Gastbeitrag: Hochwissenschaftliche Genexperimente in tropischer Umgebung

Dieses Jahr hatte die liebe Franzi zu Weihnachten nur drei bescheidene Wünsche. Zwei davon waren eine automatische GIF-Maschine und Mike Patton. Da mein technisches Know-How doch starken Einschränkungen unterliegt und ich Mike Patton’s Telefonnummer verlegt habe, kann ich ihr diese Wünsche leider nicht erfüllen.

Beim dritten Wunsch allerdings kann ich behilflich sein. Denn dabei geht es um eine Besprechung eines filmischen Meisterwerks gigantomanischen Ausmaßes. Aus den 90ern. Das kann ja nur gut werden.
Deshalb hier, nur für dich Franzi, dein Weihnachtsgeschenk:

THE ISLAND OF DR. MOREAU – D.N.A. – Experiment des Wahnsinns – USA – 1996 – 100 Min.

Starring: Ein Pate, ein Werwolf, ein Höllenjunge, eine Rassistin und Batman.

Bevor es losgeht kann ich nicht anders, als mal wieder über deutsche Filmtitel abzukotzen. Jetzt mal ernsthaft. Der folgende Scheiß basiert auf einem Roman von H.G. Wells – ihr wisst schon, der Zeitmaschinenfritze – mit dem Titel „Die Insel des Dr. Moreau“. Klingt auch logisch, denn das ist schließlich einfach die Übersetzung des Originaltitels seines Buches. Wie zur Hölle kommt dann der deutsche Verleih darauf, dass man diese Verbindung am besten komplett in die Tonne tritt und dem Film besser einen unglaublich dämlichen C-Movie-Titel verpasst? Und warum dann nicht gleich der Untertitel „Das Tier im Manne“? Oder „Der Mann im Tier“? Oder „Sodomie für Fortgeschrittene“? Klingt alles genau so scheiße und bringt den folgenden Müll fast genau so gut auf den Punkt wie das völlig langweilige „Experiment des Wahnsinns“.

Wisst ihr noch damals? Als Filme noch nen richtigen Vorspann hatten? Ich meine so richtige, mit Bildern von Augen und Bakterien, oder DNA-Strängen, oder was auch immer das halt sein soll. Für mich sieht das eh alles gleich aus. Ist DNA vielleicht nicht mehr als ein Bazillus? Oder sind Bakterien eigentlich DNA-Stränge, die einfach nur zu kurz geraten sind? Ihr seht schon, dieser Text wird unglaublich wissenschaftlich werden. Und er wird absolut keine Fragen beantworten.

Der Ozean. Ist er nicht einfach toll? So blau. So nass. So voller Fisch. Okay, ich hasse das Meer, aber es soll ja Leute geben, die das mögen, also weise ich jetzt mal nicht darauf hin, wie viel Scheiße darin rumdümpelt und lasse euch euren Spaß, wenn ihr euch mal wieder in die verseuchten Fluten stürzen wollt.

Auf diesem Ozean jedenfalls treibt ein Rettungsschlauchbootgedöns herum, auf dem sich drei Vollidioten kloppen, weil sie wohl nichts besseres zu tun haben. Am Ende gewinnt Professor Lupin, indem er die anderen über Bord wirft.

Professor Lupin paddelt also übers Meer und wird von einem Schiff aufgegabelt, auf dem Batman der Schiffsarzt ist. Sollte ja dann kein Problem sein, Lupin wieder zusammenzuflicken. Laut Montgomery, so Val „Batman“ Kilmers Name hier, schippern sie gerade zu ner ganz tollen Tropeninsel. Edward „Lupin“ Douglas pennt vor lauter Spannung ein.

Wie jeder gute Schiffsarzt hat natürlich auch Montgomery einen Käfig voller Hoppelhasen dabei, den er auf nem Bollerwagen über die Insel zieht. Benjamin Linus befürwortet das. Nachdem Montgomery einem der Hasen das Genick gebrochen hat, damit Douglas auch was zu beißen kriegt, fährt man mit dem Jeep weiter nach Kanada … nee, sorry, die Flagge sah nur so ähnlich aus. Man fährt natürlich zu Nobelpreisträger Dr. Moreau, der mitten im Dschungel wohnt, wie sich das für einen guten Wissenschaftler gehört.

Edward nutzt die Gelegenheit, erst mal ner heißen Schnickse beim Tanzen zuzugucken. Nachdem er sie erschreckt hat, erklärt er, dass er aus England kommt. Die Tussi ist ne ganz helle Tiki-Fackel und stellt fest, dass das auch ne Insel ist. Na, Bravo. Vielleicht muss sie mit diesem geballten Fachwissen ihren Lebensunterhalt doch nicht als Stripperin für notgeile Werwölfe verdienen.

Montgomery erklärt, dass Dr. Moreau hier auf der Insel an Tieren rumexperimentiert, seit ihm irgendwelche Tierschützer auf dem Festland auf den Sack gingen. PETA ist eben überall.

