Kinowoche: Pets, Suicide Squad, One More Time with Feeling, SMS für dich… & Tschick

Ich lasse mich ja sehr gerne von Familienfilmen einlullen, die lustige bis niedliche Kreaturen für Freundschaft, Liebe und Co. 90 Minuten durch die Gegend manövrieren. Als frischer Katzenbesitzer fühlte ich mich auch sehr vom ersten Trailer angesprochen, freute mich über den Einsatz von Musik von System of a Down. Einige Zeit später kam der aufgefrischte Einspieler und ich war schon weniger euphorisch, denn wenn ich etwas hasse, dann sind es deutsche „Stars“ als Synchronsprecher. Entschuldigung, aber Deutschland hat unglaublich gut ausgebildete hervorragende Sprecher und ich verbitte mir, dass deren Arbeit von Leuten gemacht wird, die ich erst einmal recherchieren muss. Wir sind hier doch nicht beim Promidinner.

Wo waren wir….ach ja, süße Tiere.

Es sind ein paar nette Szenen, ein paar nette Charaktere, aber es gab zwei Momente bei denen ich mich ernsthaft fragte, warum sie existieren. Also, außer mich zu ärgern.

Da haben wir zum einen den Retter der Suchaktion, dessen lustige Eigenart es ist, die Katze dauerhaft dumm sexuell anzumachen.

Und zum anderen bekommt die Protagonistin, die ihre große Liebe retten will, von dem Hasen ungefragt einen Kuss aufgedrückt, bevor er todesmutig den Protagonistenhund rettet. Sie kennen sich nicht, haben nie ein Wort miteinander gesprochen. Was soll das?

Und ich habe es übrigens noch nie erlebt, dass mir die Hauptfigur so unsympathisch ist. Im Originalton könnte die grummelige Art vielleicht besser transportiert werden, da Louis C.K. am Werke ist, aber im Deutschen…

6,5 von 10

Schlimm. Schlimmer Schnitt. Schlimme Verschwendung von Musik. Schlimm. Und der Humor. Die nicht vorhandene Handlung um nicht vorhandene Persönlichkeiten mitsamt nicht vorhandener Entwicklung, Charisma. Balsam für meine Schadenfreude. Im Gegensatz zum Rest der Welt hatte ich schon vorher Bedenken und war nicht ausschließlich damit beschäftigt, dass Ghostbusters-Reboot in Grund und Boden zu hassen. Schlimm.

Ich denke jedoch, dass so ziemlich alles zu diesem Machwerk gesagt wurde. Ich kann nur sagen, dass ich schon beim ersten Trailerso meine Bedenken bezüglich Harley Quinn hatte und diese mit voller Wucht bestätigt wurden. Klar, Margot Robbie ist die Einzige, die ein wenig Leben in ihren Charakter haucht, aber ich war zu 90 Prozent damit beschäftigt zu beobachten, ob man bei der jeweiligen Szene wieder einmal vergessen hat, den Schlüpper digital zu verlängern. Und jeder der anderen hat ein Outfit an, was einigermaßen sinnvoll für den Kampf ist. Frau Quinn habe ich nicht einmal mit einer adäquaten Waffe hantieren sehen.

Ein weiteres Phänomen was mich nicht losgelassen hat, wahrscheinlich bin ich einfach nur neidisch:

Cara Delivingne ist 24, also ein Jahr älter als ich, und Margot Robbie drei Jahre älter, sie spielen beide Doktorinnen. Wie zur Hölle haben sie das gemacht!???? Die Charaktere, meine ich, nicht die Schauspielerinnen.

Zurück zu dem Punkt, der mich am meisten ärgert: Harley Quinn.

Ich bin da oldschool und sehe es nicht ein, dass aus einer Person, die selbst sich für den kriminellen, bösen Pfad entschieden hat und dank der guten Poison Ivy sich irgendwann auch vom Joker emanzipiert hat, zu einer Erschaffung des Jokers degradiert wird.

