#Horrorctober : Funny Games US

„Funny Games US“ ergibt für mich mehr Sinn als „Funny Games“.

Mein 15-jähriges Ich hatte ihn unwissend aus der Videothek ausgeliehen, wurde von der vertrauten amerikanischen Optik, den wunderbaren bekannten Gesichtern eingelullt. Ich fühlte mich sicher. Doch schon nach dem musikalischen Schwenk nach einigen Minuten machte sich das Gefühl breit, dass doch nicht alles wie üblich ablaufen würde. Und ich konnte damit zu keinem Zeitpunkt umgehen. Es wurde sich einfach nicht an die Regeln gehalten, die ich bis dato kannte. Die ich gewohnt war. Zum ersten Mal („Der Pianist“ in der Kindheit zählt jetzt mal nicht.) war ein Film zu intensiv. Zu hart und unvorhersehbar, in dem Punkt, dass die Gewalt untragbar für mich war. Sinnlos und gar nicht unterhaltsam. Die Haneke-Keule funktionierte also prächtig.

Mein 22-jähriges Ich wollte es nach Jahren des Traumas dann doch nochmal wissen, jetzt wo ich alle vier Hauptdarsteller erst richtig zu schätzen gelernt habe. Und die Veränderungen seitdem sind prägnant. 

Ich nehme den Film tatsächlich nur noch auf der Metaebene war und ziehe meine emotionalen „Freuden“ aus der Reaktionen des Mitschauenden. Ich habe nämlich gemerkt, dass der Film immer noch eine immense Wirkung auf einen unwissenden Zuschauer hat. Und noch immer so verstörend sein kann, dass man zur Beruhigung „Dirty Dancing“ einlegen muss. Und das macht auf perfide Art irgendwie Spaß, so grinsend dasitzend, diese unfassbare Schönheit des bösen, bösen Engelsgesichts Michael Pitts betrachtend, die zusammen mit der beruhigenden, angenehmen Stimme Brady Corbets Psychopathie in Perfektion ergibt.

Und das ist das beunruhigende. Zwei attraktive, charmante, höfliche Jungspunde, die einen moralisch deutlich mehr zusetzen als in der österreichischen Fassung, wo diese eingebildet und unsympathisch sind. Von Beginn an steht man dort also auf der Seite der Opfer, der Guten und Unschuldigen. Wie soll man aber damit umgehen, wenn man sich dabei ertappt (wie hier), mit den Tätern zu sympathisieren? Wie verwerflich ist das? Ein unangenehme Scham überkommt einen da doch schon mal, schließlich will man doch ein Mensch voller Tugend sein. Ethisch korrekt.

Aber was ist schon ethisch und moralisch vertretbar.

In Filmen.

In der Realität.

Und ist das beides nicht dasselbe? 

Horrorctober

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: