Kinowoche: Pirates of the Caribbean: Salazars Rache, Dunkirk & Baby Driver

Dieser Film führte dazu, dass ich über Wochen nicht ins Kino gehen wollte. Ich wünschte man würde Jack Sparrow endlich töten. Und ich hoffe dass Ringo aus diesem Leben scheidet, bevor er einen noch peinlicheren Gastauftritt als Paul hinlegen kann. Und was war neben der langweiligen Handlung, den unsäglichen, ermüdenden Dialogen und der nervtötensten weiblichen Hauptrolle, die alles über die Schreiberlingslogik von Blockbustermachern aussagt, am schlimmsten?

Der aufgequollene Orlando Bloom, der mit seinen toten Augen versucht, irgendetwas in einem zu regen. Was ist aus ihm, der Filme wie „Elisabethtown“ oder „Königreich der Himmel“ doch bestens führen konnte, denn geworden? Ich möchte ihm wirklich helfen.

Die drei Punkte gibt es übrigens nur für die zwei Sekunden mit Keira Knightley. Allein für den jungen CGI-Depp, der mir Alpträume bescherte, sollte ich eigentlich mindestens 5 Punkte wieder abziehen. Dann wären wir bei -2 von 10. Es gibt nichts unheimlicheres als Menschen, die durch Computer zum Leben erweckt werden. Und es gibt nichts schlimmeres als Unterhaltungsfilme, die nicht zu unterhalten wissen.

3 von 10


Handwerklich top, Soundtrack von mir aus auch. So, nun weg von der Allgemeinheit, die lobpreist, hin zu mir.

Ich bin seit „The Dark Knight Rises“ auf dem Kriegsfuß mit Nolan. Ich weiß nicht, ob plötzlich mein Geschmack sich verändert hat oder das Ende der Pubertät im Hirn nochmal alles zurecht gemacht hat, aber seitdem konnte ich weder mit Zimmer-Gedröhn noch technisch krassem Action-yeah-fancy-fancy-IMAX-Gedöns vom Kinosessel gehauen werden. Nolan kann nicht schreiben. Jedenfalls keine menschlichen Wesen. Und schon gar keine Geschichte mit menschlichen Wesen, die auch noch Emotionen haben und welche in mir auslösen können. Das einzige was Zeit und Raum durchdringt ist die Liebe? Es trieft und ist weder wahrhaftig berührend noch feingeistig an sich, liebe „Interstellar“-Connaisseure.

Zurück zu Dünkirchen. Ein Ort, zu dem ich keinen Bezug habe. Kriegsfilm. Ich kann verstehen, dass wohl jeder ernstzunehmende Regisseur wenigstens einmal im Leben einen Kriegs- oder wahlweise Antikriegsfilm inszenieren möchte. Wäre ich etabliert und hätte das Geld, würde mir auch ein großes, statistenreiches Epos vorschweben.

Eine Geschichte, die es wert ist, dass viele Menschen ihr beiwohnen. Große Geschichten. Wichtige Geschichten.

„Dunkirk“ möchte also der breiten Masse den Mythos um die Ereignisse im zweiten Weltkrieg in eben jener Stadt fühlbar machen. Dies geschieht durch einen furchtbar anstrengenden Wechsel von Mitfiebersequenzen, die Herzrasen auslösen und Szenen vollkommener Langeweile, da Personen, zu denen man keine Bindung aufbauen darf (Drehbuch und Requisite sagen da deutlich „Nein!“) irgendwo anonym nicht tun und man stattdessen von der zeitlichen Struktur in Schach gehalten werden soll.

Da stellt sich doch die Frage, ob Christopher Nolan mich für dumm hält. Ich schätze ja.

Ansonsten hätten sich doch mehr Leute darüber lustig gemacht, dass einfach mitten im Film die Schlusssequenz von „Radio Rock Revolution“ hineingeschnippelt wurde.

Ich bin mir sicher in Nolans Welt ergibt das alles einen Sinn und er hat sicherlich auf jeden meiner Kritikpunkte eine Erklärung parat, warum das jetzt innovativ und neu ist, aber es wäre schön wenn in dem Genre nicht alle Filmmacher so an den Soldaten kleben würden. Es gibt noch Millionen andere Blickwinkel die es wert wären, auf Zelluloid gebannt zu werden. (Filmempfehlungen werden an dieser Stelle gerne angenommen.)

