Kinowoche: Smaragdgrün, BFG & Ghostbusters

Als ehemalige Regiestudentin muss ich hin und wieder schauen, was der deutsche Film so macht. Zuhause hatte ich die zwei Vorgänger gesehen, manchmal kurz eingenickt, aber alles in einem als nett eingestuft. Man hat sich Mühe gegeben mit den Kostümen, den Schauspielern hat es Spaß gemacht und man brauchte sich wenigstens visuell nicht hinter internationalen Kinder- und Jugendproduktionen verstecken. Und Onkel Paul ist heiß.

Nun wurde die Trilogie beendet und ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich das Spektakel zum ersten Mal auf der großen Leinwand sah, aber ich konnte diesmal über einige wichtige Dinge nicht hinwegsehen.

  1. Das Thema Selbstmord (aufgrund von Liebeskummer) hat in dieser dargestellten Form nichts in einem Film für diese Altersgruppe zu suchen.
  2. Dieses komische Vieh mit der Stimme von Rufus Beck ist der nervigste, sinnloseste Charakter, der mir seit Jahren untergekommen ist. Hässlich ist er auch noch.
  3. Die wahre Liebe, die einem dort präsentiert wird, ist ähnlich greifbar, wie die von Edward und Bella aus „Twilight“.
  4. Ich kann der Geschichte nicht folgen bzw. sie ergibt für mich von vorne bis hinten keinen Sinn.
  5. Die Geschichte funktioniert wahrscheinlich nur für Leute, die die Bücher gelesen haben.
  6. Genau wie bei anderen Jugendbuchverfilmungen (Hunger Games *hust*) fühle ich mich am Ende irgendwie verarscht.
  7. Ich habe das Gefühl, seit Jane Austen, den Brontë-Schwestern und Konsorten, werden Autorinnen immer bescheuerter in Bezug auf ihr Ideal einer Liebesbeziehung. Ich möchte da am liebsten einen Therapeuten kontaktieren. Egal, ob die Herrschaften hier, Katniss und Peeta, Edward und Bella, alle Beteiligten aus „Er steht einfach nicht auf dich“ etc.

5,5/10

Mir hat ja dieses warme, liebevolle Lächeln des großen Herrn regelmäßig die Tränen in die Augen getrieben. Hatte das starke Bedürfnis ihn dauerzuumarmen.

Für mich war es sehr erfrischend mal wieder einen klassischen Kinderfilm zu sehen, der nicht zu einem Metzelfest mutiert, wie beispielsweise „Pan“. Man braucht nicht immer eine große Schlacht zwischen Gut und Böse. Da hatte ich hier kurz auch meine Bedenken als das Militär anrückt, aber hier wird niemand getötet, nur zwangsveganisiert. Das find ich prima.

Und wer ernsthaft ein Problem mit dem Furzgag hat, war nie selbst ein Kind. Die ganze Sequenz bei der Mayonnaise äh Queen war superb.

7,5/10

Ich glaube, um hier wirklich alle meine Gedanken zu der Gesamtsituation von Hollywood, Franchises mit 80er-Jahre-Hintergrund und der Rolle des Internets und der Stellung der Frau einzufangen, müsste ich eine Doktorarbeit schreiben. Also versuche ich mich kurz zu fassen und hoffe, dass etwas verständliches dabei herauskommt.

Ich habe mich im Kino gut unterhalten gefühlt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass hier auf dem Grab von Harold Ramis getanzt wurde, ich hatte nicht das Gefühl, dass da für die Fans etwas hingerotzt wurde. Aufgrund der Umstände war kein Meisterwerk zu erwarten, denn heutzutage haben wir vielleicht alle 5-10 Jahre einen Blockbuster, der uns umhaut aufgrund von Kreativität und Brillianz. Und wir wissen alle wie lange es gedauert hat bis „Mad Max: Fury Road“ realisiert wurde. Und in „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ saß ich zweimal mit vielleicht fünf anderen Menschen, da kann man also nicht vom großen Popcornkino reden.

Was will ich sagen?

