Mixtape: Best of 2016

Das Jahr 2016 war musikalisch für mich sehr sehr interessant, denn ich habe tatsächlich das erste Mal deutlich mehr Hip Hop und kommerzielle Musik gehört als übliches Friedlgeschrammel. Dies lag zum einen an den hervorragenden Alben verschiedener Künstler, die aus ihrer Popblase entwischt sind und ein bisschen experimentiert haben. Das lag aber auch zum anderen daran, dass der fetzige Rock mit Bedeutung und Engagement gerade mehr als tot ist. Alle Menschen mit Gitarre sollten sich an dieser Stelle bitte schämen und Besserung für 2017 geloben. Es kann doch nicht sein, dass da draußen die Scheiße am dampfen ist und niemand ein Rockalbum aufnimmt, welches die derzeitige Stimmung auf geniale Art und Weise einfängt und verarbeitet?

Ich hoffe, ich kann euch trotzdem eine schöne Mischung bieten. Viel Spaß! Ihr findet den Mix wie immer auf Spotify und direkt hier im Artikel.


  1. Beck – Wow

Dieser kleine, fragile Gott, der gedanklich die Setlist beim Konzert mit mir abgestimmt hat. Ich liebe ihn und bin gespannt wie tanzbar und mainstream das neue Album wird. Es wird jedenfalls nie langweilig und ich bin mir sicher, ich bin die einzige Person auf der Welt, die Beck versteht. (Nein, ich habe die Episode der Gilmore Girls, in der Lane ähnliches behauptet erst Jahre nach meiner eigenen Entwicklung zu diesem Standpunkt hin gesehen.)

2. Nine Inch Nails – Burning Bright (Field On Fire)

Meine Lieblingsband machte der Welt noch ein Weihnachtsgeschenk mit der EP. Außer der armen Loretta Cosgrove, denn der Atticus Ross ist nun offiziell ein Mitglied von Trent Reznor’s Kapelle. Oder sie offenbart uns, dass sie jetzt mit der Band kooperiert. Wenn man sich das Promofoto so anschaut, konnte da jemand definitiv seine Aggressionen ausleben.

Als Fan der Broken EP scheint mir auch hier bei der „Not The Actual Events“ EP die kurze Spielzeit sehr gelegen zu sein. Wabernd und stürmisch, vor allem wenn der Grohl wieder trommeln darf. Hört auf jeden Fall mal in die 5 Songs hinein.

Ich würde sagen, der Wellnessremix davon wird dann der Themesong der neuen Staffel Twin Peaks. Oder? Ich würde mich damit sehr gut fühlen.

3. A Tribe Called Quest – We The People…

Die Herren waren schon immer musikalisches Top Shelf (Sorry, aber den Satz wollte ich schon immer schreiben.), von daher war ein großartiges Album zu erwarten. Die perfekte Gruppe, um Menschen, die wenig mit dem protzigen Image des bösen bösen Hip Hops anfangen können, an das Genre heranzuführen. Und nu? Pfife Dawg ist tot. Und ich habe das Gefühl, niemanden interessiert es. Also Leute des Sprechgesangs, habt mal ein bisschen Respekt.

4. Bruno Mars – Chunky

Man merkt, dass ich neue Musik nur noch über Konzerte oder Saturday Night Live konsumiere. Diesen Herren habe ich leider noch nicht live gesehen, was aber den furchtbaren Hallen und Preisen geschuldet ist. Außerdem ist neben ihm leider kein schöner Mark Ronson zu sehen. Trotzdem ist ein Album herausgekommen, wozu man sehr gerne gute Laune hat. Aber bitte in exquisiter Robe.

5. PJ Harvey – Chain of Keys

Ich liebe die Frau. Ist mir beim Konzert aufgefallen, denn sie hat das gesamte neue Album gespielt, welches ich zuvor nicht gehört hatte und ich war von jeder einzelnen Darbietung gefesselt. PJ hat aber auch eine verdammt gute Band zusammengestellt.

6. Nevermen – Treat Em Right

Die Supergroup des Jahres: Mike Fuckin Patton, Doseone und Tunde Adebimpe. Das selbstbetitelte Debüt ist für mich mit meiner verrückten Woche in Tokio verwoben, deswegen mein Album des Jahres. So facettenreich, so entspannt anstrengend wie wenige Projekte von und mit Gott äh Patton.