Und das Problem was mir hier besonders bitter aufgestoßen ist, ist die Intention des Filmemachers.

Ich verstehe warum ein Spielberg „Schindlers Liste“ machen will, ich verstehe einen Polanski, der „Der Pianist“ machen will, ich verstehe sogar einen Mel Gibson, der „Hacksaw Ridge“ machen will, aber für meinen Geschmack ist „Dunkirk“ zu sehr „Brexit – The Movie“. Sehet ihr Briten, nur ihr könnt euch retten! Scheißt auf die anderen!

Und das gefällt mir nicht.

Genauso wenig wie Cillian Murphy oder Tom Hardy so undankbare Rollen zu geben. Alles leere Hüllen. Oder hat die Musikindustrie Christopher Nolan so viel gezahlt, dass er Harry Styles eine plakative Arschlochrolle mit ein bisschen Profil gegeben hat, so dass jetzt alle ihn als guten Schauspieler bezeichnen können und seine Karriere quasi geritzt ist? Wo ist mein Aluhut?

….

..

.

Und die Moral der Geschicht,

Mel Gibson kann es und Nolan nicht.

Oder so.

6 von 10


Ich musste lachen, als ich nach dem Kinobesuch im Dunkeln meine Sonnenbrille und meine Kopfhörer aufsetzte, wie ich es immer tue, wenn ich unterwegs bin. Und die Menschen, die schon mal bei mir waren, wissen auch, dass ich nur Kochen kann, wenn dazu dir richtigen Songs laufen. Putzen geht auch nur mit der richtigen, ausgewogenen Mischung aus Musical-, Glee-und Disneyliedern und am schlimmsten sind Autofahrten mit mir.

Beim jährlichen Familienurlaub wurde über Monate der perfekte Sommermix gesammelt und genau in der Nacht vor Start des Trips die MP3-CD bis auf das letzte MB ausgenutzt und gebrannt. Jede Platzierung jedes Songs wurde mit bedacht gewählt. Es durfte erst losgefahren werden, wenn ich höchstpersönlich die CD in den Abspieler tat. Und dann schön laut drehen und mitsingen. Alle!

Da ist es keine große Verwunderung, dass bei mir hohes Identifikationspotenzial besteht und ich auch anhand des ersten Songs im Film merke, dass da jemand ein Herzensprojekt verwirklicht. Ich kann jeden verstehen, der mit Rahmenhandlung nicht viel anfangen kann, aber auch ich habe mich in Lily James verliebt, konnte Gastauftritte wertschätzen und empfinde das Ende als interpretierbar. Für mich persönlich ein hübscher Kommentar zum Rechtssystem in Amerika. Und in dem Moment des ersten Schauens auch eher eine Wunschvorstellung des Protagonisten. Dennoch: Der Film hält einen auf Trapp, gibt einen Energie und ich möchte bitte kein Sequel. Und wenn doch, dann bitte noch mehr Anspielungen auf „Zurück in die Zukunft“.

Das Wichtigste ist eh die Liebe zur Kunst, die ausgelebt wird. Das sieht man im Schnitt, das sieht man in den Performances, das sieht man in den Actionsequenzen, die fast ausschließlich (Edgar Wright sagt 99 Prozent.) ohne CGI fabriziert wurden und sicherlich den Involvierten viel Spaß gebracht haben. Oder wenigstens lustige Anekdoten. Und jetzt geht alle Queen hören!

9 von 10


Poster: Pirates of the Caribbean

Dunkirk

Baby Driver

Kinowoche

16 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich fand „Dunkirk“ ja nicht ganz so schlecht, kann deine Kritikpunkte aber nachvollziehen. Am meisten hat mich auch das völlige Fehlen von Charakteren gestört. Da kann der Film noch so viel grandioses Getöse auffahren – und das tut er wirklich sehr gut – das ist nicht auszugleichen. „Interstellar“ hingegen fand ich ja super. Klar, die ganze „Liebe hilft immer“-Scheiße ist grauenhaft. Das hat bei Harry Potter aber auch keine Sau gestört, also stört es mich da auch nicht so wirklich. Ich mag aber auch einfach solches „Worldbuilding“. Finde es immer spannend, fremde Welten zu erkunden. Da kann ich dann über den Rest ganz gut hinwegsehen. Zumal der auch einfach top gespielt ist usw

    • Hätte es dich den gestört, wenn bei Intersteller plötzlich alle ihre Zauberstäbe zücken und sich auf Besen reitend duellieren? Dein Vergleich hinkt nich, er schreit um Erlösung durch nen Todesfluch.

