Lollapalooza Berlin: Sonntag (13. September 2015)

Seit dem ersten Teil der Reise, hat Arte tatsächlich noch einen Mitschnitt von Deichkind aus dem Hut gezaubert. Exzellent.

Der Sonntag verlief weitaus entspannter für uns, da zum einen die Sonne in angenehmen Dosen schien, ich aus meinen Fehlern lernte und mit einem hochgeschlossenem Kleid samt Jeans meine Gingerhaut vor weiteren Malträtierungen schützen konnte. Desweiteren hatten wir den Lollapalooza-Lifestyle perfekt adaptiert und gönnten uns mehr Zeit in der Vertikale, nahmen uns mehr zu trinken mit und gaben viel zu viel Geld für Essen aus. Sogar ein kleines Nachmittagsschläfchen war für meine Herrschaften drin. Ich war natürlich das Kissen. Welches lange Elend sonst.

Während also auf mir geschlafen wurde, beobachtete ich das Treiben, hatte einen erneuten Hot-Chip-Moment und lachte innerlich alle aus, die sich zur unpassendsten Zeit bei den Toiletten anstellten. Denn anstatt sich ständig über die achso furchtbare Organisation aufzuregen, haben wir uns an sehr simple Regeln gehalten:

  1. Sei so früh wie möglich auf dem Gelände. Dann gibt es keine große Wartezeit am Einlass, man ist weniger genervt und kann für sein Geld mehr Bands begutachten.
  2. Gehe vor 16/17 Uhr auf Toilette oder warte bis 20 Uhr, wenn du genauso ungeduldig bist, wie ich und nichts verpassen magst.
  3. Wenn du Hunger hast, dann halte Ausschau nach der Fressbude, die keine meterlange Schlange hat. Das bedeutet meist nicht, dass das Essen unbeliebt ist, sondern das gerade Nachschub produziert wird und man mit etwas Geduld, wenigstens als erstes frisch bedient wird. Besser als 30 Minuten für Pommes anzustehen.
  4. Wenn du auf was konkretes Lust hast, beispielsweise Nachos, dann plane die Beschaffung als erste Amtshandlung am darauffolgenden Tage. (Deswegen Zeit am ersten Tag mitbringen, um alles zu erkunden und sich seiner Sucht bewusst werden.)
  5. All you need is love.

Es gab allerdings eine Sache, die ich wirklich ärgerlich fand: Die Running Order bzw. der zeitliche Ablauf. Aufgrund von Komplikationen war es mir leider nicht möglich die Chrystal Fighters zu erleben, weil wir dann bereits zur anderen Bühne hechten mussten. Das kann passieren. Technik halt. Oder was auch immer vorgefallen war. Die Running Order an sich war so eng bemessen, dass man keine Wahl hatte und bei weniger wichtigen Bands 20 Minuten früher abhauen musste, um bei einem anderen Act auf einer anderen Bühne (der genau dann beginnt, wenn der andere endet) einen Platz im vorderen Getümmel zu ergattern. Da erhoffe ich mir für nächstes Jahr vielleicht einen kleinen 15-Minuten-Puffer. Nichts ist schlimmer als tausende Menschen, die panisch auf die Uhr schauen, damit sie ja nichts verpassen. Da hatte ich oftmals ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Künstler. Dennoch war das Erlebnis schöner, als ich durch meine Vorurteile befürchtete. Hatte ja auch meine Lieblingspappnasen dabei. Nächstes Mal aber bitte mehr Leute und Bands, die rocken können.

Nun zur Musik.

<> live on stage during the second day of the Lollapalooza Berlin music festival at Tempelhof Airport on September 13, 2015 in Berlin, Germany.

Begonnen hatten wir den Tag mit Pond, was mir sehr viel Freude bereitete. Passte perfekt zum Wetter, zur Uhrzeit und ich war kurz davor auf die Bühne zu stürmen, um mir die Klamotten zu stibitzen. Außerdem konnte ich einen Blick auf das wahrscheinliche Publikum bei Tame Impala erhaschen und Korrekturen an meiner Vorstellung (Hipster, Stoner & Musikkritiker) vornehmen. Das war lustig.

Wolf Alice wirkten etwas uninspiriert und gelangweilt. Ich hatte eigentlich nur positives von der Band gehört, war dann aber ein bisschen enttäuscht. Beim Zuschauen ist uns aufgefallen, dass wirklich wenige Musikerinnen auf dem Festival vertreten sind. Auch da hoffe ich auf eine Optimierung.

<> live on stage during the second day of the Lollapalooza Berlin music festival at Tempelhof Airport on September 13, 2015 in Berlin, Germany.

http://concert.arte.tv/de/wolf-alice-lollapalooza-berlin-2015

<> live on stage during the second day of the Lollapalooza Berlin music festival at Tempelhof Airport on September 13, 2015 in Berlin, Germany.

