Rock im Revier 2015 (Part 1)

Ich bin ja leidenschaftlicher Sammler von Erstlingsfestivals. Das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Ich persönlich gehe immer nach dem Line-Up. Deswegen mochte ich beispielsweise das Greenville Festival, auf dem ich 2012 und 2013 war. Das Problem war allerdings, dass aufgrund der Nähe zu Berlin und dem bunten Potpourri an Musik, die wenigsten vor Ort gezeltet haben. Die meisten hatten Tagestickets, wodurch im Prinzip jeden Tag ein vollkommen anderes Publikum anwesend war. Diese Umstände sind irgendwie mein ständiger Begleiter. Nachdem Ellis, Lene, Leah, Keshia und ich unsere Karten für das Nachfolgefestival auf dem Nürburgring gekauft hatten, kam es nämlich wieder zu Schwierigkeiten, so dass das erste „Grüne Hölle Rock“ nach Gelsenkirchen verlegt wurde und den Titel „Rock im Revier“ erhielt. Auch mir graute es bei der Aussicht, vom Zeltplatz zum Fußballstadion zu pilgern. Das ist wahrlich keine Festivalatmosphäre. Dennoch war ich frohen Mutes, denn ich wusste ja, welche Pappnasen mit mir Zeit verbringen würden und welche positiven Nebeneffekte ein wahrscheinlich desaströs organisiertes, erstes Festival haben kann.  

Donnerstag, 28.05.2015

Ein Teil der Gruppe wollte schon gegen Mittag in Gelsenkirchen ankommen, so dass der Rest sich auch entschied einen Tag vor Beginn anzureisen. Seit der Buchung der Bahntickets hatte ich mich gefreut, dass wir gegen 23 Uhr dazustoßen würden. Einfach nur, weil es nichts schöneres gibt, als die Vorfreude, jemandem bei Zeltbau im Dunkeln zuzuschauen. Darauf hatte ich mich wirklich seit Monaten gefreut. Und dann hatten Lene und Ellis einfach so heimlich vorher geübt. Das war absolut ernüchternd. Wenigstens hatten wir coole, mittvierziger Nachbarn.  Kai und Dirk, wir lieben euch!

img095Mein Bahnfahr-Kunstwerk

img072Die Verwegenheit in Person. 

img073Kuschelstimmung bei Franzi

img074Oder auch nicht.

Freitag, 29.05. 2015

Für mich persönlich war der erste Tag der wichtigste, da Faith No More spielten. Deswegen war ich an dem Tag auch am aufgeregtesten. Leider hatten wir auch mit dem Wetter nicht unbedingt Glück, so dass wir nur halb so viel Zeit gemeinsam auf dem Zeltplatz verbringen konnten, wie wir wollten. Beide Zeltteams mussten auch feststellen, dass die jeweilige Unterkunft an gewissen Stellen nicht wasserdicht sind. Doch die eigenen Ansprüche passen sich schnell den Gegebenheiten an. Ich habe ab dem ersten heftigen Regenschauer einfach hingenommen, dass ich einfach um die Pfützen herum schlafen muss. Quasi in S-Form. An dieser Stelle möchte ich nochmal auf die ungläubigen Gesichter hinweisen, als ich bei der Vorbereitung mehrfach darauf hinwies, dass das gute Panzertape unser treuster Gefährte werden wird und deswegen ausreichend vorhanden sein sollte.  Es gab schon Festivals, wo dank diesem magischen Band BHs wieder zusammengeknüppert werden konnten. Ich bin ein Fan. Seit dem Rock im Revier übrigens auch von Baked Beans. Ich konnte mit der Konsistenz nie etwas anfangen, aber dort schmeckte es auf einmal. Bis heute. 

img075„Der Boden ist nass. Setze ich mich halt auf Franzi.“ – Gedanken eines Lenes

Erfreulicherweise hatte ich bei diesem Festival keine körperlichen Beschwerden und kam morgens erschreckend früh und gut heraus. Diese Freude teilte ich natürlich mit den anderen, hatte ja extra ein Festivalmix angefertigt, mit dem ich alle auf voller Lautstärke (was jetzt nicht ohrenbetäubend bei einem Mini-Lautsprecher ist) dann beschallte. Ich hatte alles mögliche darauf, primär Bands aus dem Line-Up. Doch wurde ein kleiner, den meisten unbekannter Song, der Themesong des Events. 

img076Nachdem wir ausufernd dinierten, ging es zum Shuttlebus. Auf dem Gelände gelandet, waren wir uns noch nicht ganz schlüssig, wo wir hinwollten. Eigentlich wollte ich mir …And You Will Know Us By The Trail Of Dead anschauen und mich ein wenig treiben lassen, bis um 18.30 Uhr meine liebsten Herren in Weiß auftreten würden. Ein Blick auf die spärlich besuchte Hauptbühne genügte mir allerdings schon, um mich keinen Millimeter mehr fortzubewegen. Ich meine, ich würde niemals freiwillig mein Geld an Lars Ulrich geben, aber wenn man die Chance hat sehr weit vorn bei Metallica zu stehen, dann nutzt man die auch. Außerdem war der Weg zu den anderen Bühnen einfach zu weit, wie sich am nächsten Tag herausstellen sollte. So wohnte ich dem kompletten Programm der Hauptbühne bei.

