Auswertung: 5 Buchvorsätze 2015

5 Bücher in einem Jahr. Das ist zu schaffen, eigentlich durchaus auch in zwei Monaten. Getrieben von anderen Interessen, denen ich literarisch frönte, wurde es zum Ende des Jahres recht eng. Doch trotzdem schaffbar. Und es fühlt sich hervorragend an, weswegen ich dies auch im nächsten Jahr fortsetzen werde. Egal wie klein die Vorsätze, die tatsächliche Realisierung führt immer zu einem wohligen, angenehmen Ausbruch von Stolz und Selbstwert. Kann man sich ja ab und zu ruhig zu Gemüte führen.

Es folgt eine kleine chronologische Auswertung meiner bewältigten Bücherauswahl:

1. Alice Sebold – The Lovely Bones 

Ich habe den Film „In meinem Himmel“ gehasst. Er war kitschig, hässlich und besonders das Ende ist mir in seiner Dämlichkeit lange Zeit im Gedächtnis geblieben. Vom Buch war ich aber positiv überrascht. Ich mochte den Schreibstil und war überrascht, wie gut eine harte, unverblümte Art eine Vergewaltigung und Tötung eines Mädchens und die Ereignisse herum zu beschreiben mit einem esoterischen Ansatz harmonieren. Die Narrativität aus dem Himmel durch die Verstorbene funktioniert, man beobachtet die Auswirkungen auf die Familie, auf Freunde, Mitschüler und den Täter, die Bewältigung von Trauer und Schmerz. Desweiteren ist es ein schöner Einblick in das Leben (nach dem Tod) und die Gedanken einer 14-jährigen aus einer Kleinstadt in den 70ern und keine Geschichte über die Rache eines liebenden Vater. Einzig die Szene, in der die gute Susie in den Körper einer anderen schlüpft, um mit ihrer ersten Liebe Sex zu haben, war dann doch etwas eigenartig sentimental. 

2. Sergej Lukianenko – Wächter des Tages

Ich mochte die Geschichte um Alissa sehr gerne und auch der Perspektivwechsel zum ersten Buch hat mir gut gefallen. Doch irgendwie möchte ich diese Ansammlungen von Geschichten rund um die Wächter lieber sehen. Es entfaltet sich mir schriftlich nicht ganz. Also Netflix, gib mir russische Vampire, Hexen etc.! Und Anton! Oder als Hörspiel. (I’m looking at you, Macher von Gabriel Burns!)

3.  Margaret Mitchell – Vom Winde verweht

Das war reine Tortur. Trotz vieler Bedenken mag ich den Film sehr gerne, aber das was beim Film noch einigermaßen moralisch behoben wurde, ist in der Vorlage untragbar. Scarlett ist furchtbar, die Verherrlichung des Ku-Klux-Klan widerlich, die Darstellung der Schwarzen abartig und der Schreibstil zudem noch ermüdend. 

4. Jack Kerouac – On The Road

Im Januar fing ich in Venedig an Melly das Buch vorzulesen, in Amerika hatten wir es vor Aufregung vergessen, aber danach las ich es in regelmäßigen Abständen per Sprachnachricht weiter. Ich glaube, ich hätte es weniger gemocht, wenn ich es nicht laut gelesen hätte. Der Rhythmus ist toll und es hat ungeheuer Spaß gemacht, besonders wenn man gerade selbst in einem fremden Land ist und sich spontan treiben lässt. Dass mir die Ansichten der Ära bezüglich weiblicher Wesen missfallen würde, damit hatte ich zwar gerechnet, aber ich erwarte trotzdem eine gewisse Tiefe bei der Charakterzeichnung. Auch wenn es sich um diese Gestalten namens Frauen handelt. 

5. Charlotte Brontë – Jane Eyre

Ich liebe es. Jane und ich, wir verstehen uns und auch, wenn ich ihre Vorliebe für Mr. Rochester nicht teilen kann, so wird mir dieser jedoch in allen Facetten näher gebracht. Er wird menschlich, ist kein Abziehbild. Das gelingt Charlotte Brontë mit jedem Charakter, mit jedem Ort. Jane Eyre darf alles sein. Emotional, rational, impulsiv, ehrlich, unterwürfig, herrisch, umsorgend, anklagend, wütend oder moralisch und trotz ihrer bewegten Vergangenheit macht sie sich selbst nie zum Opfer. Und das veranlasst selbst nach 168 Jahren ein Franzi dazu, einige Zeile, die es liebgewonnen hat, in leidenschaftlichem Schwarz anzustreichen und für immer im Herzen zu behalten.

Das gelesene Wort

15 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ups … Hatte ich nicht auch solche Vorsätze? O.o Ich muss wohl bald einen „Was ich statt meiner Vorsätze gelesen habe“-Artikel machen …
    Aber interessant, wie unterschiedlich auch die ganzen vermeintlichen Klassiker sind.

  2. Hm, da sprichst du mein schlechtes Gewissen an, denn die 5 geplanten Lektüren werd ich nicht mehr schaffen. Eine wird garantiert frühestens 2016 dran glauben dürfen. Aber ich hab sowieso schon genug gelesen, und der SuB wächst momentan eh täglich. Aber ich werd da auch noch ein kleines Résumé ziehen. 😉

  3. The lovely Bones kenne ich gar nicht, hört sich ein wenig… eigen an… Dabei stimme ich dir mit Jane Eyre voll zu! Ich liebe diese Geschichte… wobei ich tatsächlich St. John Rivers präferiere… Mr. Rochester war zwar interessant, aber nicht für mich 😀

    • Hast du die Verfilmung gesehen von Peter Jackson?
      Es ist definitv eine andere Herangehensweise an solch ein hartes Thema, aber nachdem ich gelesen hatte, dass die Autorin wohl auch Opfer eines Missbrauchs war, ergab der Schreibstil im Sinne einer Aufarbeitung der eigenen Geschichte für mich Sinn. Jedenfalls auf der emotionalen Ebene. Es ist schon ziemlich esoterisch.

      Whhhaaaaattt!? Also, wenn nur diese zwei Optionen bestünden, dann sogar freiwillig Mr. Rochester. Ich will doch jemaden der mich liebt und nicht Gott.

      • Nein, die Verfilmung kenne ich tatsächlich auch nicht. Müsste ich dann wohl nachholen^^

        Um Himmels willen, auf Gott kann ich auch verzichten, aber ich finde ihn symphatischer. Ich kann Gott besser ausblenden, als Mr. Rochesters Kompliziertheit.

        Außerdem Ehen, die auf einer Katastrophe oder als Folge eines „außergewöhnlichen Erlebnis“ basieren werden auch schneller wieder geschieden…

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