Kinowoche: Bibi und Tina: Tohuwabohu Total, Boston, Hidden Figures & T2 Trainspotting

Da war er, der vierte Teil der besten Kinderfilmreihe der letzten Jahre. Wurde einem mit dem dritten Teil ein perfekter Abschluss der Abenteuer rund um Bibi und Tina geliefert, so merkt man bereits in den ersten Minuten, dass wir es hier eher mit einem Spin-Off, einem unabhängigen Teil zu tun hat. Die Farben sind nicht mehr allzu grell, die liebgewonnenen Charaktere und ihre Anliegen treten in den Hintergrund und selbst die klassische Eröffnungssequenz mit einer fetzigen Neuinterpretation des berühmten Hörspielintros fehlt. Dies alles geschieht zugunsten der Politik. Ob nun Trump, Zwangsheirat, geflüchtete Menschen oder Willkommenskultur. Alles wird angeschnitten und es wird eine ganz klare Haltung bezogen.

Und das finde ich gut, denn das, was man Kindern immer vermitteln sollte, ist das Einfühlungsvermögen in andere Menschen.

Ich denke, dass dies der Teil ist, dem die meisten wahrscheinlich am wohlgesonnensten sind. Er ist nicht ganz so überdreht, mit weniger Songs und Pubertätsproblemen. Da ich besonders den dritten Teil ins Herz geschlossen hatte, der einem perfekten letzten gemeinsamen Sommer gleicht, fehlte mir hier einfach irgendetwas. Vielleicht ja Charly Hübner, der in jedem Teil als Herr Kakmann vorbeischaute.

7 von 10 Fässern, die Holger trägt


Ich muss gestehen, ich war an dem Tag nur in dem Film, weil ich neugierig war, was so die Soundtrackfähigkeiten des Trent Reznors machten. Und ich wollte herausfinden, ob ich wirklich bei jedem Double Feature einen roten Faden finden kann. Überraschung: Selbst bei Bibi und Tina und diesem Film lassen sich Gemeinsamkeiten finden. In beiden Filmen geht es um solidarisches Miteinander in schwierigen Situationen und um eine differenzierte Wahrnehmung von Menschen mit Migrationshintergrund. Klar, es ist das einfachste, „Boston“ als patriotisches Selbstzelebrierungsstück von Mark Wahlberg und Peter Berg zu sehen, aber man kann es auch einfach mal nicht tun.

Die erste halbe Stunde war ich jedenfalls ein wenig verwirrt. Die Ästhetik, der dramaturgische Aufbau wirkte ein bisschen wie eine Reality-Soap, die Synchronisation eher mittelmäßig und ich fragte mich, in welche Richtung das Ganze gehen wird. Dann folgte der Anschlag, der so intensiv in Szene gesetzt wurde, dass ich wirklich sehr mitgenommen war. Ich hatte zwar die Begebenheit damals mitbekommen, habe aber die Details nie recherchiert. Und dann sitzt du da, siehst den Alltag von Polizisten, Studenten und eben auch den zwei Attentätern. Und sie werden als Menschen porträtiert, nicht als Götter und Monster. Besonders die kurze Sequenz mit der Ehefrau des einen Attentäters hatte mich überrascht, da ich nicht erwartet hatte, jemanden aus der Serie „Glee“ auf der Leinwand zu sehen. Die Filmemacher suggerieren zwar von Anfang an, dass sie von den Anschlagsplänen etwas wusste, trotzdem empfinde ich die Performance als angenehm ambivalent. Ich wüsste nicht, diese Person einzuordnen. Und das ist auch gut so, denn die Wahrheit über die real existierenden Menschen werden wir eh nicht herausfinden.

Was folgt ist eine Verfolgungsjagd aus der Täterperspektive, die mich sehr angespannt zurückließ. Man fiebert mit, auch wenn das Schicksal der zwei Herren bekannt und somit eher spannungsarm ist, man jedoch um die Menschen bangt, die am Anfang in die Handlung eingeführt wurden und nun plötzlich zu elementaren Puzzlestücken werden. Und je näher das Ende zu sein scheint, desto mehr versucht man sich mental auf die letzte Einstellung vorzubereiten. Denn es ist klar, dass man die Bilder von Krystle Campbell, Lü Lingzi und Martin Richard sehen wird. Die Bilder von einer 29-jähringen Restaurantmanagerin, einer 23-jähringen Austauschstudentin und einem 8-jährigen Schüler. Und das ist einfach so bitter.

