The Cure (+ The Twilight Sad) in der Mercedes-Benz Arena (18. Oktober 2016)

Es ist schon seltsam, wenn sich die Lieblingsvorstellung von zwei Schülerinnen im Englischleistungskurs nach Jahren plötzlich erfüllt. The Cure live. Wie viele Gedanken haben wir an diese Vorstellung verschwendet. Was haben wir gelitten. Was haben wir gelacht. Gibt es etwas schöneres?

Da sind die Erwartungen natürlich sehr hoch, genauso wie die Angst enttäuscht zu werden. Wenn man einmal von den Sisters of Mercy traumatisiert wird, dann manifestiert sich dieses ungute Gefühl leider bei jeder Band die einen gewissen Status in der Musikgeschichte hat.

Doch ich war gelassen. Ich bin nicht der größte The Cure Fan auf Erden, meine Phase ist von „Three Imaginary Boys“ bis „Pornography“, also die ersten Werke und ich ging davon aus, dass eher das allseitsbeliebte „Disintegration“ zelebriert wird und nicht meine Lieblingslieder „Primary“ und „Burn“. Ich bin die klassische Liebeskummer-The-Cure-Hörerin, nicht die Allzeit-Textsichere und möchte nicht in der Haut einer so beliebten Band stecken, die sich ohne neues Album im Gepäck eine fast dreistündige Setlist ausdenken muss, die alle Konzertbesucher mitreißt. Doch die Band wirkte gelassen und vollkommen im Reinen mit sich und der Welt. Da wurde kaum Zeit für Ansagen verschwendet, nein, in der Zeit wurden noch schnell zwei Songs untergebracht. Da war alles in einem Fluss. Ein einziger langer Song, der einen jeglichen Sinn für Zeit und Raum nahm. Und das ist bei so einer riesigen Dreckshalle schon eine beachtliche Leistung.

Und ich wünschte ich könnte hier den Artikel beenden, aber leider wurde mir viel von der Erfahrung genommen. Ich hasse es zu sagen, aber das Publikum bei ´The Cure war das asozialste, was ich jemals erleben musste. Ich war einfach schockiert, weil ich es einfach nicht bei den netten Herren vermutet hätte. Jeder kennt diese ein, zwei Idioten, die sich einmal durch die Reihen pöbeln, um auch einmal vorne zu stehen. Damit kann man umgehen, vor allem wenn es eh einen Mosh Pit gibt und somit ein bisschen Gewalt legitimiert ist. Bei einem Konzert hingegen, wo die Gegebenheiten aber anders sind, wo Menschen Stunden vorher in der Kälte stehen und sich ihren Platz nah an der Bühne erarbeiten, finde ich es unhöflich und widerlich. Man schiebt keine Teenies, die einem bis zur Brust gehen so herum wie es einem gefällt, nur weil man es kann. Man muss seinen Rucksack nicht auf meine Schuhe stellen, so nah an mich herantreten und mit der Begleitung über das Äußere der Band lästern. Nicht für über 70 Euro, ihr Nulpen!

Schämen sollten sie sich, all die Menschen (oder schlimmer Paare), die in einem Alter sind, in dem sie es besser wissen müssten, die aggressiv und selbstfokussiert handeln und ernsthaft eine Prügelei bei „A Forest“ anfangen. Ab da war die Atmosphäre eine andere und jeder Mensch im Umkreis wird jetzt bei dem Gedanken einen mehr oder weniger ausgeprägten kleinen bitteren Beigeschmack haben. Und die Idioten? Die werden wahrscheinlich das beste Konzert ihres Lebens gehabt haben.

Die Ungerechtigkeit der Welt.

Musik

6 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Genau darum meide ich Veranstaltungen dieser Größe, soweit es geht. Gut, meistens interessieren mich Combos in dem Rahmen meist eh nicht oder nicht mehr (bei Cure z.B. könnte ich aber auch ins Grübeln kommen), grundsätzlich gilt immer: Je mehr Leute, umso mehr Deppen…
    Liebe Grüße,
    Gerhard

  2. Ja, leider gibts diese Sorte Menschen bei allen Konzerten, das ist zum K…
    Cure konnte ich in Stuttgart sehen, übrigens ist die Disintegration da mein Favorit und zu meiner Freude haben sie 9 Songs davon gespielt, aber eben auch diese magische 8 Minuten Version von A Forest. Wobei ich aber auch und insbesondere mit den frühen Werken ‚großgeworden‘ bin.
    Grüße.

    • Ich will mich bei Cure auch echt nicht über Setlisten beschweren. Die können ja was. Und es muss ja einen Grund haben, warum fast jeder „Disintegrtion“ als Liebling empfindet, aber es wäre schon cool eine kleine Zeitreise zu machen um die Herren in einem kleineren Club die ersten drei Alben spielend zu sehen.

      • Den letzten Satz unterschreibe ich ganz fett. Und die Simple Minds, andere Helden aus meiner Jugend haben das so ähnlich getan, nur ich habs verschlafen. Warum gerade die Disintegration, eine gute Frage. Ich schätze mal du hast aufgrund deines Alters den Cure Katalog ohnehin von hinten aufgerollt, ein Schicksal das ich mit der Musik der 70er teile. Nach tollen VÖ erschien in den 80en die fast schon zu aufmüpfige aber tolle 3x Kiss me. Da fing ich nicht sofort Feuer. Dann die Disintegration, die hat mich in einer Umbruchphase erwischt. So richtig. Somit ist meine Begeisterung vielleicht etwas subjektiver. Aber das spielt auch keine Rolle. Nach dem Gig ist ja bekanntlich vor dem Gig und nu freu ich mich auf Plewka.
        😉

      • Uuuh, die Simple Minds würde ich mir auch gerne lieber in den 80ern anschauen. Ich warte einfach geduldig bis Zeitreisen möglich sind.

        Nee, ich musste lustigerweise vor dem Konzert die letzten drei Alben noch nachholen.
        Als Kind kannte ich so die Singles und angefangen habe ich wirklich chronologisch.

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