Frnkiero Andthe Cellabration. in der Berghain Kantine (04. Mai 2015)

Ja, man glaubt es kaum. Ein vollkommen verspäteter Artikel über ein längst vergangenes Ereignis, aber ein Lebenszeichen abseits des Media Mondays oder Blogparaden. Ein Schritt in die richtige Richtung also. Ich bemühe mich. Wie eine weise Freundin immer meint: Mühsam hangelt sich das Eichhörnchen. Anfang Mai hatte ich einen spontanen Anfall von Nostalgie. Mein Liebling von My Chemical Romance ist derzeit nämlich mit seinem Soloalbum auf Reisen und da ich dem Werke durchaus etwas abgewinnen kann, wollte ich mir das aus nächster Nähe anschauen. Mein Lieblingsphysiker (Schinken!), der eigentlich sich mit Tontechnik beschäftigt, begleitete mich. Gesegnet sei sein Hirn. Denn ich hatte ihm vor einer Weile einen Clip vom Frank präsentiert, was ihn nicht gerade begeistert zurückließ, was aber 10 Minuten später vergaß. So ist er einfach zu einer (für ihn) unbekannten Band mitgekommen.

Ich kann ihm nicht genug danken, schließlich hatte ich diesmal meine einzige Regel gebrochen und war tatsächlich so spät am Automaten, dass wir die erste Vorband nicht in vollen Zügen genießen konnten. Ich schäme mich bis heute, auch wenn mein Grund (wahnsinnige, impulsive Geschenkaktion) nobel war.11149674_10200523906938259_5144547749391948231_o

Und was gibt es so zu vom Konzert zu berichten?

Zuerst einmal hatte ich Recht, was ja zunächst wundervoll ist. Als wir nämlich die Kantine betraten, waren 95 Prozent des Publikums weiblich und scheinbar niemals aus der Pubertät entwachsen. Ich kann somit bestätigen, es gibt tatsächlich noch Emos. Ich habe sogar Leute mit Stulpen gesehen und fast aus nostalgischen Gründen spontan umarmt. Wer hätte gedacht, dass man diesen Jugendtrend mal vermisst. Sie sind mir dann doch lieber als der Einheitsbrei, der sich jetzt Jugend schimpft und Palmen auf dem Kopf mit Longboard spazieren fährt. Und nicht mal die Musik hört, die sie auf ihren Oberteilen tragen.

Da wir keine Garderobe ausmachen konnten, hatte ich ein Mädchen angesprochen, die an der Wand saß und dort ihre Sachen aufbewahrte, ob ich meine Tasche einfach daneben stellen könnte. Es stellte sich heraus, dass sie Polin war und meinem Gebrabbel nicht folgen konnte, so dass ich sie nochmal auf Englisch fragte und sie peinlich berührt und sehr schüchtern bejahte. Ich meinte noch zu ihr, dass ich auch nicht verlange, dass sie auf die Tasche aufpasse oder so, sie einfach das Konzert genießen solle. Ich hab immer mal wieder während des Konzerts zu ihr geschaut und bemerkt, wie sie doch kompetent alles sicher gestellt hat. So eine goldige Erscheinung.

Zur ersten Vorband Axis Of kann ich nicht allzu viel sagen, außer dass sie mich an Biffy Clyro stilistisch erinnerten und sie definitiv Spaß hatten. Sie klangen live auch ganz nett, im Gegensatz zu dem Material, was ich mir auf Youtube zu Gemüte geführt hatte. War mir persönlich zu glatt und beliebig.

Die zweite Vorband war The Homeless Gospel Choir, bestehend aus einem Kerl mit Akustikgitarre. Er wirkte bei der Ankunft wie ein kleines, dickes Hortkind, aber sobald er den Mund aufgemacht hat, hat sich der geamte Raum mit seiner Präsenz gefüllt. Das habe ich noch nie vorher erlebt, wie jemand (für den die Zuschauer primär nicht anwesend sind) es schafft, innerhalb kürzester Zeit ALLE Anwesenden in den Bann zu ziehen. Und dabei war dass, was er fabriziert hat, nichts innovatives. Ein Typ, der über Persönliches, über Ungerechtigkeiten und das Leben singt und sehr viel in den Pausen dazwischen redet. Er hatte also absolut das Predigergen. Doch man hatte kein ekliges Bonogefühl, sondern fühlte sich angesprochen, auf eine ehrliche Art und Weise. Man fühlte sich mit den anderen verbunden, so im Außenseiterdasein. Da musste ich natürlich das Album kaufen. Und zwang den Herrn gleich noch mir etwas auf das Cover zu malen. 

Als wir danach auf den Hauptact warteten, wurde Ellis von einem Geschlechtsgenossen angesprochen, der sich dann zu uns auf den Boden setzte, mich aber galant ignorierte. Das passiert mir übrigens häufiger. Sollte Sozialstudien dazu beginnen. Jedenfalls lauschte ich dem Gespräch und schoss mich dann endgültig ins Aus, als ich meinte, dass ich nicht glaube, dass es sehr abgehen wird, weil fast nur Weiber da seien. Ich gebe zu, „Weiber“ ist jetzt nicht unbedingt ein feines, feministisches Wort, aber ich habe trotzdem Recht. Klar, man könnte jetzt anfangen über Rollenbilder und Erziehung zu philosophieren, die anscheinend dazu führen, dass einige/viele/ein/sovielewiedeinerErfahrungentspricht weibliche(s) Wesen Probleme damit haben/hat zu aggressiverer Musik mehr zu tun, als perfekt auszusehen oder den Künstler anhimmeln. So als würden sie sich nicht trauen, sich einfach nur auf die Musik zu fokussieren und sich davon treiben zu lassen. Also, Gesellschaft ist schuld, nicht ich. Habe ich dem doofen Mathestudenten aber nicht gesagt. Wäre mir zu anstrengend gewesen. 

Außerdem kam dann der kleine, wirklich niedlich anmutende Frank mit seiner Band auf die Bühne. Auf Albumlänge konnte mich ja das Kindergeburtstagsgeschrammel ja vorher nicht ganz überzeugen, einfach weil ich es nicht gut produziert finde. Live hingegen hat mir das sehr viel Spaß gemacht. Zum Glück war Ellis da, so hatte ich wenigstens einen zum zelebrieren. Okay, ich gebe zu, ich habe ihn auch öfter als Rammbock verwendet, um den doofen Studenten aus der Bahn zu werfen. Kann man es mir verübeln? Nein. Schließlich studiert er Mathe. 

Ich hatte übrigens noch genau noch soviel Geld, um mir „Stomachaches“ auf Kassette zu holen. Das Format finde ich übrigens perfekt für das Album, eben weil es ansich klingt, wie ein totgespieltes, rauschendes Etwas. Hat die Kassette jetzt also ein Revival? 

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Musik

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