Montgomery schließt Edward in seinem Zimmer ein. Zu seinem eigenen Schutz selbstverständlich. Edward verzichtet aber auf Schutz und bricht aus, um des Nachts … nun ja, sinnlos durch das Haus zu tapern. Ich muss zugeben: Dr. Moreau hat einfach alles da. Sogar ein Lama.

Und dann ist Edward plötzlich auf dem Planet der Affen und beobachtet wie eine Affentussi mit den dicksten Tüten, die die Welt der Primaten jemals gesehen hat, ein Affenbaby zwischen ihren Schenkeln hervorpresst, während Affenärzte sie behandeln. Irgendwo an dieser Stelle gab es bestimmt einen Charlton Heston Cameo, aber ich hab ihn wohl verpasst. Edward macht sich mal lieber vom Acker und trifft im Dschungel auf die gebildete Stripperin, die ihn von der Insel bringen will. Aber die Affen im Armani-Anzug jagen sie lieber durch den Regenwald zu einem Fluss … Moment mal. Warum ist jetzt plötzlich wieder Tag? Und was macht der komische Mutantenbiber da am Fluss, wo doch gar kein Damm da ist? Uh, ist das alles spannend.

Die Verfolgung geht weiter und … OH MEIN GOTT! Ein toter Hase hängt im Baum. Das kann nicht mit rechten Dingen zu gehen. Wird aber völlig ignoriert, denn Lupin und Adam Sandlers Ex freunden sich mit dem Al Borland unter den Affen an, der im Flanellhemd durch die Gegend hüpft, als hätte Tim Taylor mal wieder die Werkstatt abgefackelt, damit der sie zum „Sayer Of The Law“ bringt.

Der „Sayer Of The Law“ ist nebenbei niemand geringeres als Moses … nee, sorry, sah nur so aus. Es ist Hellboy persönlich. Nur mit mehr Haaren, aber trotzdem offensichtlich ohne Bürste in der Tasche.

Der Papst ist auch schon da und lässt sich von seinen Affen durch den Dschungel tragen. Genau so sieht es im Vatikan auch aus, da bin ich sicher. Okay, es ist nicht der Papst, es ist Geisha Moreau, der aussieht, als wäre er in einen Teich voller Alpina Wandfarbe gefallen. Jedenfalls holt er Edward ab, um ihm die Familie vorzustellen. Da ist seine geile Tanz-Tochter Aissa und ein paar Affen, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe. Wird sicher nicht so wichtig sein. Brando ist hier also eine Mischung aus komplett irrem Doctor und dem Paten. Apocalypse Now meets The Godfather On The Planet Of The Apes wäre der absolut perfekte Titel für diesen Schwachsinn gewesen. Oh, und er hat eine Art Mini-Me. Es ist also eher Austin Powers meets The Godfather On The Planet Of The Apecalypse.

Naja, Moreau erklärt, was er da eigentlich so macht. Kurz zusammengefasst: Er will eine Mensch-Tier-Rasse schaffen, die ganz besonders toll ist. Nach einem kurzen Streit über den toten Hasen, der dann in die Tonne fliegt, weil Moreau der absolute Veganer des Jahrhunderts ist, erzählt seine Tochter noch kurz von der anderen Hasenleiche, der wohl von dem Mutantenbiber erledigt wurde.

Edward hat langsam die Schnauze voll und will mit einem Schiff abhauen, aber da wartet der RATTENAFFE AUS BRAIN DEAD! Also bleibt er doch lieber da und guckt sich die Gerichtsverhandlung für den Biber an, da niemand irgendetwas töten darf. Den interessiert das aber mal gar nicht und er will Moreau an den Kragen. Der hat aber einen ferngesteuerten Elektroschocker. Und sein Affensohn hat eine Waffe, mit der er den Biber umnietet. Sehr zum Schock aller Anwesenden, denn HIER WIRD NICHT EINFACH SO RUMGEKILLT! Moses hat gesprochen.

Die Leiche des Bibers wird verbrannt. Einer der Affen fand den aber ganz töfte und reißt sich das Elektroschockgelöt aus der Brust, oder so. Währenddessen tickt Edward etwas aus und wirft mit Mikrofonen, wie ein Rapper beim großen Battleabend.

Montgomery knutscht mit Affenweibern rum und spritzt ihnen Morphium, damit sie cool bleiben, oder so. Der Affe ohne Implantat hat keinen Bock und zeigt Montgomery, dass er sich den Chip rausgerissen hat. Also wird er gejagt, bis er die Schnauze hält. Edward würde immer noch gerne abhauen, aber irgendwie wird das nix. Montgomery erklärt ihm, dass alle Versuche umsonst sind, denn es gibt keinen Weg runter von der Lost-Insel. Das galt übrigens auch in der Realität, als Fairuza Balk versuchte, sich von den Dreharbeiten zu verpissen, da die das reinste Chaos waren. Den Artikel darüber überlasse ich aber Franzi …

Moreau hat den geilsten Hut aller Zeiten auf dem Kopf. Als hätte er nen Mülleimer in ein Stück Teppich gewickelt. Seine Tochter kommt vorbei und heult, weil sie sich verändert. Sie mutiert scheinbar zur Lama-Chamäleon-Pinguin-Frau, oder irgendeiner anderen Mutation, auf die sie mal so gar keinen Bock hat.