Hollywood macht das, was sicher ist und funktioniert. Und das sind nun mal nicht neue, frische Impulse, sondern Superhelden, Remakes und Reboots. Und daran wird sich nur dann etwas ändern, wenn die Massen da nicht mehr rein rennen. Aber wenn eben diese Massen schon ganz panisch werden, wenn man ein Reboot mit Frauen besetzt und einen Aufruhr veranstalten, den ich mir bei jeder einzelnen Tortur durch die Trailer der neuen Turtlesfilme (von Michael Bay, den ja angeblich jeder Filminteressierte nicht einmal mit Schutzhandschuhen anfassen würde) gwünscht hätte, dann empfinde ich das als durchaus verlogen, wenn man das damit begründet, dass einem die Kindheit genommen wird.

Und dann werden auch keine subversiveren Filme mit spannender Handlung in der nächsten Zeit folgen. Damit meine ich nicht, dass man jetzt in den neuen Ghostbusters rennen soll und alles toll und superfeministisch finden soll. Das ist quatsch. Aber ich finde die meisten Kritiken, die im Vorfeld abgegeben wurden vermessen. Und ich empfand den Umgang mit allen Involvierten als unfein. Ich habe die alten Ghostbusters auch gefühlt jeden Sonntag auf Kabel 1 geschaut und zum einschlafen die Hörspielkassetten gehört und dadurch, dass unsere alten Herren Murray, Aykroyd und Co. die Rechte besitzen und somit das letzte Wort bei neuen filmischen Abenteuer haben, verhielt ich mich solidarisch. Dachte Fans haben Vertrauen in ihre heißgeliebten Stars. Stattdessen wurde von vornherein auf den Cast eingeprügelt, noch bevor überhaupt gedreht wurde, was ich, als jemand der alle Folgen von Saturday Night Live seit 2009 verfolgt hat, unglaublich ungerechtfertigt fand. Denn auch wenn Kristen Wiig auf humoristischer Ebene nicht mit mir immer harmoniert, war sie die, die für viele Jahre den Cast zusammengehalten hat. Und Kate McKinnon und Leslie Jones sind meine Lieblinge im derzeitigen Cast, so dass mir die Besetzung aufgrund der SNL-Vergangenheit der Mitglieder des Originalteams total logisch erschien.

Woran scheitert der Film also nun?

Die Geschichte. Wie immer. Das war aber abzusehen, wenn man bedenkt, dass Menschen emotionale Wesen sind. Ich möchte da auch gar nicht mit Paul Feig oder Katie Dippold tauschen. Soweit ich weiß wurde einer der ersten Entwürfe ins Internet geschleust und ordentlich verrissen (bin zu faul nochmal nachzugooglen, deswegen an dieser Stelle gefährliches Halbwissen), was jetzt nicht unbedingt die Umgebung ist, die man braucht um originelle Drehbücher zu schreiben. Ich kenne jedenfalls niemanden, der gute kreative Arbeit leistet, wenn man ihm konstant sagt, dass er/sie eh scheiße ist und demnach nur scheiße produzieren kann.

Da beißt sich die Katze in den Schwanz, wa!

Ich jedenfalls kann diesem Versuch durchaus etwas positives abgewinnen. Ich mag den Cast, ich mag die Geister und kleine Spielereien wie die Überlappung des schwarzen Rands durch eben jene, ich liebe Sigourney Weaver & Holtzmann und das Video nach dem Abspann mit den ganzen Fans. Und Chris Hemsworth, wenn er dumm ist.

7,5/10

Kinowoche

15 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Deine Besprechung zu „Ghostbusters“ liest sich so als wäre der Film deutlich schlechter als „The BFG“, trotz gleicher Punktzahl. Insofern macht mir das Hoffnung für „Ghostbusters“, den ich dann irgendwann doch mal nachholen werde.

  2. Kann Dir in allem zustimmen, was du zu „Ghostbusters“ schreibst. Ich möchte den auch unbedingt sehen, nicht weil ich denke, dass er mir gefallen wird, sondern weil ich einfach sehen möchte, wie viel Kritik nun gerechtfertigt ist und wie viel einfach nur Rumgeheule ohne Bezug zur Realität ist. Größtes Problem ist dabei bisher, dass ich niemanden kenne, der mit mir mitkommen möchte. Der Film scheint niemanden zu interessieren.

  3. Ich wollte Ghostbusters eigentlich nicht sehen. Weil ich die Originale nie vollständig gesehen habe und Remakes bzw. Reboots (noch schlimmer) eigentlich nicht mag. Aber dieser pawlowsche Automatismus mit dem sofort aufgejault wurde und das nur weil Frauen die achso-heiligen Titelhelden geben, das nervt mich einfach. Einen Film anhand des Trailers schon so krass abzulehnen, finde ich übertrieben, gerade wenn man an dein Beispiel Michael Bay denkt. Ich finde, seine Ninjas absolut gruselig, warum gab es da keinen Aufruhr?! Ich werde mir Ghostbusters nun doch im Kino ansehen, weil ich A) eben doch ein bisschen solidarisch bin und B) mir eine eigene Meinung bilden möchte. Schlechter als viele andere Blockbuster der letzten Jahre wird er wohl nicht sein. Einzig Paul Feig macht mir ein bisschen Sorge, denn bisher konnte mich noch keiner seiner Filme so recht überzeugen. Also, die ich gesehen habe.

  4. Amen zum Ghostbusters-Teil! Hab ihn schon gesehen, bin aber gerade zu kritikmüde in dieser Beziehung. Muss sagen, dass ich nur einmal lachen konnte und das in der Konzertszene mit Leslie Jones. Ansonsten müssen schwarze Frauen eben einfach nur die Quote erfüllen und rumprollen… Ich würde Mrs. Jones gern mal in einer ernsthaften Rolle sehen. Die haut einen mit Sicherheit um und jeder wird sagen: „Wow, hätt nicht gedacht, dass sie das bringt.“

  5. Dein Vergleich mit den Turtles ist ziemlich passend. Ich glaube ja, dass dieser ganze Shitstorm irgendwie auch ein bisschen Aufruhr gegen die ewigen Remakes und Reboots sein sollte. NUr hat es da den völlig falschen Fil und vor allem hat man den völlig falschen Ton getroffen. Das der Film nicht hingerotzt ist, sehe ich aber anders. Außer bei den Darstellerinnen sehe ich eigentlich an keiner Stelle, dass da jemand groß motiviert war, was aus der Sache zu machen. Nur können die die Scheiße natürlich auch nicht retten. Paul Feig ist halt ein sich selbst überschätzendes Arschloch, der besser im Vorfeld einfach mal seine Schnauze gehalten hätte. Dann hätte man den Film auch etwas anders bewerten können. So bleibt es ein weiteres hingeschleimtes Remake, das jede Menge Potenzial liegen lässt und den ganzen Aufruhr absolut nicht wert war.

  6. … ich möchte ja nicht an Ikonen kratzen, aber auf den ersten Blick in den Trailer sehe ich noch nichts so übles, schliesslich war das Original auch nur mit Schenkelklopfern ausgestattet… die Bfg Vorschau lässt zaubervolles erwarten 😉

  7. Saphirblau etc. sind an mir tatsächlich komplett vorüber gegangen… Also her meine Frage, es geht um Selbstmord?! Ich dachte nur um Zeitreisen und in anbetracht dessen, dass heutzutage schon sechsjährige Harry Potter lesen denke ich so, dass das Thema Selbstmord irgendwie das geringste Problem ist. Siehe Shades of Gray bei Fünftklässlern…

    Oh Peeta… Ich hatte mich gerade beruhigt ;D

    und Ghostbusters? Och joa…. *pffffff* Da Frauen das Drehbuch geschrieben haben kann es ja wohl nicht so schlimm sein. Soll Hollywood doch tun was es nicht lassen kann.

  8. Smaragdgrün hat leider mit den Büchern überhaupt nichts mehr zu tun. Es sind vielleicht noch „Motive“ aus den Büchern dabei und die Charaktere wurden benutzt, aber der Rest ist nur blöd. Die Geschichte macht keinen wirklichen Sinn mehr. Rubinrot war noch ganz gut, Saphirblau war grenzwertig und Smaragdgrün war nur schlecht. Außer die Kostüme, die sind schön. Leider ist von den Büchern fast nichts mehr übrig und die hab ich damals doch sehr gemocht. Und gut zu lesen sind sie immer noch.

    • Ich hatte auch gehört, dass es eher lose adaptiert wurde. Aber hat nicht die Autorin selbst ihre Bücher für die Filme aufbereitet? Dann muss es doch eine Erklärung für die zahlreichen Veränderungen geben.

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