HGich.T im Bi Nuu (10. Februar 2017)

Schon einmal mit sieben Personen im Photoautomat gewesen? Dazu gehört wahrlich eine große Portion Organisationstalent. Und alkoholische Getränke, um die Herrschaften dazu drängen zu können. Generell muss ich zugeben, ich als Einzige meiner Kumpanen, die ein Konzert von HGich.T bereits besucht hat, hatte bewusst alle Weichen Richtung Exzess auf niedrigstem Niveau gestellt. Was soll ich sagen, ich habe ja bereits auch zweimal in meinem Leben Scooter in Aktion gesehen. Und dass zum Geburtstag. Solange wahlweise Humor oder kreative Verpackung der Musik vorhanden ist, kann ich guten Gewissens vollkommen verrohen. Wer kann, kann, wa?

Nachdem wir also von der Warschauer Straße, wo im übrigen jetzt mein Lieblingsphotoautomat weggentrifiziert wurde, gen Schlesisches Tor pilgerten, konnte man schon gut erahnen, wer unsere Brüder und Schwestern im Geiste sind. Angemalt, durchgeknallt und tendenziell lustig, standen wir erschreckend lang in der bitterkalten Nacht, um ins ausverkaufte Bi Nuu zu kommen. Was mussten wir auf Klo.

Dort angekommen, wurde man innerhalb von Sekunden mit Glitzer bemalt und konnte Hippiemädchen, Dinos und Herren in Silbercapes beim rhythmischen Bewegen des Körpers beiwohnen. Bei meinem zweiten Toilettengang wurde ich übrigens gefragt, warum ich nicht mittanze, was ich mit einer gut beschäftigten Blase, die jetzt nicht auch noch herumgewirbelt werden möchte, zufriedenstellend beantworten konnte. So durfte ich mir vom reichlich mit Papier behangenen Klogänger vor mir ein paar der edlen Hygieneblätter erschnorren, inklusive Rat, dem Waschbecken keinerlei Beachtung zu schenken, da dieses wohl von einigen Herren als Pissoir zweckentfremdet wurde. Der Charme der Unisex-Toiletten in Berliner Etablissements. Wobei ich ja so eine Grundabgeranzheit im öffentlichem Raume brauche, sonst fühlt sich das nicht nach Berlin, nach Heimat an.

Jedenfalls konnte ich mich nur beglückwünschen. Meine Konzertgruppe war frohen Mutes, ständig am Gackern und bereit alles herauszulassen. Und ich hatte für das Licht wirklich die beste Wahl mit meinem Nicolas-Cage-Pullover getroffen. Ich leuchtete hervorragend, so dass wohl einige Menschen, die andersweitig noch konsumiert hatten, kognitiv von den starrenden Nicolas Cages herausgefordert wurden. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich als Einzige meiner verwegenen Crew mehr Fremdenkontakt hatte, als bei allen Konzert meines Lebens zusammen.

Ich wurde plötzlich auf Fotos gezogen, mir wurden auf dem Weg des Einsammelns einer Person, zur Gruppenrückführung Becher ungefragt, aber irgendwie freundschaftlich zur Bieraufnahme in die Visage gerammt und ich bewegte mich einige Zeit in etwas herum, was aussah wie diese Erste-Hilfe-Wärmedecken.

der wellensittig von meinem nachbarn
schaut mich traurig an
ich geh erstmal rüber
und reich ihm ein stück mettwurst

Getanzt, gepöbelt, beömmelt. Und dann nach beim DJ Set geschah es. Wir feierten noch ein bisschen und einfach so, ohne Worte oder weitere Gesten wurde mir eine Bauarbeiterweste, eine wunderbare orangene Warnweste umgehangen. Ich wurde gekrönt.

Das nächste Mal nehme ich meine Eltern mit.


Ob sich das Postkonzert-Selbstportrait durchsetzt, wird sich zeigen. Die Idee mag ich, aber meine Hemmschwelle in regelmäßigen Abständen mit meinem Gesicht dauerpräsent zu sein, ist derzeit zu groß. Dafür gibt es jetzt definitiv immer ein Stillleben, in dem Fall meines Beutelinneren:

img_6807

Friedl On Tour

12 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ach Jumping all over the world ist schon vieles Wert 😀
    Und Hey immerhin, die suspekten Unisextoiletten gibt es nicht nur in Berlin? Gab es bei dir auch mehr Sticker als Tapete als Wände?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: