Pure & Crafted Festival 2016 (12 &13. August)

Das Pure & Crafted Festival ging in die zweite Runde. Letztes Jahr noch recht chaotisch, aber mit dem Vorzug bei großartigen Bands keinerlei Schwierigkeiten zu haben in die erste Reihe zu kommen, konnte ich mir diese Möglichkeit bei Noel Fuckin‘ Gallagher nicht nehmen lassen. Bei seinem Konzert im Tempodrom war ich nämlich nur bis zur Mitte vorgedrungen.

Was sonst noch passierte, lest ihr jetzt. Und falls ihr die Abenteuer des letzten Jahres verpasst habt:

Pure & Crafted Festival 2015


Freitag, 12. August

Was ich beim Rundgang sofort bemerkte und mich freute, war das Gefühl, dass es von vornherein besser besucht war, die Stimmung lockerer war und die Bikerleute und die Musikfans sich mehr mischten. Dass es trotzdem eine kuriose Mischung ist, die selbst die spielenden Bands ein wenig irritiert, macht es irgendwie liebenswert. Ich mag, wenn Dinge nicht zu passen scheinen.

Was ich wirklich schade fand, um mal die einzige negative Entwicklung abzuarbeiten, war das kulinarische Angebot. Letztes Jahr noch gut gespeist, waren dieses Jahr die Angebote jenseits der tierischen Produkte nicht existent. Und ich hatte mich schon so sehr auf meinen Burrito gefreut. Dann sind wir halt zu aller erst zurück zum Bahnhof, um entspannt einen Teller Pommes zu schaufeln. Im guten alten Imbiss vor der Galeria Kaufhof.

Nun zu den positiven Errungenschaften.

Es gab eine kleine feine Fotoausstellung und einen kleinen Kinosaal, draußen gab es wieder den coolen Motodrom, eine Kinderspielecke und nach den Bands wurde Punkrock Karaoke zelebriert. Dazu aber später.

Tim Vantol

Von diesem Herrn hatte ich noch nie etwas gehört, doch nicht nur mich, sondern ausnahmslos jeden konnte er mit seiner sympathischen Art und seiner rauen Stimme begeistern. Tolles Kerlchen. Und wir haben sogar Festivalbesucher vom letzten Jahr wieder erkannt.

Band of Skulls

Ich hatte richtig Lust zu rocken, doch leider sah das Publikum es ein wenig anders. War anscheinend zu hell und früh um die Beinchen zu bewegen. Die Band hat das abgeliefert, was ich kannte und wollte, perfekte Festivalband, aber für ein Einzelkonzert von Band Of Skulls fehlte mir irgendwie der besondere Zauber.

Mando Diao

Ich habe ja schlimmstes erwartet. Meine letzte Begegnung mit den Herren war die Übertragung ihres Auftritts bei Rock am Ring, wo sie in bekloppten Outfits ihr beklopptes neues Album gespielt haben und ich mich fragte, was denn nu kaputt sei.

Da war ich dementsprechend beruhigt als sie mir in normaler Kleidung entgegentraten. Was man man auf der Aufnahme des Eröffnungsmoments leider nicht sieht, ist die Fehlzündung des Herren ganz links. Einsam und doch voller Würde hielt er sein Licht nach oben, auch wenn keines zustande kam. Und dann legten die Herrschaften schon los, so dass man den Regen vergaß, sich warm hüpfte und dem Charme der Schweden erlag. Spätestens als die Hemden fielen und die Liebkosungen innerhalb der Band inniger wurden.

Diese Skandinavier wissen eben zu unterhalten.

Punkrock Karaoke

Die beste Errungenschaft der 2. Ausgabe des Pure & Crafted war diese Verantstaltung. So gab es eine Liste mit Songs, die performt werden konnten und eine lustige Band zur Begleitung. Wer hätte gedacht, im Postbahnhof akzeptable Darbietungen von „Sabotage“, „Schrei nach Liebe“ und „Don’t Look Back In Anger“ geboten zu bekommen. Ich bin sehr froh, dass ich die Fotos, die von uns während des Körperbewegens und uns und andere textsicher Anbrüllens geschossen wurden, noch nirgends gefunden habe.

Danach war ich so heiser, man glaubt es kaum. Schlimmer als bei einem Konzert von Nine Inch Nails oder Faith No More.


Samstag, 13. August

Jana Berwig

Samstag war ich doch tatsächlich ein wenig nervös. Schließlich ist es nicht bei allen Festivitäten so einfach einen Platz ganz vorne zu ergattern. Doch Lene war trotz Erkältung überpünktlich, so dass wir tatsächlich in der Mitte der ersten und für einige Zeit einzige Reihe Platz nehmen konnten. Während sie sich über drei Plätze hinlegte und innerlich starb, konnte ich Melly, unsere Neue im Bunde, zum Motodrom führen. Dort lauschten wir noch dem Set von Jana Berwig, die eine entspannte Mischung aus deutschen und englischen Akustiksongs darbot und eine sehr unterstützende, begeisterungsfähige Verehrerin im Schlepptau hatte. Schön, wenn Freunde einen mit soviel Liebe unterstützen.

Und ja, zwei der Rücken gehören uns.