      • Ach meine Fresse, nehmt doch nicht jeden Scheiß so genau. Das Thema „Liebe überwindet alles gibt es nun mal nicht erst seit Interstellar“. Ich finde es auch nicht gut, aber wenn ich mich darüber aufregen will, brauche ich nicht mehr viele Sachen anzugucken. Den Quark findet man doch in jedem dritten Werk in der ein oder anderen Form.

      • Ist ja auch alles richtig. Mich hats halt nur nicht so gestört, weil es eben eine dieser typischen Hollywoodauflösungen ist. Vielleicht bin ich da auch einfach zu abgestumpft mittlerweile. Ich bin aber auch in den meisten Fällen ein „Der Weg ist das Ziel“-Typ. Das Ende ist mir oft einfach scheißegal. Wenns kacke ist, blende ich es auch mal aus und hatte trotzdem Spaß am Rest der Geschichte. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

    • Ich würde mich als Schauspieler so verarscht fühlen, wenn mein Charakter als „Der, der am Ende den Tach rettet und dann gefangen genommen wird“ oder „Der, der einen Jungen aus Versehen tötet, damit noch irgendeinen Zivilisten zum Helden machen kann“ als Beschreibung auf einen Bierdeckel passt und man wirklich nicht mehr sagen kann. Es funktioniert nicht jemanden als anonymen Repräsentanten einer Bevölkerungsgruppe in Szene zu setzen. Außer du möchtest einen Lehrfilm für die Armee oder für Schulen machen.

      Liebe hilft ja auch immer, aber in einem krassen Science-Bla, wo man sich brüstet, dass alles voll wissenschaftlich nah und genau ist, möchte ich diese Prämisse nicht so platt vor den Latz geknallt bekommen. Hat schon bei „A Beautiful Mind“ nicht geklappt, wo ich den Fernseher angeschrien habe, dass der Herr nicht mit Liebe geheilt werden kann sondern eventuell mit der richtigen Medikation.

      Das Ding bei Harry Potter ist, dass es eine Reihe ist, wo (auch wenn man mit gewissen Handlungsverlaufen nicht so zufrieden ist) man merkt, dass da jemand sehr viel persönliches hineingepackt hat und die Liebe in jeglicher Form und Farbe von Anfang an ein Leitthema war und dir nicht aus Langeweile oder kreativer Dampframmenattitüde als großer Zimmer-Dröhn-Woooaaaaaa-So-Emotional-I-Think-I-Should-Cry-Now um die Ohren gehauen wird.

      • „Hard SciFi“ nennt man sowas, Frieml. Da hat Liebe echt keinen Platz, zumindest nich als Plottwist. Deine Potter-Analyse trifft zu. Der Kontext muß stimmen. Die Tatsache, den „Liebe-Überwindet-Alle-Grenzen“-Bullshit mittlerweile in „jedem dritten Werk“ anzutreffen, ist keine Entschuldigung … kein Grund, Unfug dieser Größenordnung mit Nachsicht zu begegnen.

        Schrotti, fühl dich nich gedizzt oder sowas. Bist halt ein chilliger Typ dem diese spezielle Unart nich ganz so übel aufstößt als wie mir. Kannst dich dafür herrlich über andere Dinge aufregen, die mir wurscht sind. Is ok. Deine Argumentation in diesem Falle ist trotzdem Banane. Wenn dem Konsumenten alles egal is, is dem Produzenten auch alles egal. Und schwupps … „Transformers“ ist die erfolgreichste Filmreihe weltweit. Du kannst nich ständig über Gehaltverlust Hollywoodesker Produktionen meckern und dann versuchen, Interstellar mit nem Potter-Vergleich aus seiner Verantwortung zu schummeln. Das is nich zielführend, sofern das Ziel besseres Kino is und nicht nur … … … naja, mehr vom Status Quo.
        Muß man sich halt auch mal aufregen.
        Cineastenpflicht.
        Find ich.

