#Horrorctober : Funny Games

Für diesen #Horrorctober hatte ich mir die Limited Collectors Edition von „Funny Games“ und „Funny Games US“ gegönnt und konnte nach Jahren nun auch einmal das österreichische Original begutachten. Meine erste und einzige Sichtung des Remakes lag ungefähr 5, 6 Jahre zurück und ich war gespannt, wie markant die Unterschiede zwischen beiden Variationen sind und welche ich schlussendlich präferiere. 

An dieser Stelle kann man natürlich beginnen, alles zu Tode analysieren. Netterweise macht dies im Audiokommentar schon der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger, so dass ich mir die herrlichen Theorien über die metaphorische Kastration des Mannes, den Konnotationen eines Eies, die Parallelitäten zu „The Shining“ (beide beginnen mit einem Top-Shot, also einer irrealen Perspektive, die von Beginn an eine gewisse Künstlichkeit transportiert.) und die zahlreichen Stilmittel dieser Metareflektion sparen kann.  Mein autoritärer Zeigefinger ist dafür nicht lang genug.

Ich war stattdessen zutiefst erschrocken, dass ich zwar all die dramaturgischen Spielereien faszinierend fand, allerdings emotional sich keinerlei Regung manifestierte. Bin ich seit meinem 15. Lebensjahr so sehr abgestumpft? Nach der darauffolgenden Sichtung des Remakes wurde mir jedoch klar, dass ich mal wieder mit dem deutschen Schauspiel arg meine Probleme hatte. Es kam nie das Gefühl auf, eine authentische Familie vor sich zu haben. Ich meine, das Kind hat mich von Anfang an absolut irritiert, da es im Gegensatz zu den Eltern im breiten Dialekt redete. Und auch wenn ich Ulrich Mühe und Susanne Lothar sehr schätze, im Vergleich zu Tim Roth und insbesonderen Naomi Watts wirken sie hölzern und nicht greifbar. Ich hatte das Gefühl ein Theaterstück zu sehen. Mit dem Wissen ein Theaterstück zu sehen. Und das lässt mich immer sehr unbeteiligt zurück. 

Das ist natürlich äußerst schade bei einem Film, der sich einem wichtigen, immer noch aktuellen Thema widmet und das Publikum zum Denken  anregen sollte. Dies gleicht jedoch einem intellektuellen Holzhammer, an dem Hanekejünger zwar Gefallen finden, der sich aber nicht perfide genug der Ästhetik eines Genrefilms bedient, um eine Wirkung bei einem Zuschauer des angeprangerten Gewaltkinos zu erzielen.

Und das ist leider verschenktes Potenzial.

Deswegen präferiere ich das Remake. Ich weiß, ein Skandal.  Es funktioniert jedoch herrlich für den klassischen Hollywoodkonsumenten, wenn man ihn ohne Vorwarnung präsentiert. Die Reaktionen sind wirklich gold wert.

Während ich also weiter über die Darstellung von Gewalt in Medien philosophiere sitzt Michael Haneke, der einem immer latent das Gefühl gibt, verachtenswert zu sein, wenn man seine Filme schaut, bestimmt zuhause, schaut „Alarmstufe: Rot“ und lacht sich kaputt. 

Bestimmt.

Horrorctober

6 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich habe mir auch vor einigen Jahren mal beide Filme hintereinander angeschaut. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits großer Fan des Original-Films. Ich fand tatsächlich immer noch die österreichische Fassung besser, vielleicht auch weil ich die jungen Männer (also die Bösewichte) in ihrem Jargon noch fieser rüberkommen.

      • Also ich fand einige Szenen doch sehr zum Schmunzeln und witzig. An das Remake kann ich mich gar nicht mehr so exakt erinnern, aber beim Original, musste ich eher lachen, als schockiert dasitzen, während Haneke, mit dem ich bisher noch nicht soviel anfangen konnte, zum Finale übergeht.

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