Langsam füllte es sich dann auch vor dem Motodrom, auch der RBB war mit von der Partie. Ich war verblüfft, dass selbst beim zweiten Erleben der Show bei mir das Adrenalin ordentlich nach oben schoss. Vielleicht machte es doch einen Unterschied, dass wir diesmal in der ersten Reihe standen und nicht wie letztes Jahr in der dritten.

Wie gesagt, faszinierend zu beobachten, große Bewunderung für das Können. Nur war leider das Auto kaputt.

Abby

Eigentlich darf ich mich nicht dazu äußern, da ich vielleicht noch zwei Lieder mitbekommen habe. Mir wurde nur am Vortag bestimmt 10 Mal gesagt, dass ich sie unbedingt anschauen muss, aber irgendwie wirkten sie mir zu deutsch und hipp. Sahen auch irgendwie gleich aus. Und der eine Herr hat seltsam die erste Reihe beäugt. Fühlte mich irgendwie zu alt oder dumm um die Magie der Band zu erfassen. Oder sie waren mir einfach egal.

Tricky presents „Skilled Mechanics“

Whatdafuck.

Ich muss ja gestehen, dass ich mich noch nie wirklich mit Tricky beschäftigt habe. Ich weiß nur, dass er mit einigen großartigen Musikern kollaborierte, aber ansonsten wusste ich nicht, was mich erwartete.

Um es kurz zu machen:

Ich konnte nichts mit ihm und dem Projekt anfangen. Musikalisch okay, war es besonders die Bühnenpräsenz, die mich absolut irritierte. Durchgängig lief er herum, in der einen Hand das Mikrofon, in der anderen Hand ein Teil seines Unterhemdes, was er konstant lüftete. Ein kleiner marschierender Soldat, der sich nicht entscheiden kann, ob er das Oberteil ausziehen oder anbehalten soll. Und das hat mich wahnsinnig gemacht.

Dass was die Mighty Oaks letztes Jahr waren, war also in diesem Jahr Tricky.

Noel Gallagher’s High Flying Birds

45 Minuten warten und dann ging tatsächlich wieder die Sonne auf. Gut aufgelegt und sichtlich irritiert von dem Bikerambiente, wurde mir (okay, nicht nur mir)  „Champagne Supernova“ gewidmet (weil Linkshändertag), ein weiterer Song wurde den Kindern, die neben uns abgingen gewidmet und ja, auch dem lautstarken Oasisfan wurde nach dem Pöbeln auch ein Song gewidmet: „Wonderwall“. Natürlich nicht inhaltlich, ‚cause tha would be fucki‘ weird, man.

Und damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, denn bei seinem Soloauftritt 2015, wurde die Übersingle, die wahrscheinlich jeder Mensch im Schlaf mitsingen kann, nicht gespielt. Womit ich ehrlich gesagt auch kein Problem habe. Da sind mir „The Masterplan“ und „Don’t Look Back In Anger“ lieber.

Ansonsten schöne Lichtsetzung, schöne geradlinige Darbietung ohne unnötige Schnörkel, die mich sehnsüchtig zurückließ. Sehnsüchtig auf ein neues Album, eine neue Tour mitsamt einer Veranstaltung in Berlin mit exzellentem Sound und „Supersonic“ und „Do The Damage“ in der Setlist.

hbhuvgujk

 

 

Auch auf diesem Bild wurde Lene (und auch leider die süßen Kindern) weggeschnitten, aber man sieht ein glückseliges, beglittertes Franzi mitsamt Melly. Danach fielen wir unseren Festivalkumpanen in die Arme, bekamen Freibier, kauften Socken (bekamen ein Paar geschenkt) und gingen zum Abschluss hinein in den Postbahnhof, um PINS zu sehen.

PINS

Kinders, das war das erste Mal, dass ich bei einer musikalischen Darbietung so dermaßen hacke war. Und es war prima. Der Überraschungshöhepunkt. Ich kannte von den Damen nur ein Lied vorher, aber sie hatten mich sofort begeistert. Bester Dialog an den ich mich noch erinnern kann:

Lene (über den Sound brüllend): Die sehen so toll aus mit ihren Frisuren!

Franzi (noch lauter): Ja, das liegt an den Ponies! Die haben alle meinen Pony. Alles Feministinnen! Mit Feministinnenponies!

Und so ließen wir den Abend ausklingen mit lustigen Gesprächen, richtig schön fettigen Pommes und den typischen Berliner Gestalten, die man in einer typischen Berliner Nacht so trifft. Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause…


Nachtrag: Auf der Suche nach Fotos des Festivals ist mir aufgefallen, dass eines (mit Blick auf Lene und Franzi) vom Auftritt von The Hives beim letzten Pure & Crafted Festival tatsächlich für einen Artikel verwendet wurde. Musste da sehr lachen. Ich bin also jetzt Werbefigur für das glücklichere Leben. So muss das sein.

Musik

4 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ein tolle Bericht. Hach. Konzerte. Schön. War ich schon ewig nicht mehr. Von den Bands habe ich bisher nur Mando Diao live gesehen. Damals in München bei der „Ode to Ochrasy“-Tour. Lange her, aber habe das Konzert (Vorbands: Johnossi und Razorlight) in guter Erinnerung.

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