Berlinale: Kurt Cobain – Montage Of Heck (Brett Morgen, 2015)

Ein junger, aufgedrehter Mann wirbelt vor der Kamera herum mit den wunderbaren Worten „Party on, Wayne!“ auf den Lippen und schafft es schon in den ersten Sekunden des Filmes mein Herz zu brechen. Die darauffolgenden 132 Minuten waren da kaum schmerzlindernder.

Man spürte sofort, dass dies keine stumpfe Abhandlung des Lebens eines Musikers ist, keine Glorifizierung und kein Treffen von Bands, die über die gute alte Zeit resümieren. Kein Dave Grohl (aus Zeitgründen, da er erst kurz vorher zum Gespräch geladen wurde und das Material noch nicht hineingearbeitet werden konnte) keine Ausschlachtung der Todesumstände, nur die Eltern, die Schwester, die Jugendliebe, die Witwe und Krist. Letzterer  hatte mich mit seinen traurigen Augen in Kombination mit den Kindheitsaufnahmen von Kurt emotional echt fertig gemacht.

Ungesehene private Aufnahmen, Auszüge aus Tagebüchern und Demos wurden so hypnotisch vermengt und visuell durch gezeichnete und animierte Passagen unterstützt, dass man wie selten bei einer Dokumentation einem Stück eigenständiger Kunst beiwohnt.

Und zum allerersten Mal in meinem Leben konnte ich diesen enormen Druck auf eine Person nachempfinden, die zum Sprachrohr einer gesamten Generation gemacht wird, von der so viel erwartet wird und die für so viele Menschen bis heute eine Projektionsfläche bietet.

Und nicht zum ersten Mal musste ich einen Moment miterleben, der so unfassbar ärgerlich ist. Talentierte, tolle Menschen in einer Verfassung zu sehen, in der sie nicht sie selbst sind. Vollkommen vernebelt und nicht fähig mit der geliebten Tochter zu interagieren, ausgemergelt und apathisch. So unerträglich mit anzuschauen, dass es mir danach äußerst schwer fiel nicht nur noch wütend zu sein. Wütend auf die Eltern, die ihre Verpflichtungen gegenüber ihrem Kind nicht erfüllten. Wütend auf die ach so engen Freunde. Wütend auf die Person, die ihn am meisten liebte. Einfach wütend, dass niemand intervenierte.

Kinowoche

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