Exodus waren ganz nett. Kann mich an keinen einzigen Song erinnern, nur an viele Fäuste, die immer wieder begeistert nach oben emporragten. Ich habe fasziniert die zahlreichen Kutten begutachtet. Und mich danach gefragt, warum eine Band Kleidung trägt, auf der ihr Logo zu sehen ist. Ist das noch Punkrock?

Danach folgten Hatebreed, die mir mehr Spaß bereiteten. Keine ausufernde Gitarrenarbeit, sondern einfach eins auf die Nuss. Und sogar ein kleines Ohrwürmchen entstand.

Vielleicht bin ich bei Thrash Metal auch einfach zu wählerisch. Testament waren zwar grölbar, die Bühnendekoration evil as hell und der Gitarrist hat eine feine blonde Strähne im schwarzen Haar, aber ich weiß bei den Songstrukturen (die irgendwie immer gleich sind) nicht recht was ich machen soll. Im Takt mit irgendwas mitwippen ist jedenfalls schwer. Vom Headbangen würde mir übel werden. Hartes Schicksal eines Franzis. Trotz alledem bin ich noch total Rock.

Das war der schockierenste Moment des Festivals. Dieser Auftritt war von vorne bis hinten furchtbar. Ich schwöre, es war am Anfang Playback. Jedenfalls klang Frau Sängerin so.  Ich konnte da zeitweise nicht hingucken, weil ich mich so fremdgeschämt habe. 

Nach dem Gothicgejaule (Warum sind diese romantisch-düsteren Bands eigentlich so nah am Schlager? Vorallem, wenn Deutsche wild im „Takt“ klatschen? Eine Stadl-Panikattacke meinerseits resultierend.) gesellte ich mich kurz an die Seite zu Lene, die wie an jedem beliebigen Tage in ein Gespräch mit einer fremden Person verwickelt war. Es reicht schon, nur kurz auf Toilette zu gehen. Wenn man wieder kommt, hat sie mindestens einen neuen Freund. Sie behauptet übrigens, sie würde aktiv nicht flirten. Ellis und ich haben uns nur beömmelt. Sie hatte zu JEDER Band jemanden männliches neben sich, der sie bestens unterhielt. Vor Faith No More kamen zu ihrem auserwählten Stück Erzieher noch Freunde hinzu, die wie gefühlt alle vor der Bühne nur für Metallica angereist waren. Während Lene sich anhören durfte, wie eine der Anwesenden vor Jahren Rock am Ring während ihrer Regelblutung überstand und auch noch hilfreiche Tipps hatte, bewegte ich mich Richtung Mitte. Die Dame hatte eh schon verloren als sie den Mund aufmachte und sagte, sie kenne Faith No More nicht (was vorkommen kann), die aber auch bestimmt scheiße wären (sind ja schließlich nicht Metallica).  So konnte man leider den allgemeinen Besucher an dem Tag verallgemeinern. Und das hat die Stimmung enorm heruntergezogen. Leider hat man Faith No More, die schon einige Shows vorher für Metallica eröffnen mussten, auch angemerkt, dass sie damit nicht recht glücklich sind. 

backstage before Metallica

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Da kann ich absolut nachvollziehen, dass die Herren reserviert und verhalten wirkten. Wir, die paar Hanseln in der Mitte, hatten aber trotzdem ein feines Erlebnis. Ich war jedoch sehr erleichtert, dass nach dieser ersten Darbietung der neuen Songs, jedes weitere Konzert von Faith No More eine Steigerung war. Und ich konnte endlich einen Blick auf eine andere Kutte erhaschen. Bei den meisten sind nämlich immer dieselben drei, vier Band darauf. Auf dieser prangten aber Aufnäher von Björk, Nine Inch Nails, Depeche Mode, Faith No More usw. Mein neuer bester Freund! Groß, breit, Glatze und buschigen Bart. Ich meinte trotzdem zu ihm, dass er meine ganzen Lieblingsbands anhat. Da drehte sich dieses bärige Stück Mann zu mir und meinte, dass er dort nur Künstler verewigt, die ihn live sehr bewegt haben. Er hatte die freundlichsten, sensibelsten Augen der Welt.

Danach war ich schon ziemlich fertig. Und dann auch noch ziemlich verwirrt von den vielen Menschen, die auf der Bühne standen. Und für die nächsten Stunden da auch stehen blieben.  Wenn es sich, um gewonnene Plätze etc. handelt, fand ich die Aktion von Metallica sympathisch. Wenn diese Menschen aber dafür sehr viel Geld ausgeben mussten, um hinter der Band zu stehen und ab und zu mal im Vorbeigehen angeschaut zu werden, dann finde ich das widerlich und würde die Schuld ganz allein Lars Ulrich zusprechen. Wer mehr weiß, soll dies bitte mitteilen. Würde mich echt interessieren. Jedenfalls war die Band gut aufgelegt, Kirk bezaubernd wie eh und je, Lars hässlich wie die Nacht. Wir waren allesamt zufrieden. Nur die Playlist (die echte Fans wohl genial fanden) wäre auch ohne die ganzen langen Stücke ausgekommen. Stattdessen dreimal „Ride The Lightning“ hintereinander und ich wäre jetzt Hardcorefan. 

Und so ging unser erster Tag des Festivals zuende. Und eigentlich wollte ich schriftlich weniger ausufern. Jetzt muss ich es doch in zwei Teile teilen. Ich bin müde.

To be continued…

Musik

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