Franzus Veganus (1)

Als Kind war ich der natürliche Feind eines jeden Kochs. Nüscht hat ’se gefressen außer Zuckerwürfel. Und Kartoffelchips, aber auch nur nachdem der tollste Kinderarzt der Welt mich angefleht hat etwas gegen meinen Eisenmangel zu tun. 

Die Jahre vergingen, die Pubertät setzte ein und ich konnte zwar immer noch einen Gefallen an unsinnigen Beilagen wie Gemüse oder Kartoffeln finden, hatte mich jedoch mit Obst, Hühnchen und Käse angefreundet. Brot war aber (außer frisch gebacken) immer noch langweilig. 

Und jetzt? Ich kann auf einmal alles essen. Also jedenfalls in meinem selbstauferlegten Rahmen, dem entsprechend tierlos. Und ab und zu, wenn die Neugier wieder zuschlägt, probiere ich gerne kulinarische Obskuritäten.

Dieser erste Teil widmet sich der wunderbaren Welt der Fleischersatzprodukte.

Viel Spaß!



 

Ich fühlte mich ein wenig wie eine Kandidatin aus „Schwiegertochter gesucht“, als ich dieses romantische Geschenk präsentiert bekommen habe. Spiele mit dem Gedanken wirklich nur noch Wurstkörbe zu verschenken. Gibt es ein Wort, was deutscher ist als „Fleischwurst“? Jedenfalls haben wir dieses Produkt mit frischem Brot gepaart und sind als Menschen ohne Fleischwurstvergangenheit zu dem Ergebnis gekommen, dass sie ihre Funktion hervorragend erfüllt, aber wir einfach nicht mit der enormen Authentizität umgehen können. Braten lässt sie sich übrigens nicht, wird dann flüssig. Hat mir jedenfalls meine Mama zugetragen, nachdem ich meinem Papa den Rest untergeschoben hatte.

Appetitlich roch und sah das Ganze, was ich da in die Pfanne warf erst einmal nicht aus. Habe ein gesundes Misstrauen gegenüber Ersatzprodukten. Ich habe die Steaks auch nicht bearbeitet oder eine Beilage dazu gemacht, aber ich war positiv überrascht. Sehr, sehr lecker mit einer netten Barbecuesoße. Da hatte ich mich dann wirklich auf den nächsten Sommer gefreut, auf die Grillatmosphäre abends auf meinem Balkon. Schmeckt wie Hühnchen.

Wahrlich das abstrakteste aller Einkäufe. Habe sie eine Weile genauso verwirrt und überfordert angeschaut wie den veganen Truthahn, der mir mal in der S-Bahn gegenüber auf Hipsters Schoße gesessen hat. Im rohen Zustand labbrig und verdächtig, frittiert oder paniert perfekt für den ehemaligen Meeresgetierliebhaber. Wir hatten ihn in einen wundervollen Salat integriert. Sehr lecker, wenn man auf Lebensmittel steht, die quietschen beim kauen. Habe mich gefragt, ob es auch eine Alternative für Muscheln gibt. 

Zu diesem Mahle hatte ich meine beste Köchin kommen lassen, hatte sie zuvor beauftragt, eine zitronige, cremige Soße zu kreieren, die perfekt mit den Kartoffeln und den Fischsteaks harmonieren. Wir hatten beide mit einer Enttäuschung gerechnet, aber nein, diese Frau namens Leah macht wahrlich aus allem essbaren ein Gedicht. Mich hat die Konsistenz an Thunfisch erinnert, geschmacklich auch, wobei Leah eher für Hühnchen plädierte.

Dies ist das einzige Produkt, was eher mittelprächtig seinen Zweck erfüllte. Ich hatte der guten Tanja während ihres Berlinaufenthalts eine Thunfischpizza präsentiert, die wir beide sehr genossen, aber keine konkreten Vorteile des Thunfischs ausmachen konnten. Er war halt da, aber recht eigenschaftslos in seinem Wesen, verglichen mit den zwei heiligen Käsesorten, Paprika, Zwiebel, Knoblauch und den Gewürzen.

Franzus Kulinarus

20 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Tolle Testreihe… stelle aber fest so wirklich brauche ich die Sachen nicht. Wenn ich kein Tier essen möchte, dann möchte ich auch optisch nichts essen , dass an Tier erinnert… LG vom Blumenmädchen ;-D

  2. Mir fallen mindestens drei blöde Witze ein aber ich mag dich zu sehr . 🙂
    Von daher, vielen Dank, du bist die unterhaltsamste Botschafterin der fleischlosen Freuden.
    (Wenns aussieht wie ne Wurst, richt wie ne Wurst und schmeckt wie ne Wurst dann tolle Wurst)
    Lieben Gruß und Knutscha!

  3. Also bis zu dem Moment als ich gelesen habe, dass es vegane Muscheln, Tuna und Tintenfisch gibt war uch eher mässig überrascht, aber die Art von Ersatzprodukt ;D

    Die Vorstellung alleine, dass es vegane Muscheln gibt finde ich urkomisch.

    Das einzige was ich lieben gelernt habe ist Tofu. Ich mag Tofu egal ob der jetzt gesund sein soll oder nicht. Bei uns um die Ecke, im Biomarkt gibt es „veganes Hühnchen“ + „vegane Garnelen“… Es ähnelt nich nicht einmal optisch dem Original und schmecken tut es ebenso wenig danach. Aber es schmeckt dennoch sehr lecker. Fester Tofu unheimlich gut abgewürtzt.

    Ich finde Vegan müsste sich gar nicht hinter Ersatzprodukten verstecken… Schmeckt aus so unheimlich lecker!

    • Ahaha, ich würde ja dann echt gerne mal die Garnelen probieren, aber ich hab schon den echten gegenüber ein gewisses Misstrauen gehabt. Nie gegessen.

      Ansonsten hast du natürlich absolut recht. Dass was ich vorgestellt habe, hat nicht wirklich viel mit einer guten, alltäglichen Pflanzenkost zu tun. Manchmal muss man einfach mal ausprobieren, wie weit diese bescheuerte Lebensmittelindustrie ist. *lach*

  4. Ich mag den vegetarischen Schinkenspicker ja sehr gerne, dennoch bin ich skeptisch dem ganzen Gegenüber. Man sagt ja vegan Essen soll gesund sein, aber wenn da dann alles mögliche reingepanscht wird und Zusatzstoffe zulassen, dass es wie Fleisch oder Fisch schmeckt, sehe ich den gesundheitlichen Aspekt leider nicht 😦

    Das vegetarische Fischzeug habe ich tatsächlich noch gar nicht entdeckt 😀

    • Du kannst ja gerne mal die Zutaten meiner getesten Sachen durchforsten. Bei den meisten Sachen steht auch fett drauf, dass da nüscht Gentechnikbla und voll korrekt und so ist. Letztendlich wird dir wahrscheinlich jeder Veganer mit Genuss am Essen (es gibt ja noch die ohne Humor, Freude etc.) erzählen, dass die ganzen Ersatzprodukte eher auf Reisen oder bei irgendwelchen sozialen Ereignissen zum Einsatz kommen. Ansonsten wird immer selbst gekocht oder von Freunden kochen lassen. Und da siehst du maximal Tofu oder Reibekäse.

    • Danke, danke. Mal sehen, was so im nächsten Jahr so obskures auf mich wartet. Ich werde mal Ausschau halten nach dem bekloppten veganen Truthahn. Ich glaube, ich habe nicht einmal zu Fleischzeiten Truthahn jemals gegessen.

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