Johnossi in der Columbiahalle (+Vulkano) (10. März 2017)


Es gibt Wochen, die einem ewig als eine der furchtbarsten Wochen des Lebens in Erinnerung bleiben werden. Dieses Konzert war der letzte Tag einer solchen Woche und ich erhoffte mir zwei Stunden Pause von zahlreichen unglücklichen Zufällen und anstrengenden bis aggressiv machenden Pflichtterminen.

Zwei Stunden gute Laune und Semi-Absolution, gepflegt zur Musik von zwei schönen Schweden, die ich vor sieben Jahren das letzte Mal gesehen habe.

Doch meine Pechsträhne hielt an, denn meine Stammbegleitung musste leider im letzten Moment absagen. Doch eine andere Person war mir gnädig und wir konnten uns frohen Mutes vor der Bühne einfinden. Ich beobachte das Klientel, merkte allerdings auch schnell, dass eine tolle Begleitung, Band und Vorfreude manchmal eben kein Allheilmittel sind. Die Vorband hatte mich sehr strapaziert. Meine Akzeptanz für hohe, quietschige Frauenstimmen ist leider kaum bis nicht vorhanden.

Und an Johnossi ist die musikalische Veränderung live nicht spurlos vorüber gegangen. Es sind eben nicht mehr die zwei netten Jungen aus Schweden mit Gitarre und Schlagzeug. Es sind jetzt die zwei netten Jungen aus Schweden, zwei Zusatzmusiker, Keyboard und unsinnige LED-Lichter und unnötiges Dekor, welches ablenkt. Die neuen Songs waren nett, manche sehr nett, doch von der Atmosphäre hat einfach für mich nichts gepasst. Es war ärgerlich, dass „Air Is Free“ (Die Voabsingle, die ich sehr mochte.) der Eröffner war, da das Publikum noch unbeteiligt war, starr so vor sich hin vegetierte. Sobald der erste beliebte Hit erklang, wurden die Menschen wach, allerdings primär die jungen, männlichen Menschen, die mindestens 1,85 m groß waren und mich wie eh und je wütend machten. Jedes Jahr wird das schlimmer. Jedes Jahr rege ich mich mehr auf. Jedes Jahr fällt mir nur eine Lösung ein.

POGEN BEDEUTET NICHT EINEN MUSIKALISCHEN FIGHT CLUB ZU ERÖFFNEN UND MIT ALLE KRAFT LEUTE DURCH DIE GEGEND ZU WERFEN. POGEN BEDEUTET NICHT DASS MAN AUF NIEMANDEN RÜCKSICHT NEHMEN MUSS UND SEINE AGGRESSIONEN AUSLEBEN DARF. ARME, INSBESONDERE ELLENBOGEN LANDEN NICHT IN GESICHTERN. MENSCHEN, DIE WEDER MUSKULÖS, NOCH GROß SIND, SIND NICHT SELBST DARAN SCHULD, WENN SIE HALB VERMÖBELT WERDEN.

Ich bin zwar groß und keine zierliche Elfe, aber ich trage die Verantwortung für meine kleineren und fragileren Konzertkumpanen und an Tagen, an denen man nicht so resistent ist und sich einfach einen unbeschwerlichen Abend wünscht, macht das einfach keinen Spaß.

Also liebe Herren, geht zur Edukation bitte zuerst auf ein Die-Ärzte-Konzert, damit ihr mich das nächste Mal mit Solidarität, Empathie und mit nicht auf Kraft basierendem Pogen und Hüpfen meiner Vorurteile verblüffen könnt.

Oder ich muss doch mit Sport anfangen und dann bekommt ihr es doppelt und dreifach zurück und genauso asozial wie ihr das ganz selbstverständlich macht, mitten in das Gesichtchen.

Love & Kisses

Friedl

Friedl On Tour

14 Comments Hinterlasse einen Kommentar

    • Weil sie drei Stunden vor allen anderen sich diesen Platz erwartet haben?
      Nein keine Ahnung, bei manchen Bands möchte man so nah wie möglich sein, beispielsweise The Cure, um zu vergessen dass man in einer vielzu großen Arena mit beschissenem Sound steht.
      Ansonsten findest du mich eignetlich immer im wilden Mittelfeld. Aber ich lasse kleinere Menschen, die hinter mir stehen immer vor. Und benutze sie nicht wie ein Flummiball, wie das gerne so mancher Herr tut.

      • Mit der Frage habe ich gar nicht dich direkt gemeint 🙂 , eher die Leute, die weniger umsichtig als du sind und sich wirklich ohne zu zögern vor 1,60 m große Menschen stellen. Wenn man seitlich vorbeischauen kann (oder unterm Arm oder durch die Beine 😉 ) soll es mir auch egal sein. Klar, möchte ich auch möglichst weit vorne stehen und das Geschehen möglichst unmittelbar erleben. Warten tue ich auch immer lange, aber wenn der große Mann mit seinen ebensolchen Schritten vor mir den Bühnenrand erreicht, habe ich eh immer die A-Karte gezogen. Egal, daran wird man eh nie was ändern können. Zum Glück bin ich relativ wendig und kann mich noch zwischen Leute quetschen 😀 .

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