Und da sind wir dann bei dem Thema, dass wirklich am gruseligsten ist: Die Beziehungen, die da glorifiziert werden.

Da haben wir einmal das ungesunde Abhängigkeits-Spielchen zwischen dem Joker und Harley, dann noch den Feuerguy, der seine Frau nach einer Meinungsverschiedenheit umbringt. Mitsamt Kindern, aber hey, sie hat ihn ganz klar provoziert und außerdem war das ein Versehen, bro. Ach ja, und natürlich die heilige Vater-Tochter-Beziehung. Schlimm. Da wünscht man sich fast, dass Zack Snyder irgendwie involviert ist, dass man es wenigstens an ihm auslassen kann, aber sein letztes Ding war ja wenigstens dramaturgisch in bester Ordnung, quasi guckbar.

Franzi over and out.

4 von 10

Vor Monaten hatte ich die Tickets gekauft und auch da wusste ich im Inneren, was auf mich zukommen würde. Ich hatte mit einer Mischung aus Liveaufnahmen des neuen Albums und deren Entstehungsprozess gerechnet, doch am Ende wurde ich mit etwas größerem in die Nacht entlassen. Es war davon auszugehen, dass der Tod des einen Sohnes von Nick Cave zur Sprache kommen wird und es war klar, dass dieser plötzliche Todesfall sich auf das Schaffen von Nick Cave & the Bad Seeds auswirken wird.

Ich finde es geschmacklos, wenn Menschen diese Umstände benutzen, um das herausgegebene Werk zu loben. Es ist wunderschön und angenehm karg, aber nicht weil Nick Cave’s 15-jähriger Sohn von einer Klippe gestürzt ist und dies nicht überlebt hat. Es ist wunderschön und angenehm karg, weil von der Person Nick Cave, von dem Künstler Nick Cave, die man bisher kannte kaum etwas übrig ist. Das sind Gehversuche, kleine Schritte, um den Lähmungen einer traumatischen Erfahrung zu entfliehen.

Und in diesen Prozess wirst du als Zuschauer geworfen. Und mir hat das sehr wehgetan. Ich vergöttere „20,000 Days On Earth“, der für mich perfekt die Essenz von Nick Cave, aber auch generell von eher exzentrischeren, künstlerisch schaffenden Seelen einfängt. Filmisch perfekt durchgetaktet und geschrieben, die perfekten Weisheiten über perfekte Songs zu perfekten Anekdoten, die dich am Ende als ein schillerndes Ganzes zurücklassen. Als wäre dies für immer. 2 Jahre später ist davon nichts mehr übrig. Unbeholfene Stille, dicke Furchen im Gesicht, komplette Orientierungslosigkeit. Ein Haufen Scherben, die ein Haufen Menschen versuchen wieder zusammen zu setzen. Sie wissen nicht warum, aber sie lassen sich dabei filmen und ich hoffe einfach, dass es hilft, wenn man den Schmerz mit vielen Menschen teilt, auf eine sehr direkte Art, kompromisslos, untragbar und ohne Glückskeksspruch am Ende.

Ein Film, der kein Film ist, sondern eine Momentaufnahme. Intim, dass sie wehtut.

Oder wie Amanda Palmer sagt:

https://www.theguardian.com/music/2016/sep/10/nick-cave-skeleton-tree

10 von 10

Ick bin ja Berlinerin, wa. Und die Karoline und die Nora auch. Und der Friedrich und der Frederick auch. Und irgendwie haben die da mit ihrer Spielfreude und hervorragenden Chemie bei mir gepunktet. Ich saß mit einer Freundin im Kino und das Identifikationspotenzial war groß. Die Balance zwischen lustigen und traurigen, berührenden Szenen war gut und die Interpretation einer Helene Fischer durch Katja Riemann äußerst gelungen. Deutscher Film in massenkompatibel, schlicht und schön. Und die Wege, die in Berlin gelaufen und gefahren wurden ergaben sogar meistens Sinn. Da fuhr keiner an der Warschauer vorbei und war plötzlich im Spreepark (I’m looking at you, „Wer ist Hanna?“) etc.