  2. Boar, hier ging grad einiges durcheinander. Die Kommentarbaumstruktur bei diesen WordPress-Dingern ist verwirrend. „Dunkirk“ ist nicht „Hard ScFi“. Damit meinte ich natürlich „Interstellar“. Weil Frieml von „Science-Bla“ sprach, dies aber auf die historische Korrektheit von „Dunkirk“ bezog und nicht, wie ich zuerst annahm, auf die Physik in „Interstellar“. Glaub ich. Bin unsicher. Es regnet und ich bin traurig und niemand ist da, der mich in den Arm nimmt und mein Fuß blutet und alles was ich dafür bekomme, ist dieses lausige T-Shirt.

    WAS? Welches T-Shirt? Wovon spricht dieser Dödel? WAS GEHT HIER VOR????
    IHR SEID DOCH ALLE WAHHHHHNSINNIIIIIIIG!!!!!

    Scheiße, ich vermisse Foren.

    • Ich bezog mich bezüglich Liebe-Bla auf Interstellar. Dunkirk hat keine Motive oder Handlung oder irgendwas außer Menschen, die durchs Bild stolpern und ne fancy Kulisse.

      Hier ist der Himmel auch grau und kurz vor Gewitter und nur mein Kater ist da. Und weckt mich in dem er mir in die eine Pobacke piekst. Diese Welt ey…

  3. Genau, Nolan stinkt! 6/10 klingt als Rating zum Text gar noch großzügig.
    Und ja, „Baby Driver“ ist prima, praktisch so etwas wie das Konsenswerk des Sommers.

  4. Welche Sprache ist das auf dem Filmplakat Speuntsch? 😀
    Ich verstehe das Salazar Spanier war/ ist, jedoch einen Titel so zu verkrüppeln?

    Und ja Interstellar ist feingeistig, bzw. feingeistiger als so manch anderer Sci- Fi Film siehe Transformers…. und mit feingeistig meine ich auch das Liebesgedöns. Es geht mal zu Abwechslung mal nicht um Boy meets Girls oder Men meets Woman sondern um eine Familiengeschichte bzw. Vater- Tochterbeziehung. Da zeige mir doch bitte mal einen guten „Hollywood“/ „Independentstreifen“ und „Das Fest“ oder „Granny is dancing on the table“ zählen nicht, die kenne ich schon. Ich musste heulen und stehe dazu. BÄM!

    Interstellar ist nicht halb so wissenschaftlich korrekt wie er sich gerne darstellt. Siehe die Schwarze- Loch Szenen, wäre die Altersverlangsamung des Vaters (aufgrund der Raum- Zeitkrümmung, Gravitation, Erwartungshorizont etc.) wirklich so stark gewesen, müsste das Schwarze viel jünger gewesen sein. Somit wäre die Anziehungskraft noch viel höher und sie hätten gar nicht auf dem Planeten landen können, geschweige denn den Ereignishorizont passieren. Zumal Zeitreisen ja schon immer eine Sache für sich waren… und die Alternative eben (Raumkrümmung/ Wurmloch) nicht sehr viel besser dort steht. Es sei denn wir fänden demnächst negative Energiedichten.

    Zu Dunkirk kann ich nichts sagen, denn ich schaue mir nur einmal pro Jahr einen Kriegsfilm an und den hätte ich mit Hacksaw Ridge bereift erfüllt.

    Folgende Filmempfehlungen:

    Beyond the Mountains and Hills (Israelisches Familiendrama)

    Dark Night von Tim Sutton (Drama-Drama)

    Mercenary von Sache Wolff (Comming of Ade Drama)

  5. Murphy und Hardy hätten die Rollen ja nicht annehmen müssen. Oder ist Dabeisein dann vielleicht doch alles?
    Da ich keine Kriegsfilme, die aus reinem Schlachtengetümmel und strategischem Blabla bestehen, schaue, war mir eh schnell klar,
    dass Dunkirk kein Film für mich ist. Ebenso wie die gefühlt 1000. Fortsetzung von Fluch der Karibik. Der aber aus anderen Gründen 🙂 .

    • Anscheinend muss ja der Nolan für eine gute Atmosphäre am Set sorgen, ansonsten kann ich mir echt nicht vorstellen, warum die für solche Rollen immer wieder antanzen. Ich meine die Rolle von Cillian war in „Inception“ jetzt auch nichts großartiges.

      Jap, du hast wirklich nichts verpasst.

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