#Horrorctober : Crimson Peak

„It’s a world of everything dying and eating each other right beneath our feet.“

Manchmal, aber nur manchmal kommt es vor, dass ich die Berichtserstattungen und bejubelten Vorschauen nicht ignorieren kann. Dann, wenn ich im Kino sitze und die Konsequenzen ausbaden darf. Vorgefertigte Meinungen, zu hohe Erwartungen, lautstarke Äußerungen. Den nächsten Menschen, der für einen aufflackernden Bildschirm in der Mitte eines Spielfilms sorgt, weil die Situation anscheinend günstig für einen Anruf steht, zünde ich an. Ist nicht persönlich gemeint.

„Boah, passiert jetzt mal was?“

Meine Liebe zum bewegten Bild ist einfach zu groß, so dass ich dafür über Leichen gehen würde. Und davon handelt dieser Film. 

„Überhaupt nicht gruselig, Mann.“

Es geht nicht um die Suche nach dem perfekten Menschen, mit dem die Wahrscheinlichkeit relativ hoch ist, auch nach der Produktion von Nachkommen im perfekten Eigenheim sein Dasein zu fristen, um nichts solides oder sicheres, was gründlich abgewägt und ausdiskutiert wurde. Liebe, gefühlt von einer jungen, intelligenten Frau, die keine Angst hat diese auszuleben. Die kämpft, auch wenn sich das Antlitz des Auserwählten immer mehr verdüstert. Konfrontiert mit den eigenen Fehlentscheidungen, der manipulierten Wahrnehmung. 

„Alter, ist der langweilig.“

Der Film ist ästhetisch. Berauschend schön.

Schön, wie die Liebe gern dargestellt wird. Wie sie einem verkauft wird. Man rechtfertigt sein Verhalten durch sie, legitimiert sein Handeln und es geschieht meist nichts gutes. Man kehrt sein Innerstes nach Außen auf äußerst rohe Art und Weise. Ehrlich, aber voller Schuld. 

„Google mal schnell die Heiße da.“

Wer würde heute noch etwas für die Liebe riskieren und sich selbst offenbaren?

„Für einen Horrorfilm war er okay, aber echt zu lang, oder?“

Gibt es noch wahre Romantiker?

Ich habe manchmal das Gefühl, es zähle nur noch der Plot. Der Sinn für die Geschichte geht verloren. Es geht um mehr als um die Handlung, es geht um Stimmungen, um nicht ausformulierten Beziehungen, die Interaktionen mit den eigenen Erfahrungen und der eigenen Perspektive. Um das Innenleben. Um das, was du darin siehst, fühlst und mit in deine Welt nimmst.

„Die Story war zu dünn und so vorhersehbar.“

Danke, liebe Tindergeneration.

Horrorctober

16 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Voll schööön. (Aber wie im Film hätte jemand mit einer rot-grün-Schwäche wohl den kürzeren gezogen… ;))
    Nein, ernsthaft. Ich habe wirklich den Fehler gemacht, primär nach der Geschichte zu gehen, was mir sowohl nach deiner rührenden Liebeserklärung, als auch nach der Zweitsichtung schmerzlichst aufgefallen ist. Im Grunde ist alles wichtiger als die Handlung selbst, schon allein die seichte Theatralik, der Style… hachja, solangsam fange ich auch an zu schwärmen.

    • Ahaha, wobei ja mehr blau-rot vorherrscht, oder? Oh je, mir tun gerade alle farbenblinden Menschen auf der Welt kollektiv leid. *lach*

      Wenn du so weiter machst, komme ich dich nächste Woche besuchen und wir gucken den nochmal Arm in Arm. Und gestehen uns dann die Liebe zu Hiddlestons Hintern ein.

      Mich ehrt es, wenn du tatsächlich noch einmal über den Film nachgedacht hast und sich was zum positiven verändern konnte. Ach schön.

  2. Wow. Was für eine schöne Besprechung!!! Jetzt hab ich voll Bock drauf! Und diese inhaltlosen Kommentare aus der Sitznachbarschaft im Kino kenn ich. Boah ey … die armen Filme!

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