Ich persönlich merke immer daran dass ich melancholisch werde, ob der geschaute Romantikfilm gut war. Und nach diesem Film war mein Gemüt sehr schwer melancholisch.

9 von 10

Der Trailer vermittelte eine jugendliche Unbedarftheit, etwas sommerliches, worauf ich mich freute. Das Buch hate ich schnell vorher noch gelesen und war schon davon kein großer Fan. Einige Kritikpunkte wurde gut gelöst, andere wurden verschlimmert.

Die Besetzung der zwei Protagonisten ist solide, die Dialoge manchmal hölzern, das abrupte Ende irritierend. Sehr sehr halbgar das Ganze. Besonders die zwei weiblichen Teenie-Wesen in der Welt des Maik Klingenberg verkommen in der Filmadaption zu absoluten Abziehbildern.

Aber die Musik ist passend gewählt.

6,5 von 10

Kinowoche

18 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich werde ja ernsthaft niemals verstehen, wieso alle außer mir, nach den grauenhaften Kacktrailern (dessen einziger Pluspunkt der Soundtrack war) noch dachten, dass Suicide Squad auch nur ansatzweise ein guter Film werden könnte.
    Immerhin findest du aber immer noch die zusätzlichen Kritikpunkte in solchen Scheißfilmen, wodurch ich mich dann noch mehr darauf freue, die irgendwann zu verreißen.

  2. Bin ja generell gegenüber deutschen Massen-Film-Produkten sehr skeptisch – hierzu also lieber kein Kommentar. Aber dazu, dass irgendwelche „Stars“ wie solche von Youtube oder Sportler Synchron-Aufgaben übernehmen. Was soll das?! Ja klar, bringt deren Fans dazu ins Kino zu stürmen. Aber ihre Stimmen werden doch eh meist so verfremdet, dass man sie kaum zuordnen kann. Lasst doch dann gleich die das machen, die es richtig können. Ach, was soll ich mich aufregen?!

    • Hattest du die beiden deutschen Filme gesehen? Ich versuche so unvoreingenommen wie möglich zu sein, aber dafür bin ich im tiefsten innern einfach zu deutsch. Das hat Tradition, als Deutscher deutsche Filme niederzumähen.

      Mich regt das auch unglaublich auf! Wirklich!

  3. *Grummel* Pets war mir leider irgendwie zu eindeminsional niedlich… Da hbae ich es hier zu Hause in 3D ohne Eintritt definitiv besser und dass vierundzwanzig Stunden!

    Suicide Squad war für mich in vielen Hinsichten unlogisch und spätestens als der Strahl auftauchte war meine Toleranzgrenze erreicht. Zumal ich Joker überhaupt nicht mochte. Den Feuerguy fand ich dagegen gar nicht mal so schlecht, zumal er in den Comics seine Familie ja auch umbringt. Und Harley? Cooles Outfit, nur nicht für den Plot geschweige denn den Charakter.

    und… SMS für dich ist irgendwie eie süße idee die moderne aufassubg von haus am see… nur nicht so dramatisch.

    • Wie gesagt, ich fand ja „Pets“ auch eher so naja bis ärgerlich.
      Echt ey, da war auch niemand so cool wie Woody.

      Ey, diese bescheuerte Suicide Squad. Nie wieder muss ich diesen Film schauen. Nie wieder. Was für eine Freude.

      • Wie kannst du es dann nur so positiv ausdrücken? Ich würde wortwörtlich ausflippen… Ich freue mich der Zeit ja tierisch auf Tim Burtons Buchadaption „Die Insel der besonderen Kinder“ und irgendein Flüchtlings-Drama-Komödiending mit „Norway“ im Namen…

        Übrigens „Nerve“ kann man sich auch sparen. Cooles Szenenbild, aber sonst. Meh.

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