7. Pisse – Hundegelantine

Die Vorband des Jahres. Gesehen und zelebriert vor den Sleaford Mods , habe ich nach dem Konzertbesuch zunächst die Bandcampseite unsicher gemacht und mir die Diskographie des baldigen Phänomens zugelegt. Ist aber irgendwie nur ansatzweise so spannend wie die Livedarbietung. Punk halt, wa.

8. Dubioza Kolektiv – No Escape (From Balkan)

Beste Band des beschissenen Lollapalooza 2016. Jeder Mensch, der dazu keinen Körper in die Luft schwingt, egal, ob eigenen oder drumherumstehenden, ist kein guter Mensch.

9. Jamie T – Tescoland

Mein Lieblingssong des neuen Albums ist „Dragon Bones“, den habe ich aber leider nicht in den Weiten des Internets gefunden. Dann eben mein Zweitlieblingssong meines zweitliebsten Albums des Jahres. Woody ist auf meine Fernbedienung gekommen. Alle Sender haben jetzt den Audiokanal für sehbehinderte Menschen.

Und warum läuft gerade ARD? Da läuft gerade eine Schlagersendung. Die Audiodiskiption verharrt sehr lange bei der Beschreibung der einzelnen Stofflagen der nächsten Performer. Ich… ich…

So, geschafft. Wieder normalen Ton.

Ich liebe Jamie T.

10. Rihanna – Desperado

Ich mochte die Stimme von Rihanna schon immer. Da ist irgendetwas sehr kühles, metallenes, was mir anscheinend zusagt.

Und jetzt, wo sie so viel Geld und sich eine sichere Karriere aufgebaut hat, hat sie auch die endgültige Hoheitsgewalt über ihre Musik, was ich natürlich sehr begrüße.

11. Adele – Send My Love (To Your New Lover)

Das einzige Lied aus den tausenden Toplisten des Jahres 2016, welches immer vertreten war und mir immer gefallen hat. Es ist einfach schlicht schön. Genauso wie das Video. Ich möchte das Kleid haben.

12. Childish Gambino – Redbone

Troy aus „Community“ hat es natürlich von vornherein sehr einfach bei mir, das gebe ich zu. Trotzdem hat er hier eine experimentelle Packung Soul abgeliefert, die mehr Leben in die Bude bringt als das 300. Album von Kings of Leon. Und mehr Gefühlsregungen innehat als das diesjährlich fortgeführte Leiden der Radioheads. Guter Mann, der übrigens in meinem Alter (23) angefangen hat für „30 Rock“ zu schreiben. Ich kann ihn also nur toppen, wenn ich das Jahr einfach schnell einen Roman veröffentliche, denn diese Kunstform hat er noch nicht für sich okkupiert. Warum ist er eigentlich nicht der neue Spiderman geworden?

13. Frank Iero & The Patience – I’m a Mess

Ich weiß doch auch nicht, aber er landet ständig mit seiner mittelmäßigen Musik in meiner Liste. Ich habe auch bestimmt seitdem ich mein 16. Lebensjahr überschritten habe keinen Crush on him oder wie nennt man das…Ich schwärme seitdem nicht mehr für ihn. Aber seine Bodenständigkeit nach dem Wahnsinn um My Chemical Romance, damals als es noch Emos gab, imponiert mir. Und macht mich anscheinend geschmackstaub.

14. Johnossi – Air is Free

Ich würde nicht sagen, dass ich die Richtung, die Johnossi seit zwei Alben einschlagen unbedingt gut finde. Sie werden immer poppiger, immer austauschbarer, aber dieses kleine Lebenszeichen hat mich ordentlich in den Hintern getreten. Motivationsmusik galore. Da ist dieses Jahr ein Konzert Pflicht. Und da ich sie vor fast 7 Jahren bereits einmal live erlebt habe und sie Schweden sind, weiß ich, dass sie großartige Rampensäue sind. Denn alle Schweden in meinem Leben waren bisher auf der Bühne Naturgewalten.

15. Tacocat – I Hate The Weekend

Ich sollte mir langsam die Diskographie anschaffen, so oft wie diese Band in den Listen vertreten ist. Es gibt so Wochenenden an denen möchte man niemanden sehen. Und wenn man unterwegs ist, dann möchte man immer noch keinen sehen, aber ganz besonders niemanden, der Spaß hat und mehr im Moment zu bieten hat als man selbst. Dann macht man diesen netten Song an und grummelt in seinen nicht vorhandenen Bart hinein und danach ist alles wieder annehmbar.

