Kinowoche: Legend, Die Tribute von Panem – Mockingjay Part 2, Der Marsianer, Joy & Jane Got A Gun

Sneak Preview: Legend

Ich dachte mir am Montag, wie fein es doch wäre, die Woche mit einem Film mit David Thewlis auf großer Leinwand zu beginnen. Die Sneak Preview war mir gnädig.

Das Positive: Tom Hardy spielt wunderbar, David sowieso, aber besonders der junge Mann aus „Kingsman: The Secret Service“ namens Taron Egerton macht sich hervorragend. Und auch Emily Browning, die ich durch „God Help The Girl“ und „Sucker Punch“ hassen gelernt habe, konnte ich hier durchaus etwas abgewinnen. Dafür wanderte Duffy ab und zu das Bild, natürlich nur um mich zu ärgern. 

Das Negative: Der Film ist zu lang und hat keinen roten Faden. Der Trailer ergab für mich persönlich Sinn und machte Lust auf eine vergnügliche Gangsterbiografie, aber der Film zieht sich wie Kaugummi, die lustigen Einlagen sind nett, aber bei den dramatischen und ernsthaften Momenten scheitert es. Der Film versucht tiefgründiger zu sein als er ist. Und er versucht zu bewegen, kann sich nicht recht entscheiden, ob er die Krays glorifizieren oder verurteilen soll, schafft es jedenfalls nicht greifbare, menschliche Figuren aus ihnen zu machen. Es scheitert absolut am Skript, was ungemein schade ist, da die Zwillinge und auch die Art wie Hardy sie porträtiert ein unkonventionelles, flottes und intelligentes Drehbuch verdient hätten. Desweiteren hat mich weder das Setting noch die Musik überzeugt. Alles wirkte so künstlich, so lieblos zusammengestellt. Und ich war den ganzen Film irritiert, dass auschließlich auf der unbritischen Seite gefahren wurde. Bis auf die gute Emily Browning, deren Lenkrad äußerst britisch eingestellt war. Da ich aber dazu keinerlei Informationen gefunden habe, kann es auch sein dass mein Fieberdelirium da den Höhepunkt erreichte. 

6.5/10

Die Tribute von Panem – Mockingjay Part 2

Ich gebe zu, mich haben zuvor schon die Trailer aggressiv gemacht. Zuerst Liam Neeson, der mir die Global Goals aufzeigt (finde ich gut), dann die deutsche Initiative gegen den Klimawandel, also hübsch Strom und Wasser sparen und auf die richtigen Glühbirnen achten (Bullshitgrenze fast erreicht) und dann eine Vorschau auf den 3. Teil dieser anderen Jugenddystopie, die nicht im Labyrinth spielt. Mit Shailene Woodley, die für mich das ist, was für viele Menschen Kristen Stewart ist. 

Und dann kam dieser Film. Wobei, ich mag das nicht mal Film nennen, denn es ist dramaturgisch einfach eine Beleidigung an die Kunstform Film. Ich bin kein Verfechter von Spannungsbögen, einer stringenten Erzählung, es kann auch ruhig unperfekt und experimentell zugehen, aber selbst die Jünger der Twilightsaga wurden würdevoller zu ihren komischen Büchern entlassen. Und da war es wenigstens noch so einfach die grenzwertige Moral zu entlarven, aber hier wusste ich über drei Filme lang nicht recht, was mir da so schwer im Magen liegt. Ich empfand immer so eine Art Doppelmoral. Und einen Sinn für den heutigen Zeitgeist, den ich ja ziemlich verachte. Vordergründig will man also die Maschinerie des Krieges, der Diktatur etc. zeigen, will Gewalt anprangern, aber die Filme selbst bedienen sich doch genau denselben Mitteln, ästhetisieren Gewalt und sind manipulativ („Was für ein süßes kleines Kind. Oh nein, die Mama wurde getötet und das Kind weint. Jetzt muss ich betroffen sein und den Aha-Moment haben, denn tief im Inneren weiß ich, dass das die Rebellen waren. Die sind nämlich genauso scheiße.“). Klar, in der heutigen Zeit sind wir alle aufgeklärt und abgeklärt. Wir wissen, dass eigentlich alle doof sind. YOLO halt. Kann man nichts daran ändern, außer man ist die Auserwählte. 

Zu den Charakteren muss ich nichts sagen, oder? Josh Hutcherson ist mir durchaus sympathisch, so eine Rolle wie Peeta hat er wirklich nicht verdient. Die anderen, zu denen man irgendeine Bindung aufbauen sollte sterben wie die Fliegen, interessiert halt keinen und wie und warum sich die Dreiecksbeziehung zwischen Peeta, Katniss und Gale auflöst, werde ich wohl nie verstehen. Oder generell was dieser Kindergarten sollte. Ich verstehe auch nicht, wie jemand in Katniss Everdeen eine dreidimensionale, starke Frauenfigur sehen kann. Ihr wird ständig gesagt, was sie zu tun hat, trottelt irgendwem hinterher und die restliche Zeit muss sie sich um ihr Auftreten in der Gesellschaft oder Boys kümmern. Oder um ihre Familie. 

