The Jesus And Mary Chain im Huxleys Neue Welt (24. April 2017)

I hate rock ’n‘ roll
And all these people with nothing to show
I hate rock ’n‘ roll
I hate it cause its fucks with my soul

Rock ’n‘ roll hates me.

Mein 15-jähriges Ich hätte womöglich ungläubig den Kopf geschüttelt, bei dem Gedanken, dass man tatsächlich einmal The Jesus & Mary Chain live erleben könnte. Verrückt.

Da bringen die nach über 20 Jahren einfach ein Album heraus und alle finden es toll. Ausverkauftes Haus, begeisterte Kritiker, Friedl gönnt es den Herren vom ganzen Herzen.

Doch einmal von The Sisters of Mercy traumatisiert, immer von The Sisters of Mercy traumatisiert.

Ich hatte Bedenken, denn ich wollte nicht, dass ein womöglich schlechter Auftritt den ewigen Hörgenuss im Alltag und in den Erinnerungen stört. Und ich wollte auch nicht Teil einer Masse sein, die starr und emotionslos vor sich hinvegetiert und dann plötzlich bei dem einen Hit, der einen großen Single, die jeder mitsingen kann, voller Leben lauthals Freude bekundet.

Ich kenne jedoch meine schwarzangezogenen, hochtoupierten Melancholiker, die mich mit ihrer Dynamik immer wieder bei Konzerten überraschen bis verwirren. Eigenartige, aber friedvolle Menschen. Bis irgendwer kurz vor Ende bemerkt, dass man ja früher zu der Musik von „Psychocandy“ gepogt hat. Vermute ich jetzt einfach dreist, da ich zu Entstehungszeit des Albums -8 Jahre alt war.

Ich musste da an das Konzert von Primal Scream denken, deren Frontmann lustigerweise bei The Jesus And Mary Chain zu Beginn am Schlagzeug stand. Auch dort eine buntes Publikum in Schwarz, viele Sprachen in der Luft und eine Masse, die sich von Track zu Track an den Musikstil anpasste und somit in einem Moment in psychedelische Sphären tanzte und im nächsten Moment in fussballähnlichen Anwandlungen gröhlend in den Armen lag.

Machen wir es nicht philosophischer als es ist.

Ich bin mit der Erwartung erschienen, den fiesesten Tinitus in die Nacht zu schleppen und vielleicht einige der unterschätzten Texte voller Überzeugung mitzusingen. Beides wurde bestens erfüllt und ich war auf eine bescheidene Art einfach glücklich. Ich wollte keine Mitmachprozedur für das Publikum, keine verlogene Kommunikation oder andere visuelle Bespaßung.

Ich wollte einfach nur lauten melodiösen Krach, der irgendwo zwischen Coolness und Sexiness, irgendwo zwischen Hass und Selbsthass, mir unerklärlicherweise viel bedeutet.

I wouldn’t sell my soul but I’d hang for this.

Friedl On Tour

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