James Bowen – Bob der Streuner

Manchmal kann man auch negativ überrascht werden. Ich mochte die Verfilmung sehr gern und hatte mich sehr über das Buch zu Weihnachten gefreut. Lockere, leichte Literatur mit Herz und ganz viel Katzigkeit erhoffte ich mir. Dass in diesem Fall ganz klar der Film vorzuziehen ist, wurde mir nach dem ersten Kapitel bereits klar.

Man merkt dem Buch an, dass da ein Verlag meinte mit einer lokalen Sensation Geld zu machen.

Die Satzkonstruktionen sind simpel und der Inhalt repetitiv, besonders wenn es um die Beschreibung der Mitmenschen geht.

Und das was da zwischen den Zeilen teilweise mitschwingt, empfand ich nicht gerade als sympathisch. Der gute James Bowen, der ganz wild darauf pocht, dass drogenabhängige und obdachlose Menschen (bzw. eigentlich nur er) mit Respekt behandelt werden, strotzt selbst sprachlich vor Vorurteilen und Missgunst.

Jeder Mensch mit Hund ist Skinhead, gewaltbereit und bösartig, jede alkoholkranke Obdachlose ebenso, wohingegen er als heroinabhängiger Suchtkranke sich erlaubt, sich als etwas besseres zu inszenieren. Da helfen auch keine „Ich habe jetzt gelernt mein Verhalten zu analysieren und übe mich in Selbstkritik“-Phasen, wenn im nächsten Part eine Frau nicht durch ihr Verhalten charakterisiert wird, sondern Herr Bowen sie als chinesische Frau mit einem sehr gebrochen Englisch, im Dialog gemein, abergläubisch und minderbemittelt dem Zuschauer vorstellt. Vorschnell wird auf alles und jeden eingeprügelt, der nicht in Bowens Welt passt. Sehr selbstgerecht wirkt das Ganze.

Im Film sieht man sehr viele tolle Frauen, die in sozialen Berufen oder als Freunde ihr Bestes geben. Man sieht einen Menschen der von der Gesellschaft verachtet und von der Familie aufgegeben wird und durch einen Kater lernt, sein Leben Schritt für Schritt in die Hand zu nehmen. Hier kann ich leider nur einen erfolglosen Musiker erkennen, der sich, da der Kater ihn auserwählt hat, für etwas außergewöhnliches, ganz ganz besonderes hält und seine Fehlentscheidungen anderen Menschen in die Schuhe schieben möchte und den Rest der Zeit in Selbstmitleid badet.

Da macht es sich jemand sehr einfach. Das mag ich nicht.


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