Serie: 4 Blocks

Kinders, nichts ist schlimmer als in den letzten 10 Minuten einer Folge zu realisieren, dass man gerade das Staffelfinale schaut. Ich glaube ich habe kurzzeitig vergessen zu atmen und brauche nach dem Ende definitiv Urlaub.

Worum geht es?

Sechs Episoden, Berlin Neukölln und ein Spannungsaufbau von dem Tatort und Co. nur träumen.

Warum muss man das schauen?

Es ist einfach erfrischend zu sehen, dass deutsche Produktionen aus ihrer Komfortzone steigen und sich trauen etwas zu machen, was auch international eine gute Figur machen könnte. Die Gewalt ist roh und die Charaktere sind allesamt so fern von einfachen Klischees. Man leidet mit, man fiebert mit und es wird dem Zuschauer Raum geschaffen, um das Milieu verstehen zu lernen, aber auch die Schicksale erfassen zu können. Außer Abbas. Den habe ich von der ersten Minute an gehasst und werde ihn bis zu meinem Tod hassen.

Und die Rocker sind auch mein Feind.

Moralisch ambivalent wird sich wahrscheinlich jeder Zuschauer konträr zueinander verhalten. Während ich das schon irgendwie klasse fand, wie mit dem hippen, englischsprechenden Barbesitzer, der neu im Viertel aufgemacht hat, umgegangen wird, gibt es sicherlich viele Menschen, die Mitleid empfinden. Während ich Toni alles verzeihe und eigentlich nur möchte, dass es seiner wunderbaren Frau und seiner zuckersüßen Tochter gut geht, gibt es sicherlich viele, die ihn für genauso kriminell und verachtenswert halten, wie alle Mitglieder der organisierten Drogenbanden. Die Polizei kommt im übrigen auch nicht immer so vorteilhaft weg. Geschieht ihnen recht. Könnte aber auch im Krimiland Nummer Eins auch nicht jedem gefallen. Soll es aber auch nicht.

Das ist eben das schöne. Es wurde versucht ein starkes Ensemble authentisch an Originalschauplätzen mit authentischer Musik in Szene zu setzen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ein erfrischender Schlag ins Gesicht.

Ich werde mir niemals ein Bügeleisen kaufen.


Logo und weitere Informationen: 4 Blocks

Die Serie ist auf TNT Serie oder SkyTicket empfangbar.

In Serie

2 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Die Faszination am organisierten Verbrechen, ob nun „authentisch“ dargestellt oder nicht, werde ich wahrscheinlich niemals nachvollziehen können. Auch das durchweg kulturell Adelige am „Gangsta“, seinem Rap und all seinen sozialen Irrwegen bleibt mir bis heute verborgen.

    Aber wenn Frieml sagt, ich soll guckn, guck ich halt.
    Immer gut, einen zu kennen, der hinterher Schuld hat …

    • Ok, hab Folge 1 gesehen. Wollte aus meinen Live-Reaktionen einen Podcast basteln. Laß ich bleiben. Bin offenbar zu weit weg von der anvisierten Zielgruppe. Aber:
      „… die Charaktere sind allesamt so fern von einfachen Klischees …“
      Die Pilotepisode zeigt ausschließlich Klischees.
      „Man leidet mit, man fiebert mit und es wird dem Zuschauer Raum geschaffen, um das Milieu verstehen zu lernen, aber auch die Schicksale erfassen zu können.“
      „Man“ langweilt sich zu Tode, sofern „man“ nicht damit beschäftigt ist, sich auf der Ästhetik einen runterzuholen. Das hier dargestellte Milieu kennt jeder halbseitig gelähmte Affe im Wachkoma nach dem „Genuss“ eines einzelnen, beliebigen Tracks von Moses Pelham aus den Neunzigern in- und auswendig.
      Plot gibt es zwischen dicken Autos, protzigen Goldkettchen und gewollt flachen, weil dadurch offenbar authentisch wirkenden Dialogen nur sehr wenig, was „Schicksale“ zwar erahnen, aber schwerlich erfassen läßt.
      Laß mich raten … ich muß alle Folgen sehen, um den Wert der Serie zu erkennen?
      Sorry. Schießbudenfiguren derlei Kaliber ernst zu nehmen schafft meiner Ansicht nach nur, wer selbst eine ist … oder bereits von einer zusammengeschlagen wurde. Das eine ist armselig, das andere nicht erstrebenswert genug, nur um 5 weitere Episoden einer Serie ertragen zu können.

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