Kinowoche: Sing Street & Conjuring 2

Von Film zu Film lerne ich John Carney immer mehr zu hassen. Alle lieben seine achso authentischen, kleinen Filme über Musik, wohingegen ich immer aggressiver werde. „Once“ hat ein paar schöne Songs und zwei gute Darsteller, das hatte Carneys Debüt mitsamt der Indieoptik gerettet, „Can A Song Save A Life?“ hat zwar auch zwei, drei Hollywoodleute, denen ich wohlgesonnen bin, aber langweiliges Geklimper ohne Herz und Seele und eine Geschichte, die wir so oft in besser präsentiert bekommen haben. Jetzt „Sing Street“, auf den ich mich nach den Reaktionen hier und dem Trailer wirklich gefreut habe.

Wat is denn dein Problem Franzi?

Bei der Widmung am Ende wurde mir klar, was eigentlich die Intention war und ich empfand das Ergebnis als komplette Themenverfehlung. Die einzigen Charaktere, die ein wenig Seele haben, zum Leben erwachen sind der Protagonist und sein Bruder. Wenn man also seinem Bruder ein filmisches Denkmal setzen möchte, sollte man sich doch wohl darauf konzentrieren, oder? Genauso, das schulische Umfeld, die Erniedrigungen etc. die wahrlich eine wichtige Aussage bezüglich Schulsystem etc. hätten beinhalten können. Oder das Formen einer Band um genau gegen solche Menschen wie der Schuldirektor Macht auszuüben. Fight the system und so. Aber nein, es ist ja ein Film von John Carney. Da haben wir also ein Mädchen, was Model werden will (Was sonst, gibt ja keine weiblichen Wesen, die auch Kunstschaffene werden wollen. Oder eine echte Persönlichkeit haben.) und natürlich voll die krasse familiäre Backstory hat und dementsprechend psychisch instabil (Girls mit Problemen sind ja schließlich noch sexier.) ist. Da muss man natürlich eine Band gründen, um sie zu erobern. Der weise Bruder bildet sie musikalisch aus und man lässt sich im Hintergrund mit Duran Duran, The Cure oder Spandau Ballet berieseln, um danach eine schlechtgeklaute Version (Man nennt es wahrscheinlich Hommage.) von der filminternen Band zu hören. Generell, der Soundtrack wirkt als hätte jemand „Hits der 80er“ gegooglet und einfach die bekanntesten herausgesucht. Ich spüre da keine echte Leidenschaft für Musik.

Ach ja, die Band besteht aus Jungen, die alle mit einem Satz zusammengefasst werden können: Der mit dem Hasen, der Businessorientierte Ginger, die zwei an die sich keiner mehr erinnert und der Schwarze, der selbst im Film nur in der Band ist, damit man einen Quotenschwarzen hat.

Aidan Gillen macht nichts anderes als in der Wohnung immer einen Tick abseits der restlichen Familie zu stehen. Damit wahrscheinlich auch die Gehirnamputierten verstehen, dass er und seine Frau sich scheiden lassen wollen.

Was gibt’s noch? Achja, es gibt noch eine dritte weibliche Person: Des Protagonists Schwester. Der große Bruder, der sein Leben leidvoll zum Scheitern brachte und jetzt seinem kleinen Bruder die Magie der Musik näher bringt ist natürlich der tragische Held, denn er hat sich aufgeopfert, hat die Wege für seine kleinen Geschwister geebnet und das bei solch furchtbaren Eltern. Die Schwester, die als Kind so gern gemalt hat, ist aber unrockbar, denn sie studiert Architektur, was ja nicht unter Träume verwirklichen zählt. Langweilig und voll streberhaft. Absolute Spassbremse.

Wenn ich einen Film über die Magie von Musik sehen will, schaue ich mir „Almost Famous“ an. Geschrieben und regissiert von jemandem, dem ich die Leidenschaft abkaufe. Und Penny Lane hat 1000 Mal mehr Tiefe und Schönheit als der Loveinterest hier. So bäh.

6 von 10

Da rennt man ins Kino, weil auf der Kinoseite beim Casting David Thewlis angepriesen wurde und bekommt ihn in der deutschen Fassung nicht. Habe mir nämlich danach mal den englischen Trailer angeschaut und sofort gehört, wem die Stimme auf dem Tonbandgerät gehört. Ha! Ansonsten hatte es der zweite Teil sehr schwer bei mir, einfach weil ich das Casting des ersten Teils sehr mochte, auch das Setting, womit ich hier richtig Probleme hatte. Ich hatte einfach zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, ich müsse mir Sorgen um mein Lieblingsgeisterjägerpaar machen. Das heißt aber nicht, dass ich mich gelangweilt habe. Keine Sorge, ich habe artig in der letzten Reihe eines leeren Kino gehockt und eine neue Horrorfilmtradition eingeführt: Sprachnachrichten (während im Film gerade alle am ausrasten sind) schicken und mich so ein wenig zu regulieren. Will doch in meinem Alter nicht an einem Herzinfarkt sterben. Die Nonne hat mich übrigens an Marilyn Manson erinnert.

Ich glaube meine Wertung ist ein wenig harsch, mal schauen, wie er im Heimkino im Double Feature mit dem ersten Teil wirkt.

7 von 10

Kinowoche

8 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Was hast du denn bitte für Hintergrundgeräusche in deinen Sprachnachrichten? ;D

    Hmm… Meine Mitbewohnerin hat „Once“ geliebt, dann empfehle ich hier einfach „Almost Famous“ falls sie weitere musikalische Debüts sehen will ^^

  2. … ONCE war ganz mein Film, aber ich muss dir Recht geben Franzi, die Zutatenliste für SING STREET klingt nach abgelaufener Gewürzmischung… für Horror bin ich zu sensibel…

    • Kann ich verstehen, Horrorfilme können zu aufdringlich und anstrengend sein. 😂

      Wie gesagt, „Once“ wird von den zwei Protagonisten gut getragen, aber das was bei hängen geblieben ist, ist die Musik und nicht eine Filmszene. Ergo nicht besonders wertvoller Film, aber wunderschöner Soundtrack.

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