Und dann sitzt sie doch tatsächlich am Ende (nach drei, vier durchaus akzeptablen Schlusssequenzen) doch tatsächlich im Hausfrauen-Blümchenkleidchen mitsamt Mann und Kindern auf der Wiese. Was ich als elendigen Versuch gewertet hättet, ihr einen gewissen Seelenfrieden und ein versöhnliches Ende zu verschaffen. Doch dann kam der Punkt, den ich für absolut grenzwertig halte: Sie redet mit ihrem Baby, erzählt dass alles besser ist als die Hungerspiele („Puh, und ich dachte schon, ich müsste an unserer Welt etwas ändern.“) und teilt im Prinzip mit, wie sehr sie täglich mit diesem Trauma zu kämpfen hat. Hätte sie sich nicht vielleicht um ihr Seelenheil kümmern können? Wenn man so eine Erfahrung im Leben macht und es danach schafft ein normales Leben zu führen (und eine Familie gründet), dann ist das bewundernswert. Wenn man stattdessen Kinder in die Welt setzt und sie als Heilmittel benutzt, halte ich das für moralisch verwerflich. Und wenn ich so viel Gewalt erleben müsste, andere Menschen umgebracht hätte und mir so vieles Geliebtes genommen werden würde, dann gehe ich den nächsten Tag nicht jagen. Dann gehe ich nie wieder jagen.

Und was zur Hölle sollten diese Mutanten?

4/10

Der Marsianer

Was war ich froh, nach den Tributen einen richtigen Film zu sehen. Eine tolle Geschichte bei der man von Anfang an mitfiebert und einem pure Menschlichkeit präsentiert wird. Ich bewundere die zahlreichen Menschen, die ihre naturwissenschaftliche Begabung nutzen und ihr Leben einem Ziel unterordnen. Der Humor und der herrliche Discosoundtrack, die verschieden Perspektiven auf das Ereignis zeigen auf wundervolle Art zu was unsere Spezies fähig ist, wenn sie denn will. Loyalität, Empathie und die schönste Referenz zu „Der Herr der Ringe“, die ich im Kino erleben durfte. Und ich ging hoffnungsvoll, aber mit dem Wissen, dass ich auf dem Mars jämmerlich verhungert wäre, nach Hause und goss zur Feier des Tages meine halbtoten Pflanzen.

10/10

Joy

Ich bin ein großer Verehrer von „Silver Linings“, denn der Film porträtiert auf so warme, herzliche Art dieses seltsame Konstrukt namens Familie. Mit „Joy“ hat mir der gute David O. Russell endlich wieder ein ähnliches Gefühl gegeben. Die Geschichte mag eher konventionell sein, doch wie dieser meist hoffnungslose Kampf einer talentierten Frau gezeigt wird, die von klein auf nicht würdig behandelt wird, weckte bei mir als Zuschauer den Kampfgeist. Mir ist eine ähnliche Familiendynamik vertraut, wo meist die jüngste Person für den Zusammenhalt geopfert wird. Diese Person muss funktionieren, damit die Familie funktioniert. Sie klärt Probleme, interveniert und managt die Leben der anderen und wird nebenbei systematisch zum schwarzen Schaf degradiert. Und zu sehen, wie die gute Joy beginnt sich durchzusetzen, mutig für das zu kämpfen, was ihr zusteht, ist einfach befreiend. Denn nichts ist schöner als die Erleichterung und Freude, wenn ein Mensch endlich merkt, wie toll er ist. 

9/10

Jane Got A Gun

Ich tue mich mit dem Westerngenre recht schwer und dachte, die gute Natalie könnte mir da behilflich sein. Ich hoffte sie könnte mir diese maskuline Filmgattung endlich schmackhaft machen, aber leider ist das wieder nur ein Werk, wo ein armer, verlassener Mann leiden darf, Rivalitäten und Unmut für seine große Liebe hinnimmt, sich mutig opfert und am Ende glücklich mit Familie in den Sonnenuntergang reiten darf. 

Ich war sehr fasziniert von Ewan McGregor. Der hatte schwarzes Bart- und Haupthaar und sah überraschenderweise ein bisschen wie Billy Bob Thornton aus. 

5/10

Kinowoche

28 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Auf Joy freue ich mich ja auch irgendwie. Mochte Silver Linings ebenfalls und hier hat man ja das ganze team noch mal zusammengetrommelt. Allerdings entfacht das auch wieder so eine Erwartungshaltung, an der dann alles scheitern kann.

  2. Das „Tribute“-Ende hat bei mir so „Herr der Ringe“-Traumas ausgelöst. Einblenden, Ausblenden. Dabei war das erste Ende das definitiv aussagekräftigste und als Statement genau richtig.