Danach pilgerten wir zu einer wirklich wichtigen Band, die ich unbedingt sehen wollte. Beziehungsweise die 14-jährige, sehr sehr traurige Franzi, die die Lyrics von „Millstone“ in ihr Tagebuch kritzelte, wollte sie unbedingt sehen. Die Setlist war leider zu kurz, aber perfekt. Die Musiker waren so süß untereinander, vor allem als es mit der Nebelmaschine etwas übertrieben wurde und ich stand neben einem Asiaten, der echt alles körperlich gegeben hat, um die Band lobzupreisen. Leider folgten nicht viele unserem Beispiel. Definitiv eine Clubband, die ich nur mit Gleichgesinnten teilen mag. Hoffentlich bald. 

http://concert.arte.tv/de/brand-new-lollapalooza-berlin-2015

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Nachdem ich mich also emotional verausgabte, kam nochmal die Sonne heraus, wir dinierten und lagen vor den Stereophonics herum, die sich hervorragend als Hintergrundmusik eigneten. Herrlich entspannend. Leider wurde mein insgeheimer Wunsch nicht erfüllt, sonst hätten sie nämlich dieses Cover gespielt:

Doch auch ohne diesen Song, war die Hälfte aller Anwesenden dem Herrn Sänger verfallen und alle machten rum.

Nein, quatsch.

Nur die ganzen garstigen Paare.

Zur erneuten Fütterungszeit eines Lenes, musste ich ihr den Mund verbieten. Schließlich führte die Stärkung zur Hyperaktivität und dann zur Müdigkeit (wohl Schockverhalten). Selbst zu Boden war ich hingegen vollkommen verzaubert von My Morning Jacket. Und ich wusste gar nicht warum. Der erste Song begann und hatte sofort Einfluss auf meine Emotionen. 

488035306Wir wissen alle, dass die Jacke mir dann den Rest gab.

488035306Und das Hemd.

http://concert.arte.tv/de/my-morning-jacket-lollapalooza-berlin-2015

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Ich habe „Smack Smash“ von den Beatsteaks geliebt und sie außerhalb der Singles danach ziemlich aus den Augen verloren. Somit war ich wohl der einzige Berliner, der nicht seine Pflicht erfüllte und sie live bejubelte. Je mehr Alben folgten, desto größer war die Hemmschwelle diesen Fehler zu beheben. Doch nun bin ich offiziell geheilt. Endlich. Als hätten sie es geahnt, haben sie nur Songs gespielt, die ich kannte und auch mein Lieblingsmitglied durfte mich mit seinem „Hey du“ ein bisschen rühren. Wirklich wundervoll, immer noch sympathisch und zurecht erfolgreich. Denen gönne ich jedes Glück der Erde. Und sie waren die einzige Band des Tages, die sehr viele schwitzende, durchgerockte Menschen zur Folge hatte. Fertig, aber glücklich. 

http://concert.arte.tv/de/beatsteaks-lollapalooza-berlin-2015

<> live on stage during the second day of the Lollapalooza Berlin music festival at Tempelhof Airport on September 13, 2015 in Berlin, Germany.

Zum Herunterkommen und Trocknen ging es dann zum Sam Smith. Ich mochte seinen Auftritt bei SNL und konnte ein wenig Pathos gebrauchen. Außerdem sagt der arme Kerl ständig in Interviews, dass er immer verlassen wird, weswegen ich aus Solidarität schon antanzte. Trotz Erkältung machte er aber eine gute Figur. Netter, solider Pop mit coolen Backgroundsängern.

Im Clockwork-Orange-Pullover ging es friedlich, aber ein wenig frierend zu der nächsten berliner Band, die ich bisher live verschmähte. Seeed sorgten natürlich dafür, dass ich mich bald wieder entkleiden konnte. Musikalisch nicht immer meins, aber sie schafften definitiv zu unterhalten. Irritiert hatte mich nur, dass sie auch Lieder der Soloplatte von Peter Fox spielten. Finde ich irgendwie schwierig. Die Leuten hatten trotzdem Spaß, was natürlich der Sinn des Ganzen war. Seitdem ich aber eine Kunstklausur zu „Dickes B“ absolvieren musste, ist mein Verhältnis zur Band eher als passiv aggressiv zu beschreiben.

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http://concert.arte.tv/de/seeed-lollapalooza-berlin-2015

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Passiv breit ging es zum Abschluss zu Tame Impala, die einen dann noch in vollkommen andere Sphären schossen. Ich muss gestehen, ich als einziges Lebewesen, welches nicht vollkommen wegen dem neuen Album ausgerastet ist, hätte mir andere Songs Richtung „Elephant“ gewünscht. Stichwort „Solitude is Bliss“, „Be Above It“ oder mein Liebling „I Don’t Really Mind“. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, schließlich war es die perfekte Abschlussband, auch wenn ich aus anderen überraschenden Gründen vor Scham mit Pullover auf dem Kopf nach Hause fuhr, um von der ganzen Welt niemals mehr angeblickt zu werden. Happy End.

Dann bis zum nächsten Mal, Lollapalooza!

Musik

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