Kommen wir zum absoluten Highlight des Films. Eine Horde Affen, angeführt vom Unimplantierten, bricht in Moreaus Haus ein und spielt Klavier wie Arnold Schönberg an seinem besten Tag. Moreau zeigt ihnen dann die Beethoven-Variante, aber die Affen sind nicht zum Tanzen da, sondern um ihm den Arsch aufzureißen. Da sie offenbar alle ihre Implantate entfernt haben, kann Moreau natürlich auf seiner Fernbedienung rumtippsen, wie er lustig ist. Moreau wird also zerfleischt und Edward ballert rum, um die Affenbande zu vertreiben.

Bei der Feuerbestattung gibts viel Geflenne von Aissa und viel Palaver von Hellboy.

Ebenfalls für Feuer sorgt die brüllende Affenbande, als sie den Bootssteg abfackeln. Ein weiterer Affenkopp schließt sich der Gruppe an und zeigt ihnen, wo die Waffen sind.

Montgomery macht derweil den neuen Moreau und Edward wurschtelt im Labor rum, wobei er herausfindet, dass er wohl selbst auch bald zum Affenmann mutiert, oder so. Montgomery will gerne in den Hundehimmel. Das könnte schneller klappen, als er denkt, denn er wird von der wilden Affenbande abgeknallt.

Aissa lässt das Lama frei. Und auch alle anderen Tiere.

Die Bande ballert rum und sprengt Scheiße in die Luft.

Im Tempel des Gesetzes (ich nenne den Schuppen einfach mal so, denn was weiß denn ich wie die Kaschemme heißt, in der der „Sayer Of The Law“ wohnt), werden Edward und Aissa gefangen genommen. Aissa mutiert dabei nebenbei zu Catwoman. Hilft ihr aber auch nicht, denn ein paar Sekunden später baumelt sie am Seil. Von wegen 9 Leben.

Immerhin hab ich kurz vorm Ende des Films auch noch gerafft, dass das gar nicht alles Affen sind, sondern die alle aus unterschiedlichen Tieren gebastelt wurden. Sie sehen nur alle gleich aus. Kann ja mal passieren. Jedenfalls ist der Oberböse, der sich das Implantat einfach so ohne um Erlaubnis zu fragen rausgerissen hat, eine Hyäne. Alle anderen sind halt irgendwas anderes. Leider habe ich keinen Giraffenmann gesehen. Das hätte mich ja schon interessiert.

Edward sagt der Hyäne dann, dass sie ein Gott ist. Die Hyäne lacht sich scheckig. Und dann ballert sie wild in der Gegend rum. Und dann explodiert alles. Und dann wird die Hyäne von den anderen kaputt geknüppelt, weil sie immer so doof lacht. Und dann latscht sie in ein brennendes Haus und fackelt ab. Und dann denke ich mir: „Meine Fresse, was ist das denn bitte für ein unglaublich beschissenes Ende?“

Edward will zurück kommen, aber der „Sayer Of The Law“ erklärt ihm, dass sie einfach nur da auf ihrer Insel rumgammeln wollen. Also paddelt Edward davon und sie lebten glücklich und zufrieden, bis die Maul- und Klauenseuche sie dahin raffte.

Was soll ich sagen? Die Dreharbeiten standen ohnehin unter keinem guten Stern. Brando und Kilmer hatten absolut keine Böcke. Die anderen konnten es nicht besser. Nur David Thewlis versucht zu retten, was zum Scheitern verurteilt ist. Damit bleibt er der einzige Lichtblick in diesem Haufen Affenscheiße, dessen Daseinsberechtigung sich eigentlich darauf beschränkt, dass die Umstände, wie es überhaupt zu all dem Schwachsinn kam, der dann auf Zelluloid gebannt wurde, unterhaltsamer sind, als das Endprodukt. Ich gehe dem Hund eine Weihnachtsmütze aufsetzen …


 

Danke an Filmschrott an dieser Stelle für dieses wundervolle Weihnachtsgeschenk. Natürlich konnte ich es nicht lassen und musste die Homoerotik durch GIFs walten lassen. Man verzeihe mir, aber der Film will es so. Und danke, dass du ehrlicherweise meine einzige Bedingung einhalten und etwas positives über David Thewlis sagen konntest. Das stimmt mich an diesem Feiertag gleich noch wärmer ums Herz. 

Gastbeiträge

14 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ist jetzt der Hase süßer oder Thewlis?
    Wie dem auch sei: Frohe Weihnachten! Genieße die familienumtriebigen Tage.
    Und vielen Dank für die liebe Sprachnachricht! Freut mich, wenn das Päckchen gut ankam. Über deins mache ich mich später her. Vielleicht kehrt bis dahin auch meine Stimme wieder zurück, 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: