L7 im Columbia Theater (30. August 2016)

L7 oder warum Feminismus immer noch wichtig ist

Wenn eine Band über eine Dekade abstinent war, dann ist eine gewisse Anspannung und Vorfreude in der Luft. Viele Menschen kommen zusammen, die diesen Moment erträumt haben. Angeheizt durch Led Zeppelin in Dauerschleife kann man ein äußerst diverses Publikum beobachten. Auffällig viele weibliche Wesen zeigen sich in ihrer Vielfalt, von gothischen Auswüchsen, kahlen Skinmädchen bis zu natürlichen Damen, die galant ihr blondes Haar schwingen, ist alles vertreten.

Und auch die männlichen Besucher decken alles ab vom grau- bis weißhaarigen Gentleman zum zutattowierten Melvins-Shirt tragenden Ex-Grunger.

Es wirkt wie eine andere Zeit.

Die Band beginnt und wirklich jeder, JEDER, ist von der ersten Sekunde verloren in Ekstase. Keine Kameras, keine Handys und Selbstdarstellung. Es wird einzig und allein gerockt.

Die Musik ist das einzige was zählt.

Oder das einzige was zählen sollte.

Man ist eine Einheit, verbunden und irgendwie vertraut, wie ich es im Gespräch mit meinen Nachbarinnen zur Rechten vorher empfunden habe. Solidarisch, empathisch und natürlich über Faith No More und insbesonderen Mike Patton philosophierend.

Doch da ist ja noch die Dame zu meiner Linken. Zuerst hinter mir stehend, stellt sie ihren Fuß provokativ zwischen meinen neuen Freundinnen und mich, wie ein Rammbock, fest entschlossen in die erste Reihe zu gelangen. Nicht, dass neben mir noch Platz gewesen wäre.

Diesen Platz nimmt sie schmollend ein, nachdem wir als Gemeinschaft auftreten, gerne ohne ihren Kopf dazwischen weiter kommunizieren möchten.

Aber sie gibt nicht auf.

Durchgängig, bis zum letzten Ton der Band drückt sie sich gegen mich mit vollem Gewicht. Schulter an Schulter will sie mich nach hinten drängen, mit guter Miene zum bösem Spiel, wie es so schön heißt.

Und ich weiß wieder, warum ich im Herzen Feministin bin. Und warum das Thema noch nicht abgegessen ist. Denn so ein Verhalten kenne ich nur von weiblichen Wesen. Ausschließlich.

Also Frau, emanzipiere dich! Führe keinen Krieg gegen deine Geschlechtsgenossinnen und stresse mich nicht.

Musik

10 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. so trottel(-innen) gibts leider fast an jedem konzert. hatte deswegen mit so einem muskelprotz am hurts im x-tra vor ein paar jahren fast ne schlägerei. und das schon nach dem 2. song. konnts danach, weil innerlich gekocht, das konzert nicht geniessen.

    • Krass, bei Hurts?! Ich hatte meine erste Prügelei fast bei Refused, wo man dank der Musik wenigstens ordentlich Dampf ablassen konnte. Hatte da auch fast gehofft den Kerl am Ende noch einmal zu sehen, um ihm ordentlich eine runterzuhauen.

      Aber diese nicht artikulierte Passivaggressivität kotzt mich da noch mehr an.

      Schade, dass so etwas öfter passiert.

  2. Hm…. ich kenne zickige Mädchen und Jungs… wobei die Jungs sich nach drei Minuten häufig wieder einkriegen… Bei Mädchen kann das eben einen ganzen Abend oder über Wochen gehen. Was die Evolution sich dabei allerdings gedacht hat weiß ich bis heute nicht. Ich meine Herumzicken war damals in der Steinzeit wohl hoffentlich nicht angesagt.

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