  3. Ich war gestern in Joy… Ach, Filmliebe auf den ersten Blick. Naja beim Mariner wartete noch das (ungekaufte) Buch. Ich bin so froh, dass ich nur die „Panem“ Bücher gelesen habe 😀 Aber meine Freundin mochte diese Abfluss-Mutanten ebenfalls nicht, ich finde sie sind zu sehr geklaut vom Computerspiel „Metro Last Light“

    • Oder? Ich fühlte mich in dem Film auch sehr wohl.

      Irgendwie finde ich die Geschichte „Der Marsianer“ sehr sehr passend für das Medium Film. Kann ich mir als Buch irgendwie nicht vorstellen.

      Ich frage mich halt auch, was das sollte mit diesen hässlichen Mutanten, die aussehen wie die Kreaturen in gefühlt jedem Film des Regisseurs. Und ich hasse es, wenn mir Leuten dann mit Begründungen aus den Büchern kommen. Im Film ergeben sie keinen Sinn. Und auch generell ergeben sie in dieser Geschichte keinen Sinn.

  4. Oh, das ist ja wirklich eine harsche Kritik am „Mockingjay“-Finale. Ich halte Katniss übrigens immer noch für einen tollen Charakter, eben auch weil sie instrumentalisiert wird und oft nicht weiß, was sie tun soll. Und die Dreiecksbeziehung, ja, was soll ich sagen? Ich hatte mir ja auch 9 Staffeln „One Tree Hill“ angeschaut… 😉

    Ansonsten muss ich mir diesen Teil ja erst noch anschauen und hoffe, dass er mir besser gefallen wird als dir. 🙂

    • Ja, da hatte ich wirklich einen schlechten Tag. *lach* Für mich ist Katniss leider nicht besonders greifbar.
      Mich hat, neben der Tatsache, dass eine junge Frau wie Katniss einen Jungen wie Peeta wahrscheinlich zum Frühstück verspeisen würde, einfach die Auflösung des Dreiecks irritiert. Inhaltlich und dramaturgisch. Vielleicht kannst du mir das dann ja erklären.

  5. Ich habe von denen nur die Tribute geschaut und bis auf das Ende, das echt voll hahnebüchen ist (blümchenkleid?!?!?!wtf) fand ich den film gut, so wie die davor. Auf Joy freu ich mich schon!!!

      • ich bin zum einen ein Fan von Endzeit-Filmen und das ist ne gut kreierte Endzeit find ich. Ich fand die Bücher gut, so richtig gut! und die Filme also besonders den ersten auch wahnsinnig gut umgesetzt. Ich mag sie als Heldin bzw. Antiheldin(ok dieses ewige hin und her mit den Typen nervt etwas) ich finde die Idee gut bzw. treffend, dass die Revoluzzer zu den neuen Tyrannen werden, ich liebe Bogenschießen! und ich mag sie auch, weil sie keinen großen plan hat, sondern schritt für schritt, Herausforderung für Herausforderung vorangeht.
        Du liest, ich bin grottig im Rezensieren 😉

  6. Hmm, „Joy“ steht auf der Liste, muss vorher aber noch dringendst(!!!!!!!!einseinself) nachholen.
    Und zu Panem: YOLO. ‚Nuff said.

    Jetzt ballerst du aber einen Film nach dem anderen raus. Uff. „Jane Got a Gun“ interessiert mich ja einigermaßen aber hmm. Und „Legends“: Um erhlich zu sein: Ich hasse den Trailer. Ich.hasse.ihn. Und dannnoch dieser andere Trailer, der erst auf witzig macht und dann enden könnte, stattdessen aber noch den ernsten Part ranhängt… Habe den Film jetzt schon gefühlt totgesehen. Mit genügend Abstand wird er vllt. irgendwann auf DVD nachgeholt…

    • Ich finde das so schön, dass wir gemeinsam unseren Tribuehass haben, der uns jetzt auf Ewig bindet. *lach*

      Jetzt wo du es erwähnst, ich muss bei dem Trailer von „Legend“ aufgrund des ernsten Part immer an die eine Arbeit aus dem Studium denken, wo wir aus Material aus „Pulp Fiction“ einen ansprechenden Trailer machen sollten und mir genau diese Zweiteilung angekreidet wurde. Ich hatte übrigens als einzige den Film zu einer romantischen Komödie mit Vincent und Jules als Paar umgeschnippelt. *lach*

  7. Schade, auf „Legend“ habe ich mich eigentlich gefreut. Aber den spar ich mir nun wohl.
    „Joy“ hingegen muss ich auch sehen. Ich finde, das Regie-Schauspieler-Gespann ja wunderbar und super funktionierend. Und wennschon Jennifer, dann lieber in einem guten Film anstelle der Pute von Panem. 🙂

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