Und ob es nun zu amerikanisch oder patriotisch oder sonst was ist, ich finde, Menschen, die so willkürlich umgebracht werden, verdienen es doch, in Erinnerung gehalten zu werden. Oder? Und mehr als als Stadt ein Zeichen für Toleranz und Solidarität zu setzen, so wie die Initiative Boston Strong es getan hat, kann man doch nicht machen.

Ich hatte in einer Rezension gelesen, dass die Pressevorführung von „Boston“ am Abend des Anschlags in Berlin stattfand. Das muss ein eigenartiger Moment gewesen sein. Es ist schade, dass die Diskussionen sich nur um Fußfesseln und Möglichkeiten der Gewahrsamnahme drehen und der Fokus nicht auf die Menschen gelegt wird. Anstatt zu überlegen, wer Schuld hat, was man hätte besser machen können, wäre es sinnvoller die Berliner Krisendienste zu unterstützen, sich um die psychisch und physisch verletzen Menschen zu kümmern und den Mitarbeitern in allen involvierten Abteilungen mehr Dankbarkeit auszusprechen. Aber das wäre dann wahrscheinlich zu platt und kitschig, wie ein Hollywoodfilm.

8 von 10


„Hidden Figures“

Ich hätte vermutet, dass dies mein Oscarfavorit wird, als ich den Trailer sah. Der Film war kurzweilig, die Schauspieler sehr gut aufgelegt und ich hatte mich ein bisschen in die Augenbrauen von Taraji P. Henson verliebt. Doch irgendwie war ich am Ende irritiert, dass ich nicht ein einziges Mal zu Tränen gerührt oder wütend war. Im Abspann saß ich erschreckend emotionslos, dabei hätte ich noch Stunden den drei Protagonisten zuschauen können. Was war da los?

Ich glaube, dass jede einzelne der Damen einen eigenen Film verdient hätte, denn so, wurde mir von jeder einzelnen nur oberflächlich erzählt. Das Gleichgewicht war leider nicht gegeben, so dass es irgendwie auf emotionaler Ebene unbefriedigend war. Desweiteren war dies einer der Filme, wo es mich gestört hat, dass man den Protagonistinnen nicht zugetraut hat, den Film tragen zu können und die Massen anzusprechen, so dass weiße Herrschaften wie Kevin Costner, Kirsten Dunst und Jim Parsons, teilweise ohne irgendeinen dramaturgischen Sinn, eingesetzt wurden. Da hätte man doch auch irgendwen unbekanntes anstatt Sheldon dahin stellen können oder einfach gar keinen. Es hätte nichts verändert. Außer das Gekicher hinter mir, jedes Mal, wenn Mr. Parsons im Bild war.

Ich denke dies ist der perfekte Sonntagnachmittagfilm. Wir werden es ja in den nächsten Jahren sehen.

7,5 von 10


Da es noch einen Podcast zu „Trainspotting“ und „T2 Trainspotting“ geben wird und es mir wahrlich schwer fällt, hier eine kurze Einschätzung von mir zu geben, werde ich hier wohl rumeiern müssen. Ich muss ihn nochmal schauen und meine Bewertung steht noch nicht fest.

Dennoch kann ich sagen: Dieser Film ist die logische Fortsetzung und ein interessantes Abbild des Zeitgeistes und besonders in der Reflexion und in Bezug zum ersten Teil genial. Bitter, melancholisch, aber verdammt lustig. Lange wurde mir im Kino nicht mehr solch ein riesiger Spiegel vors Gesicht gehalten.

9 von 10


Bild von „Bibi und Tina: Tohuwabohu Total“: filmaffinity.com

Bild von „Boston“: impawards.com

Bild von „Hidden Figures“: 20th Century Fox

Bild von „T2 Trainspotting“: Sony Pictures

Kinowoche

7 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Schöne Reviews!
    Und was die Anschlagsproblematik betrifft: Ich habe auch meine Probleme damit, dass bei all diesen Akten die Opfer am Ende am ehesten vergessen sind, während schon über neuen Sicherheitsinteressen gebrütet wird und Sündenböcke hervorgezehrt werden.

  2. Bei Trainspotting 2 bin ich ja tatsächlich wirklich versucht, aber Patriots Day sowie Hidden Figures sind irgendwie nicht meine Kragenweite. Interessieren mich weshalb auch immer nicht wirklich. Vielleicht weil die Themen schon so abgefrühstückt sind. Zumal ich zu „Patriots Day“ keinen Trailer gefunden habe außer eine portugiesische Review von einem sehr blassen Teenager, der für mich sehr wirr drauf los faselt. Mag allerdings auch an dem portugiesisch gelegen habe. Nur ohne einen Trailer gehe ich seit „Wild Tales nicht mehr ins Kino, der Film war mir eine Lehre!

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