16. Bibi und Tina 3 OST – Mädchen gegen Jungs

Damit habt ihr gerechnet, oder? Mein meistgesehenster Kinofilm des Jahres 2016 ist ein Musical. Und um alle in den Wahnsinn zu treiben, fühlte ich mich dazu berufen denn Rapsong zu wählen, der am härtesten mit Klischees spielt. Dass in dem Film viel mehr an Botschaft zu finden ist, sollt ihr nämlich selbst herausfinden. Und dann ganz überrascht sein, dass ich meine Begeisterung vollkommen unironisch meine.

17. Biffy Clyro – People

Meine Karte musste ich krankheitsbedingt abgeben. Zweite Mal dieses Jahr, was mir davor noch nie passiert ist. Und ich kann damit gar nicht umgehen. Ich hasse es zu wissen, dass so viele Konzerte in der Welt ohne mich stattfinden. In diesem Fall sehr ärgerlich, da zwei Kumpanen Biffy ihre Lieblingsband nennen, alles mitsingen können und die Herrschaften auch getroffen haben. Ich hätte ihnen sehr gern dabei zugeschaut, wenn sie einen ihrer schönsten Lebensmomente haben. 2016 ist eben gemein. Deswegen gibt es hier auch einen kitschigen Song vom letzten Album, damit ich noch ein bisschen in Selbstmitleid baden kann.

18. Saul Williams – Burundi

Den Herren möchte ich auch gerne mal auf einer Bühne erleben, denn wenn ich ihn so sehe, wie er sich in Szene setzt, habe ich Respekt bis Angst vor ihm. Und wenn ich jemanden auf der persönlichen Ebene nicht recht einschätzen kann, dann bin ich meistens fasziniert. Außerdem ist Williams einer der spannendsten Köpfe des Hip Hop. Oder ist das noch Hip Hop? Ist das überhaupt irgendein Genre? Ja, das Friedlgenre. Da kommt alles hinein, was ein bunter Mix aus allem ist.

19. Drake – One Dance

Ach, der Drake. Der Drake war für meine Lieblingsepisode von Saturday Night Live verantwortlich. Und in eben jener war er selbst auch der Musical Act. Da war ich im GIF-Himmel. Schade, dass die Konzertkarten so teuer sind, denn ich hätte mir das gegeben. Ich hätte mein 70er-Hustler-Outfit angezogen, mir meine Girls geschnappt und da die krasstesten Moves von allen gemacht. Street Cred und so.

20. The Stone Roses – All For One

Und wieder so ein Moment, den niemanden interessiert hat. Die Stone Roses haben nach 20 Jahren zwei neue Singles herausgebracht. Das erste Hören von „All For One“ sorgte bei mir ein bisschen für Gänsehaut, aber ich bin ja auch die mit der Ian-Brown-Jacke und dem Stone-Roses-Parka. Vielleicht sollte ich selbst mal erörtern, warum ich der Band so angetan bin, die viele als überbewertet bezeichnen. Ich rede auch ständig über Ian Brown, obwohl ich ihn weder attraktiv finde, noch sonderlich viel über ihn weiß. Was ist da los? Magie der Musik? Nebenwirkung, wenn man mit Oasis aufwächst?

21. Rival Sons – Thundering Voices

Eigentlich versuche ich ja meine Mitmenschen zum Vinyl zu bringen, sie zu erleuchten, doch manchmal erweist es sich als äußerst praktisch, wenn Freunde resistent bleiben. Ich bekomme dann bei den Special Super Mega Ultra Editions verschiedener Alben die mitgelieferte Platte. Ich weiß, ich habe wundervolle Freunde. Anscheinend sogar mit Musikgeschmack, sonst hätte sich dieser Titel nicht so eingebrannt.

22. De La Soul – Lord Intended

Neben A Tribe Called Quest die zweite Oldschooltruppe, die anscheinend noch lebt. Ich sah das Album zufällig in dem Regal der Neuzugänge in der Bibliothek und schaute zunächst irritiert hinten auf das Label, um zu schauen, ob es tatsächlich neu ist. Zuhause beim Kochen unbefangen gehört, keine Kritiken vorher gelesen und durchaus als gut befunden.

23. Jimmy Eat World – Pass The Baby

Natürlich kann ich, beeinflussbar wie ich nun mal bin, nicht die Band, die mir eines der schönsten Konzerte meines Lebens geschenkt hat (und ein Fahrrad auf meinem linken Chuck), unerwähnt lassen. Auch wenn es sich nicht um eines der Alben des Jahrtausends handelt, hat es mich gut durch den Herbst gebracht.

