Wir lieferten uns Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Asiaten, die anscheinend immer dieselben Ideen hatten wie wir und immer am selben Ort anzutreffen waren. Geplant war zuerst die Insel Murano, wo wir allerdings feststellen mussten, dass das Glasmuseum bis Februar geschlossen hatte. So ging es weiter zur nächsten Insel namens Burano, wo wir ins Spitzenmuseum wanderten. Hinein folgte uns kein Asiat. Haben wohl keinen Sinn für filigrane Handarbeit. 

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Mittag auf Burano kurz vor dem Angriff der Todestauben.

Da die Fahrzeit von Lido bis zu den Inseln fast 50 Minuten betrug und mir immer bei der ersten Schifffahrt des Tages leicht übel wurde, waren wir ein wenig fertig, fassten aber neuen Mut und fuhren zurück in die Innenstadt. Dort liefen wir zufällig in die Fondazione Querini Stampalia, die auch zu den 11 Museen gehörte in die wir mit dem Pass hinein konnten. Zuerst im Unklaren, was wir uns eigentlich ansehen werden, wurden wir in dem Hausmuseum, wo Gemälde und ganze Zimmereinrichtungen vergangener Zeiten authentisch hergerichtet waren, von einem älteren Mitarbeiter herzlich empfangen und auf den rechten Pfad geführt. Wir rollten das Feld nämlich erst von hinten auf. So fragte er uns nach unserer Herkunft, gab uns die Raumbeschreibungen auf Deutsch und ließ uns Platz nehmen im ersten Raum, wo „Presentation at the Temple“ von Giovanni Bellini ausgestellt wurde. Sichtlich erfreut uns über das Bild unterhalten zu hören, ging er wieder zu seinem Posten und verabschiedete uns später liebenswürdig. 

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„Hello, is it me you looking for?“

Immer noch nicht an den Rhythmus der Italiener angepasst, gingen wir danach vollkommen ziel- und planlos durch die dunklen Gassen und inspizierten die wieder aufmachenden Läden. Wir gelangten zu dem Buchladen, zu dem Melly eh wollte und verharrten dort eine Weile. Ich kaufte ein Bild für meine Eltern, eine grimm’sche Illustration und ein Lambrettaposter für mich. 

Im Hotel wartete eine schöne Überraschung auf uns, da die Putzfrau unser Tellerersatz-Handtuch ins Bad für die Füße hingelegt hatte und sich darunter und darüber Ameisen sammelten und langsam auch gen Bett zogen. Ich habe sie mit einem Föhn in Schach gehalten, während Melly das Handtuch auswusch und die restlichen, im Raum verteilten Krümel eliminierte. Für die restlichen Tage wurden wir sie nie vollkommen los, aber italienische Ameisen sind deutlich sozialer, dem Lebensgefühl dort angepasst und stehen erst Stunden nach dir auf und machen immer fein eine Mittagspause. Also absolut pflegeleichte Haustiere.

Samstag, 17. Januar

originaler Tagebucheintrag des Tages:

Museum für’s 18. Jahrhundert. Palazzo Mozenigo. Naturkundermuseum. Museum für moderne Kunst und „Oriental Art“. Zum Nachtisch Böhmermann. Und „On The Road“.

img030bJa, ich musste bei dem Wort in der gelben Leiste lachen. 

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Im Naturkundemuseum, was mit Abstand das tollste war, haben wir auch unsere fischigen Äquivalente gefunden. Melly rechts, ich links. Ganz klar.

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Melly ganz traurig, da sie Roy nicht mit nachhause nehmen darf.

Friedl On Tour

15 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Wie gut! 😀 Ich bin begeistert von eurem Tach-Chi-Fu-Dings, von eurer unterhaltsamen Verplantheit und natürlich von den Haustieren. Werde mir überlegen, auch italienische Ameisen zu importieren, wenn die so pflegeleicht sind. Vielleicht verstehen sie sich ja ganz gut mit meinen Silberfischen? Die sind auf jeden Fall auch sehr gechillt … ^^

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