Kinowoche: Deadpool & Berlinale

Deadpool

Ich kann verstehen, dass die Welt Deadpool liebt. Zeitweise war es auch ein feiner Spaß, aber am Ende war es für mich doch ein erschreckend konventioneller Film. Da hatte ich bei „Kick-Ass“ damals öfter die Kinnlade unten. Ich meine, wie cool wäre es bitte gewesen, wenn Vanessa dem guten Wade einfach mal in die Fresse haut, dafür dass er ernsthaft glaubt, dass sie ihn aufgrund seiner Entstelltheit spontan nicht mehr lieben könnte. Und dann hätte sie im Nebensatz noch erwähnen können, wie er sie bitte von nun an zu nennen hat, nämlich Copycat. Ach man, ich mochte die Charaktere alle wirklich, aber sie wurden so verbraten. Bis auf die Bösen, die man auch gerne einfach komplett weglassen hätte können. Das wäre auch mal was anderes.

Nachtrag: Die Szene nach dem Abspann hatte aber mein Herz vollkommen eingenommen, weil einer meiner Lieblingsfilme.

7/10


Berlinale Talents

Animated Gifts: Welcome to Cartoon Saloon

Cartoon Saloon wurde 1999 von Tomm Moore und Paul Young gegründet und bescherte der Welt wunderbare 2D-Animationsfilme wie Brendan und das Geheimnis von Kells oder Die Melodie des Meeres.

Im Rahmen der Berlinale waren Tomm Moore und Ross Stewart zu einem Gespräch mit Florian Weghorn eingeladen und erzählten ein wenig über ihren Arbeitsprozess und ihren Werdegang.

Es ist sehr beruhigend, wenn man sich einfach bewusst macht, wie viel Zeit (18-22 Monate) in einen Zeichentrickfilm investiert wird und vor allem wie viele Menschen involviert sind (bis zu 200). Da sitzt keine einzelne Person und kreiert ein Meisterwerk. Das vergesse ich sehr oft, wenn ich denke, dass ich eh nicht gut genug für irgendwas bin. Ansonsten war das Gespräch sehr gut gegliedert, so dass man sich vom Oscar-nominierten Brendan und das Geheimnis von Kells zu dem Gemeinschaftsprojekt The Prophet, wo Tomm Moore und Ross Stewart eine Sequenz gestalteten, hinarbeitete, durchgängig Fragen erwünscht waren und man am Ende Skizzen zum kommenden Film „Wolfwalkers“ sehen durfte. Wenn ihr Fragen bezüglich des Gesprächs habt, dann einfach einen Kommentar posten. Es fällt mir sichtlich schwer alles aus den 90 Minuten adäquat und informativ zusammenzufassen.


Kollektivet

Thomas Vinterberg wieder glücklich vereint mit Ulrich Thomsen und Trine Dyrholm!? Dafür gehe ich auch um 9.30 Uhr ins Kino. Und dann sitze ich auch noch neben jungen Dänen, die den Landsmann ausgiebig feiern. So muss das sein!

Ich weiß, viele Kritiker, die sich einen Magengrubentreter wie „Das Fest“ oder „Die Jagd“ gewünscht haben, waren enttäuscht. Bei mir konnte der Film hingegen vollends seine Magie entfalten. Ich liebe halt Ensemblefilme mit ganz viel menschlicher Interaktion. Und egal, wie viel Zeit ihnen auf der großen Leinwand vergönnt ist, du hast sofort eine Art Vertrautheit bezüglich der Charaktere und fühlst dich zwischen ihnen sehr gut aufgehoben. Klar, der Film hat einige Längen, aber er zeigt auf wunderbar unaufgeregte, ehrliche Weise wie eine Gemeinschaft von Menschen mit dem Leben umgeht. Und dass mit drei der interessantesten weiblichen Charakteren, die mir seit langem untergekommen sind.

9/10


Avant les rues

Ein Film mit Indianern. Da musste ich hineingehen. Allein schon, um auch selbst mehr von Regisseurinnen in Szene gesetzte Werke zu begutachten. Leider ist das Endergebnis recht durchwachsen.

Man bekommt einen Einblick des Teenagerdaseins des Shawnouk und seiner Schwester Kwena und sieht, wie der junge Mann nach einer folgenschweren Nacht vollkommen aus dem Gleichgewicht ist und den Bezug zu sich, seiner Umwelt und seinem Leben finden muss. Oder so sollte es sein. Der Film ist exzellent besetzt, aber es krankt am Drehbuch. Die Regisseurin meinte, sie wollte Konventionen vermeiden und habe meist erst am Drehtag gesagt, was überhaupt realisiert werden soll. Da fehlte mir Stringenz und auch eine gewisse Dramaturgie, um Emotionen zu wecken. Das einzige, was pure Kinomagie ausstrahlte, waren die musikalischen Momente, wo man die Lage, die Gefühle des Protagonisten so gut einfing. Und ich war sehr fasziniert, wie manche Menschen selbst geflochtene Zöpfchen und Oberlippenbart mitsamt kleidsamen Hoppertum rocken können. Mich könnte man jedenfalls in der Aufmachung nicht ernst nehmen.

Schade, auch hier sehr viel verschenktes Potenzial. Aber interessant einen Film komplett auf Atikamekw zu sehen.

6.5/10


Bein gderot

Ich bin ja ein großer Befürworter davon, eben nicht die Kamera nur auf irgendetwas grausames zu halten und es auszuschlachten, sondern durch Abstraktion und Konfrontation zum Zuschauer vorzudringen. Hier haben afrikanische Flüchtlinge, die in Israel eher unfein behandelt werden, die Möglichkeit durch Rollenspiele zu zeigen, was ihnen so zugestoßen ist. Dies ist manchmal amüsant, manchmal fassungslos machend, aber auf jeden Fall ein gute Art, um den Menschen in unzumutbaren Lagen ein Stück Raum zu geben, sich auszuleben, etwas sinnvolles zu machen.

Interessant war auch das Q & A mit dem Regisseur Avi Mograbi, der mit sehr bissigen Humor auf die Fragen bezüglich seines Films und besonders der (Flüchtlings)Politik seines Heimatlandes Israel antwortete. Da hätte ich den älteren Herren vor mir auch gerne geohrfeigt, der den Moment nutze, um ein „Wenn das ein Deutscher sagen würde…“ zu artikulieren. Solange ich nicht einmal zu Urlaubszwecken in einem Land war, dann werde ich doch nicht über dieses Land urteilen. In der Zeit habe ich die Pflicht als Bürger auf Deutschland zu knüppeln, so gut es geht. Da gibt es schließlich genug Baustellen.

7.5/10

Kinowoche

4 Comments Hinterlasse einen Kommentar

    • Ahaha, ich war echt ein bisschen schockiert, dass das ernsthaft das Endprodukt nach 10 Jahren Kampf ist. Er hat seine Momente und Deadpool ist schon eine interessante Figur, aber die Story hätte ich dir auch in 5 Minuten auf nen Bierdeckel schreiben können.

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