24. Portishead – SOS

Ihr merkt, jetzt wird es langsam melancholisch bis sehr sehr traurig. Hier mein Musikmoment in Filmen. Großartig in „High-Rise“ in Szene gesetzt, schwappte beim Hören immer wieder dieses düstere, schwere Atmosphäre in mein Leben während ich dazu durch Berlin fuhr. Dann laß ich, dass Portishead den Song bzw. das Video der ermordeten Jo Cox widmeten und das Hörvergnügen wurde noch einen Grad düsterer. Ganz ehrlich, es gibt sehr viele Menschen und besonders PolitikerInnen mit denen ich nicht konform gehe, aber es kann doch nicht die Lösung sein, die jeweilige Person anzuschießen und niederzustechen. Wat is denn los hier? Ich schreibe mich schon wieder in einen Jähzorn hinein…

25. David Bowie – Girl Loves Me

Ich bin David Bowie sehr dankbar dafür, dass er sich eine Persona erschaffen hat die größer als das Leben eines einzelnen Menschen ist. So muss ich nicht trauern, denn es fühlt sich einfach nicht an, als wäre David Bowie tot. David Robert Jones ist tot. David Bowie ist unsterblich.

26. Bat For Lashes – If I Knew

Natasha Khan, meine beste Freundin, perfekt um sich einsam und ungeliebt zu fühlen. Ich liebe diese Frau einfach. Sie kann alles spielen, ist eine begnadete Schreiberin und kreiert immer einnehmende Konzepte um ihre Kunst herum. In diesem Fall schafft sie dadurch auf berührende, aber nicht triefende Art das große Klischee der romantischen Liebe auseinanderzunehmen.

27. Nick Cave & The Bad Seeds – Anthrocene

Der Mensch, der mir dieses Jahr das Herz gebrochen hat. Wenigstens selbst nicht gestorben, jedenfalls äußerlich. Ich habe das neue Album der Herrschaften gleich am Erscheinungstag in der dazugehörigen Dokumentation gesehen und gehört, was einfach jedes einzelne Lied mit Bildern füllt. Fast unhörbar traurig wird das Erleben der Musik und egal, was man dabei tut, das Leben kommt einem so unsäglich trivial vor. Ich fühlte mich jedenfalls beim Händewaschen nach der Kinovorstellung unbedeutend und sinnlos. Irgendwie leer gefühlt.

28. Beyoncé – Freedom

Ohne Queen Bey geht es dieses Jahr nicht. Hier könnte jedes Lied von „Lemonade“ stehen, sie waren alle unglaublich kraftvoll. Wann wird sie Präsidentin?

29. 257ers – Holz (Weihnachtslied)

Ja, ich dachte so ein bisschen Weihnachtsfeeling wäre auch schön. Ich weiß, „Holz“ wurde die letzten Tage/Monate/Jahre (je nachdem wann DU das liest) dumm und dämlich gespielt, aber damals im Dezember, wo ich mit einer Freundin die Ampya Jahrescharts durchlitt, war der amüsante Clip der nicht-weihnachtlichen Version ein Lichtpunkt. Und das muss honoriert werden.


Und wer nochmal ins Jahr davor reisen möchte:
Best of 2015
Best of 2014
Best of 2013

Mixtapes

12 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Dieses Mixtape ist wirklich sehr interessant und vielseitig. Top! Mit Johnossi geht es mir übrigens ganz genauso.
    Vielen Dank für den ein oder anderen Tipp, jetzt läuft hier erstmal Dubioza kolektiv

  2. Schöne, persönliche Liste mit interessanten Musikern, mit denen ich im Großen und Ganzen konform gehe 🙂 A Tribe Called Quest und Childish Gambino waren der Hammer, Nick Cave und David Bowie sowieso. Die Nevermen haben mit auch ziemlich gut gefallen, der Mike hat immer noch viele spannende Ideen auf Lager 😉

  3. Uah, deine Blogeinträge überfordern jedes Mal meinen Computer. Tolle Liste! Ich glaube da muss ich mich mal in Ruhe durchhören. Bisher habe ich mir nur die „Integrity Blues“ geholt…

  4. Da sind ein paar unerwartete Kandidaten dabei…
    Und die adorable Natasha…
    Ach ja: The Stone Roses sind tatsächlich und ganz sicher eine Nebenwirkung des ‚mit Oasis erwachsen geworden seins‘ oder so ähnlich…

    • Was hat dich überrascht?^^

      Meinst du? Ich kann mich auch echt nicht mehr an den Zusammenhang erinnern, in dem sie mir bekannt gemacht worden waren. Oder doch…Moment! Ja klar, „Hooligans“! Und seitdem bin ich so prollig. *lach*

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