Kinowoche: Zoolander 2 & Colonia Dignidad

Zoolander 2

Ich fand den Trailer lustig und ich habe mich sehr gefreut, dass ich meinen SNL-Liebling Kyle Mooney auch mal auf der großen Leinwand sehen darf. Auch andere bekannte Gesichter gesellten sich dazu. Und trotzdem funktioniert so vieles in dem Film für mich nicht. (Das Problem hatte ich allerdings auch beim Vorgänger.) In schriftlicher Form oder wenn ich über einzelne Gags nachdenke, entlockt es mir schon ein Grinsen, aber beim Schauen des Endprodukts war es ein klassischer Fall von zu hohen Erwartungen durch das Verbraten der besten Szenen im Trailer. Und ich hatte leider keine allzu volle Vorstellung erwischt, wie ich es gerne bei Komödien habe. Das kann man aber in toller Atmosphäre mit bescheuerten tollen Menschen Zuhause in Originalfassung noch einmal nachholen. 

Was mich aber wirklich schmerzt, ist die Verschwendung von Kristen Wiig, die allein schon durch ihre Aufmachung viel mehr Zeit vor der Kamera und Sinn verdient hätte:

Hat eigentlich sonst noch jemand so Schwierigkeiten mit der Figur des Derek Zoolander an sich? Klar, der ist halt dämlich, aber er war mir niemals wirklich sympathisch. Wohingegen ich tendenziell Sachen die Hansel betrafen ziemlich lustig fand. Diese innige Beziehung zur Orgie. Sein Vater. Die Blicke von Kiefer. Irgendwie finde ich, ist er die spannendere Figur. Oder ich möchte hiermit meine verborgene, unterbewusste Liebe zu Owen Wilson ausdrücken. Man weiß es nicht.

6.5/10

Colonia Dignidad

Deutsche Bewertung bei Moviepilot: 5,7

Bewertung auf IMDB: 7,4

So typisch, Filme an denen Deutsche beteiligt sind und die durch einen internationalen Cast und eine eher amerikanische Dramaturgie auch die breite Masse erreichen sollen, darf man hierzulande natürlich nicht gut finden. Da wird eine tatsächliche Einrichtung und deren Opfern für böses Unterhaltungskino ausgeweidet. Bla bla bla. ES GIBT KEINE EINE WAHRHEIT, VERDAMMT NOCHMAL! SELBST DOKUMENTATIONEN SIND ZUTIEFST SUBJEKTIV, GENAU WIE ALLES WAS DER MENSCH SO FABRIZIERT. Herrje Welt, wann verstehst du endlich. 

Klar, Emma Watson ist einfach zu schön für diese Welt (aber alle Menschen sehen in Filmen einfach besser aus) und es ist eigenartig, dass alle in englischer Sprache kommunizieren, aber das schmälert nicht den Wert dieser Geschichte. Für mich funktionieren die Protagonisten. Die Chemie stimmt und ich fühle die Kraft, die Motivation der Lena herauszufinden, wohin ihr Angebeteter während des Militärputsches in Chile verschleppt wurde. Man braucht in diesem Film Bezugspersonen mit denen man mitfiebert, denen man ein kitschiges Happy End wünscht, ansonsten kann man sich auch einfach eine Dokumentation über die sogenannte Colonia Dignidad anschauen und einfach durchweinen während die Betroffenen von dem erlebten Leid erzählen. 

Ich jedenfalls lasse menschliches Leid viel zu nah an mich heran und stand sehr unter Strom beim Schauen und möchte der deutschen Botschaft in Chile und allen Involvierten mit großem Vergnügen vor die Haustür kacken. Ich habe ganz große Probleme mit dem Fakt, dass Menschen mit Macht und Verantwortung da draußen nicht ihre Arbeit machen und Menschen wie Paul Schäfer in Gewahrsam nehmen, bevor noch mehr Menschen vergewaltigt, erniedrigt und auf verschiedenste Art psychisch und physisch angegangen werden. Das ist alles so verdammt beschämend und deprimierend und ich bin nicht einmal die Person, die sich gefälligst so fühlen sollte. 

Was für ein Horrorfilm. Michael Nyqvist hat mir mehr Angst gemacht, als alle Gruselgestalten der Filmgeschichte zusammen.

8/10

Kinowoche

14 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Der „Zoolander 2“ Trailer sah schrecklich aus.
    Ich glaube, ich kenne nicht einmal den ersten Teil.

    „Colonia Dignidad“ war ein guter und spannender Film.
    Politik. Fanatismus. Deutschtum. Semi-Women-in-Prison.
    Passt.

  2. … Zoolander 1 oder 2 beide Trailer finde ich unglaublich witzig und da bin ich ganz bei dir, die Filme haben mehr als nur eine Länge, die Wortkomik schwächet enorm… LG back on Track, Rita

  3. “Colonia Dignidad” sieht für mich aus wie Jonestown in der NS-Zeit gepaart mit KZ. Ich hoffe meine Empfindung ist nicht zu pietätslos, aber anders könnte ich dieses Grauen nicht beschrieben. Wer denkt sich sowas zur Hölle aus? (Nach einer wahren Geschichte, ist schließlich ein sehr dehnbarer Begriff)

  4. Colonia Dignidad ist natürlich ein lohnendes Filmthema. Allerdings tue ich mich immer mit Daniel Brühl schwer. Daher habe ich bisher einen Bogen um den Film gemacht.

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