Beck (+ Band of Horses) in der Columbiahalle (22. Juni 2016)

Beck liebt mich. Wie ist sonst seine Setlist zu erklären?

Es passiert selten, dass ich bei einem Konzert das Gefühl habe, dass es nur für mich stattfindet und nur für mich so abläuft wie es abläuft. Da entsteht danach der Drang auf irgendeinem Weg dem Künstler Dank auszusprechen. Und ein Gefühl der herzlichen Wärme begleitet einen auf dem Weg nach Hause. Solch Zustand ist immer eine willkommene Überraschung.

Gerechnet habe ich damit nicht, denn ich war primär sauer. Gestern beim Notarzt hübsch am Finger verarztet, sah ich mich in der Zitadelle entspannt am Rande auf einer Decke picknicken, bei schönem Ambiente und frischer Luft der Musik lauschend, aber nein, Verlegung in die Columbiahalle, da IHR alle anscheinend die letzten Jahre genutzt habt, Beck und Band of Horses fremd zugehen und es nicht für eure Pflicht haltet, dabei zu sein, wenn die Vorband nach 3 Jahren ein Album vorstellt und der Hauptact das erste Mal (laut Setlist.fm) seit 2008 in Berlin ist. Püh.

Da stand ich nun und erwartete alles und nichts. Es hätte eine abgedrehte Kunstshow werden können, sperrig oder einfach Beck, eine Akustikgitarre und die traurigen Lieder. Oder, da letztens Jubiläum war, ausschließlich Songs des Albums „Odelay“. Man weiß ja nie.

Vor Band of Horses liefen im Hintergrund nur gute Songs, die mich schon glücklich machten.

Nach der perfekten Setlist von den Pferdefreunden lief Devo in Dauerschleife. Das hat mich auch sehr glücklich gemacht. Und noch bekloppster im Kopf, denn nach spätestens drei leidenschaftlichen Mitsingzelebrierungen hat man das starke Bedürfnis, sich eine eigenartige Kopfbedeckung zuzulegen und nur noch in Ganzkörperkostümen durchs Leben zu gehen.

Und dann geht das Licht aus, es flackert rot auf und eine 5-köpfige Band steht vor mir und haut mir erst einmal „Devil’s Haircut“ um die Ohren. Feiner, gerader Rock mit Posen und viel Spielfreude. Ich bin verwirrt, aber glücklich. Danach folgt „Black Tambourine“ und ich werde ganz aufgeregt. „Guero“ ist mein Album. Im schwedischen Wald vor über 10 Jahren das erste Mal gehört, genauso wie „Medúlla“ von Björk, mit großem Staunen, dass so Musik auch klingen kann. So langsam beschleicht mich der Verdacht, dass heute Wunschkonzert ist.

„Think I’m In Love“, „Loser“, „Hell Yes“.

Ich bestaune den Tanzstil, der mich zum Gedanken führt, dass Beck und Drake dringend kollaborieren sollten. Die spontane „I feel Love“-Donna-Summer-Einlage stärkt meine Vorstellung. Warum ist denn Beck bitte so herzlich und zugleich so stadionrockskillsbewandert ohne verlogen dabei zu wirken? Er teilt mir mit, dass er heute ein Hemd mit tropical islands trägt. Dass wir uns alle gerade auf einer tropical island befinden oder es man sich vorstellen könne. Und es sei ganz schön heiß auf der Bühne. So heiß, dass man auch gleich „Hot in Here“ anstimmen kann. Es ist Liebe.

„Qué Onda Guero“, „The New Pollution“, Mixed Bizness“, „Go It Alone“.

Gestandener Musiker scheitert am Stimmen der Gitarre. Ein Versuch, dann zusammen mit dem anderen Gitarristen, selten bei Konzerten so gelacht. Eine tolle Chemie haben die da auf der Bühne.

„Soul of a Man“, „Modern Guilt“, „Paper Tiger“, „Lost Cause“.

Ich brauche das. Ein, zwei Songs, die dich beim Konzert wieder von deiner Euphoriewolke herunterziehen, dich zerbrechlich als der einsamste Mensch der Welt zurücklassen, es aber irgendwie eine schöne Art der Melancholie ist, die nur kurz zu Besuch ist und sich nicht einnistet. Einmal kurz Herz ausbluten quasi.

„Say Goodbye“, „Heart Is a Drum“,Blue Moon“.

„I’m so tired of being alone“ singt er und es tut weh. (Siehe Beitrag darüber) Da lindert auch nicht der Fakt, dass er das mit dem Stimmen der Gitarre davor wieder vermasselt hat. Drang mit Beck zu quatschen steigt. Zweifle daran, ob ich solch perfekte Setlist überhaupt verdiene, schiebe den Gedanken aber auf die derzeitige Akustikdarbietung.

Dreams, Girl, Sexx Laws, E-Pro.

„Talking trash to the garbage around you.“, meine Lieblingszeile aus einem Beck-Song, tatsächlich live gesehen, live mitgegrölt und sich erfreut an dem Bananashakenden Herren und seiner gutgelaunten Truppe. Als hätte er geahnt, dass ich zu Zeiten von „Guero“ mit 12 Jahren dieses Erlebnis noch nicht recht würdigen und erfassen hätte können.

Where It’s At.

Gibt es einen besseren Song, um noch einmal alle Mitmusikanten zu würdigen? Da darf jeder brillieren. Mitten im Song wird fröhlich zu Bowies „China Girl“, Kraftwerks „Pocket Calculator“ (I think) oder Prince (Song ist mir immer noch nicht eingefallen.) gewechselt, bis am Ende endlich alle fröhlich in die Luft springen. Jeht doch, Berlin!

 

 

 

Musik

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